1. Startseite
  2. Lokales
  3. Geretsried-Wolfratshausen
  4. Geretsried

Wie man sich richtig das Älterwerden vorbereitet

Erstellt:

Kommentare

null
„Ich persönlich finde das Älterwerden schön“, sagte Altbürgermeisterin und VdK-Ortsvorsitzende Cornelia Irmer am Stammtisch der Freien Wähler. © Foto: Hans Lippert

Seit vier Jahren ist Ex-Bürgermeisterin Cornelia Irmer im Ruhestand. Jetzt hat sie beim Stammtisch ihrer Parteifreunde über die Herausforderungen des Älterwerdens gesprochen.

Geretsried – „Best Ager“, „Silver Surfer“ oder „Generation Gold“ werden Senioren heute gerne euphemistisch bezeichnet. Eine große Anzahl an Ruheständlern fühlt sich auch fit und zufrieden. Auf der anderen Seite stehen Begriffe wie Altersarmut, Pflegebedürftigkeit und Vereinsamung. Unter der Überschrift „Endlich in Rente - und jetzt?“ berichtete Geretsrieds frühere Bürgermeisterin Cornelia Irmer am jüngsten Stammtisch der Freien Wähler in den Ratsstuben über ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Leben im (Un-)Ruhestand.

Etwa 25 Besucher, überwiegend im sogenannten „besten Alter“, diskutierten angeregt über das Thema. Die einen können es kaum erwarten, die Arbeit hinter sich zu lassen, die anderen befürchten, mit der Pensionierung in ein tiefes Loch zu fallen. Irmer riet in jedem Fall dazu, positiv gestimmt, aber auch gut vorbereitet, in den neuen Lebensabschnitt zu starten. „Ich persönlich finde das Älterwerden schön“, bekannte die 68-Jährige, die seit vier Jahren in Rente ist. Die Evolution habe es so eingerichtet, dass der Mensch stets neugierig auf Veränderungen sei. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, zitierte sie aus ihrem Lieblingsgedicht „Stufen“ von Hermann Hesse. Man könne ausschlafen, reisen, wann man wolle, sei nicht mehr fremdbestimmt, sondern frei in seinem Tun.

Voraussetzung ist natürlich außer der Gesundheit, dass die Rente reicht. Die Ex-Bürgermeisterin meinte, dafür sei zunächst jeder selbst verantwortlich: „Man darf nicht immer nach dem Staat rufen.“ Schon frühzeitig müsse Klarheit darüber herrschen, wie viel einem im Alter an Geld bleibe. FW-Mitglied Ellen Lutze erinnerte daran, dass einer Witwe nur etwa 55 Prozent der Rente des Mannes zustehen. Sollte es – gerade für Frauen, die nicht oder nur Teilzeit gearbeitet haben – knapp werden, sollte man den Weg zur Rentenberatung der Stadt oder des Landratsamts nicht scheuen. „Schämen Sie sich nicht, Grundsicherung zu beantragen“, sagte Irmer, die seit Kurzem Vorsitzende des VdK Geretsried ist und mit solchen Fällen häufig zu tun hat.

Lesen Sie auch: Zur Pflegesituation im Landkreis

Auch einen Wohnungswechsel, weg vom großen Haus, das Arbeit macht, hin zu einem barrierefreien Appartement, womöglich in einer Anlage mit Service, konnte Irmer aus eigener Erfahrung nur empfehlen. Ute Reuter, Seniorenbeirätin des Landkreises, wies in dem Zusammenhang auf ein Modell hin, das der Beirat im Landkreis etablieren möchte. „Wohnen für Hilfe“ gibt es in München schon länger. Es bedeutet, dass Studenten oder Auszubildende im Haus älterer Menschen unterkommen, wenn sie pro Quadratmeter Wohnfläche eine Stunde im Monat kleinere Tätigkeiten für diese verrichten wie Einkaufen oder Rasenmähen. „Das hilft auch gegen Einsamkeit, die kränker machen kann als jede Krankheit“, sagte Reuter. Weitere Rezepte gegen die Vereinsamung sind nach übereinstimmender Erfahrung der Diskussionsteilnehmer die Pflege von Freundschaften und Hobbys sowie das Ausüben von Ehrenämtern. Irmer: „Wenn ich mich für andere engagiere, tut mir das selber gut.“

Kommt allerdings die Zeit, in der man sich nicht mehr selbst versorgen kann, in der man vielleicht pflegebedürftig wird, schaut es im Landkreis nicht rosig aus. Kreisrätin Irmer berichtete, dass es im Moment 850 vollstationäre Pflegeplätze gebe. 1500 würden in den nächsten zehn Jahren gebraucht. Schaffen könne sie jedoch nicht der Kreis. Dieser könne nur auf die Notwendigkeit hinweisen. Auch die Anzahl der Kurzzeitpflegeplätze zur Entlastung pflegender Angehöriger sei mit 28 zu gering. Der Bedarf liege jetzt schon bei 70 bis 80 Plätzen und mittelfristig bei 130.

Die VdK-Vorsitzende wies auf die kostenlosen Beratungsmöglichkeiten für Betroffene und Angehörige hin: VdK, Pflegekassen, ambulante Pflegedienste und die entsprechenden Stellen in den Rathäusern und am Landratsamt. Die Broschüren „Senioren-Kompass“ und „Senioren-Info“ geben zudem einen guten Überblick. Tanja Lühr

Auch interessant

Kommentare