Ein Jugendlicher spielt auf seinem Smartphone.
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Ein Jugendlicher spielt auf seinem Smartphone. Kinder und Jugendliche haben während des Corona-Lockdowns einer Studie zufolge 75 Prozent mehr Zeit mit digitalen Spielen verbracht.

Auswirkungen der Pandemie: Ergebnisse der Umfrage unter Jugendlichen liegen vor

Schonungsloses Stimmungsbild

  • Doris Schmid
    vonDoris Schmid
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In einer Zeit, in der vieles anders ist, muss auch der Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit (TVJA) neue Wege gehen, um gut hinhören zu können. Aus diesem Grund wurde mit Förderung durch das Amt für Jugend und Familie eine Online-Befragung unter Jugendlichen durchgeführt. Der TVJA wollte wissen, wie sehr die Auswirkungen der Corona-Pandemie junge Menschen beeinflussen.

Geretsried - Aufgrund bürokratischer Hemmnisse wurde die Befragung nicht an den weiterführenden Schulen im Sozialraum Mitte, zu dem die Orte Geretsried, Königsdorf und Dietramszell gehören, durchgeführt, so TVJA-Geschäftsführer Rudi Mühlhans in einer Pressemitteilung. Sie fand stattdessen im Internet vom 17. Februar bis 15. März statt. Ziel der Umfrage sei es gewesen, „einen ganzheitlichen Blick auf die Lebenslage junger Menschen zu richten“. Insgesamt 323 Personen nahmen daran teil. 236 von ihnen beantworteten alle Fragen vollständig – sie bilden die Grundlage der Auswertung. Die Geschlechterstruktur verteilt sich auf 122 weibliche, 98 männliche und 3 diverse Teilnehmer. Mühlhans: „Insgesamt 52 Prozent davon leben im Sozialraum Mitte.“ Sehr viele der Befragten besuchen die Realschule und das Gymnasium in Geretsried oder vergleichbare Schulen in anderen Orten. „Teilnehmende von Förder- und Mittelschulen fehlen entweder komplett oder sind stark unterrepräsentiert.“

Sie erleben massive Beschränkungen im Bereich Freunde, Freizeit, Schule, Gesellschaft und Politik und empfinden in diesen Feldern mehrheitlich negative Auswirkungen durch die Corona-Beschränkungen.“

Rudi Mühlhans vom TVJA

Von vielen jungen Menschen wird geäußert, dass die Pandemie „massive Auswirkungen“ auf ihr Leben habe. „Sie erleben massive Beschränkungen im Bereich Freunde, Freizeit, Schule, Gesellschaft und Politik“, so Mühlhans „und empfinden in diesen Feldern mehrheitlich negative Auswirkungen durch die Corona-Beschränkungen.“

Begleiter im Lockdown: Handy, Laptop, Fernseher

Der Medienkonsum ist bei 71 Prozent der Befragten gestiegen. Die Mehrheit gab einen Wert von ein bis fünf Stunden an. 69 Prozent aller Befragten sind während des Homeschoolings zufrieden mit der Unterstützung durch die Lehrkräfte. Nahezu die Hälfte der Teilnehmer gibt an, durch das Homeschooling verstärkt körperliche Beschwerden wie Kopfweh und Rückenschmerzen zu haben. Zum Zeitpunkt der Befragung gaben sehr viele junge Menschen an, dass sie sich eine Öffnung der Schulen wünschen. „Jene, bei denen zu Hause eine andere Muttersprache gesprochen wird, begründen dies oft damit, dass sie dort besser Deutsch lernen können.“

Rudi Mühlhans Geschäftsführer des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit Geretsried

Ein weiteres Ergebnis, das hervorsticht: 95 Prozent der Befragten ist die Familie sehr wichtig oder wichtig. „Ein Lichtblick in diesen für alle herausfordernden Zeiten“, sagt Mühlhans.

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Um die Stimme der Befragten nach außen zu tragen, werden die Befragungsergebnisse den im Landtag vertretenen Parteien, dem Jugendring und Kooperationspartnern des TVJA übermittelt, kündigt der Geschäftsführer an. Auch auf der Webseite www.jugendarbeit-geretsried.de und über die Social-Media-Kanäle sollen sie veröffentlicht werden.

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„Unser Ziel der Umfrage war und ist es, jungen Menschen eine Stimme zu geben“, so der Geschäftsführer. „Mit den Ergebnissen liegt ein interessantes Stimmungsbild junger Menschen vor, von dem wir hoffen, dass es weithin gehört wird.“  nej

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Zwei junge Männer berichten

Zwei junge Männer, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, berichten, wie sie die Corona-Zeit erleben. „Im Lockdown war ich hauptsächlich zuhause und habe gezockt. Viel mehr als sonst. Was soll man auch machen? Manchmal habe ich mich mit einem Freund getroffen. Ich freue mich, dass der Saftladen wieder auf ist und wir uns hier treffen können“, so der 18-Jährige, der derzeit beschäftigungslos ist.

Auch ein 21-jähriger Mann, der von Beruf Maler, ist, schildert seine Erfahrungen: „Im Lockdown und durch Corona gab es viele Veränderungen im Freundeskreis. Einige Freundschaften sind auseinandergegangen. Die Kreise haben sich verändert, dafür sind andere Freundschaften intensiver geworden. Ich habe mich hauptsächlich immer mit denselben zwei, drei Leuten getroffen. Am Anfang auch mal mehr, zu dritt oder viert, aber es war zu riskant. Es gab mehr Strafen, ich kenne einige, die Zahlen mussten. Wenn wir uns getroffen haben, haben wir meistens einfach zusammen abgehangen, auch viel Alkohol getrunken. Aber ich würde sagen, nicht mehr als sonst. Manchmal sind wir auch wo hingefahren, zum Blomberg oder an den Starnberger See zum Beispiel.“ Weiter erzählt er: „Ich habe in meinem Umfeld so viele Beziehungen kaputt gehen sehen. Ich denke, das liegt am fehlenden Ausgleich. Man kann einfach nichts machen, nur arbeiten, schlafen. Was will man schon tun? Du kannst nirgendwo hingehen, alles ist zu, nicht mal einen Kaffee kann man trinken gehen. Stimmungsmäßig ist da dann alles vorhanden, was man sich so vorstellen kann. In den letzten Wochen bin ich viel lustloser und müder geworden. Es ist auch privat viel passiert“, berichtet der 21-Jährige. „Jetzt wohne ich wieder bei meiner Mutter. Das ist besser, als alleine zu sein, ich komme so besser zurecht. Um die Arbeit mache ich mir keine Sorgen, als Maler haben wir immer etwas zu tun. Ich hatte sehr viel Arbeit in den letzten Monaten.“ Und weiter: „Positiv an dem Ganzen ist, dass man auch mehr Zeit für sich selbst hat und manchmal weniger Stress. Vorher war ich in vielen Vereinen. Da gibt es immer Sitzungen. Man muss irgendwohin, so viele Leute, das kann auch stressig sein. Aber trotzdem: Corona nervt, das wird auch dieses ganze Jahr noch so gehen. Ich bin froh, dass der Saftladen wieder offen hat. Ich habe das bei Instagram gesehen, es ist gut, wieder hier zu sein und Leute zu treffen.“ red

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