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Dass die Feuerwehr so schnell löscht, ist diesem kleinen Zeitungsausträger zu verdasnken.

Mülltonnenhäuschen am Kirchplatz brennt

Wie dieser kleine Zeitungsausträger einen Großbrand verhindert

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Marco Sumic trägt gerade Zeitungen aus, als er entdeckt, dass am Kirchplatz ein Müllhäuschen brennt. Der Zehnjährige handelt geistesgegenwärtig:

Geretsried Marco Sumic ist am späten Mittwochnachmittag zusammen mit seiner Großmutter Gabriele Lismann (52) und seiner Urgroßmutter Franziska Modlmayer (70) dabei, Zeitungen auszutragen. „Ich will mir etwas Taschengeld hinzuverdienen, aber als Zehnjähriger darf ich ja noch nicht alleine gehen“, berichtet er. Also müssen die beiden Erwachsenen mit. Das Trio zieht von Haus zu Haus in Richtung Kirchplatz. Plötzlich sieht der Bub „dass Rauch aufsteigt. Zuerst habe ich gedacht, dass da jemand grillt.“ Marco schaut genauer hin: Der Qualm dringt aus einem aus Holz gebauten Müllhäuschen.

„Oma hier brennt’s“, ruft er aufgeregt. Doch dann reagiert er cool: Ohne Zögern reißt er seiner Uroma das Handy aus der Handtasche und wählt die 112. „So schnell konnte ich gar nicht schauen“, sagt Modlmayer, „Marco hat nur noch gerufen, ,Ich hol’ die Feuerwehr‘.“

Wie er es in der Schule gelernt hatte, nennt der clevere Bub seinen Namen und den Grund des Anrufs, als sich der Mitarbeiter der Integrierten Leitstelle meldet. Dann ist es erst einmal ruhig am anderen Ende der Leitung. „Wahrscheinlich hat der Mann im ersten Augenblick gedacht, ein Kind ruft an, das ihn vielleicht auf den Arm nehmen will“, vermutet der Zehnjährige. Also wiederholt er, dass in Geretsried am Kirchplatz ein Schuppen brennt. Der Leitstellen-Disponent fragt nach der Hausnummer. Die weiß Marco nicht und reicht das Telefon an seine Großmutter weiter. Sekunden später heulen Feuerwehr-Sirenen durch die Stadt.

Während die Drei auf die Einsatzkräfte warten, macht Marco ein paar Beweisfotos. „Da rannte ein Bauarbeiter von der gegenüberliegenden Baustelle auf ihn zu und fragte, was er da macht“, erzählt Modelmayer. „Marco hat gesagt, dass er die Feuerwehr alarmiert hat, weil es brennt.“ Der Handwerker dreht sich um und erkennt den Ernst der Lage: Eine meterhohe Stichflamme schießt aus dem Müllhäuschen. Zusammen mit zwei Kollegen versuchen die Arbeiter, mit Feuerlöschern aus ihren Firmenfahrzeugen dem Feuer Herr zu werden – vergeblich.

Die Flammen breiten sich aus, schlagen immer höher. „Die Bauarbeiter haben noch die restlichen Mülltonnen herausgezerrt und auf den Bürgersteig gestellt“, erinnert sich Marco. Kurz darauf trifft die Feuerwehr ein und beginnt mit den Löscharbeiten. Marco beobachtet die Einsatzkräfte noch eine Zeit lang bei ihrer Arbeit. „Dann fand ich, dass es Zeit war, weiter Zeitungen auszutragen“, sagt er, und zuckt mit den Schultern. „Ich konnte ja nichts mehr tun.“

Das Mülltonnenhäuschen ist durch den Brand laut Polizei teilweise zerstört worden. Der Eigentümer beziffert den Schaden auf etwa 10 000 Euro. „Die drei Handwerker kamen vorsorglich wegen des Verdachts auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus“, heißt es im Polizeibericht weiter. „Sie konnten jedoch nach einer ambulanten Behandlung wieder entlassen werden.“

Und Marco? Der ruft später seine Mutter an und informiert sie, was an diesem Nachmittag geschehen ist – und fragt, ob er noch zum Spielen gehen kann. Daniela Sumic muss lachen. „Mein Mann hat schon gefrotzelt“, sagt sie nicht ohne Stolz: „,Erst eben mal schnell die Welt retten, und dann spielen gehen‘. Dann kann ja nichts mehr passieren.“

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