Nachruf

„Gasthaus war ihr Ein und Alles“

Eine große Trauergemeinde wird an diesem Mittwoch Abschied nehmen von Anneliese Ücker. Die Wirtin der Gaststätte Isarwinkel ist am 30. April im Alter von 74 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben.

Geretsried   Sie hinterlässt ihre 97-jährige Mutter Therese, ihren Sohn und heutigen Lokalbesitzer Bernhard sowie Enkelsohn Adrian.

1963 kam Therese Ücker mit ihrer 20-jährigen Tochter Anneliese von Gumpertsham im Landkreis Rosenheim nach Geretsried. Thereses Bruder hatte den elterlichen Hof geerbt, sie war ausbezahlt worden. Die beiden Frauen bauten, damals mitten im Wald, die Gaststätte Isarwinkel samt Fremdenzimmern auf. In einer bescheidenen Wohnung im ersten Stock lebten sie. „Sie schufteten Tag und Nacht“, weiß Bernhard Ücker aus Erzählungen.

Es gab seinerzeit nicht allzu viele bayerische Gaststätten in der Stadt. Die Menschen, hauptsächlich Heimatvertriebene, hatten sich in den Jahren nach dem Krieg etwas aufgebaut und wollten ihr Leben genießen – mit Ausgehen, Tanzen und Feiern. Das Isarwinkel mit dem geräumigen, abgetrennten Stüberl war seit jeher eine Faschingshochburg. Therese Ücker stand in der Küche, ihre Tochter übernahm den Service. Die Wirtinnen waren beliebt, weil immer freundlich. Sie versuchten, es jedem Gast recht zu machen. „Wollte jemand um elf Uhr abends noch etwas essen, wurde eben schnell ein Wurstsalat zubereitet“, erzählt Bernhard Ücker.

Bis zum Tag seiner Geburt habe seine Mutter gearbeitet. Zwei Tage nachdem er auf der Welt gewesen sei, habe sie sich schon wieder die Schürze umgebunden und bedient. Ücker: „Das Gasthaus war ihr Ein und Alles.“

Der Sohn wuchs zwischen Küche und Biertresen auf und langsam in den Beruf des Wirts hinein. „Die Oma und die Mama waren streng, aber ich hatte eine wunderbare Kindheit“, sagt er. Nur selten habe sich seine alleinerziehende Mutter etwas Zeit für sich gegönnt. Sie tanzte gerne und später, als der mittlerweile gelernte Koch Bernhard das Restaurant übernommen hatte, ging sie gelegentlich auswärts essen. Griechisch mochte sie gerne. Wie es so oft ist, holte sie bei Enkelsohn Adrian nach, was sie bei ihrem Sohn wegen der vielen Arbeit versäumt hatte. „Sie vergötterte ihn“, erzählt Bernhard Ücker.

Trauerfeier

Die Trauerfeier für Anneliese Ücker findet um 14 Uhr in der Aussegnungshalle des Waldfriedhofs statt. 

Tanja Lühr 

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