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Therese Ücker

Nachruf 

Die gute Seele des „Isarwinkel“

Die Wirtin und Gründerin des „Isarwinkel“, Therese Ücker, ist im Alter von 96 Jahren gestorben - sechs Monate nach ihrer Tochter Anneliese. 

Geretsried Auf der Eckbank in der Küche saßen Pfarrer Varadi, Bürgermeister Schneider und der alte „Schmid-Bäck’“ gerne beim Bier zusammen. In den 1960er- und 70er-Jahren mussten Ess- und Kochbereich in der Gastronomie noch nicht streng getrennt sein. Die Gaststube war immer gut gefüllt, und wenn jemanden spätabends der Hunger überkam, briet ihm Therese „Resi“ Ücker schnell eine ihrer berühmten Currywürste.

Die Wirtin und Gründerin des „Isarwinkel“ war die gute Seele des Hauses. Vergangene Woche verstarb sie im Alter von 96 Jahren, sechs Monate nach ihrer Tochter Anneliese. Sie sei friedlich eingeschlafen, sagt ihr Enkel Bernhard Ücker. Er habe seiner Oma versprechen müssen, die Wirtschaft – „ihr Ein und Alles“ – weiterzuführen, erzählt er. Im Januar wird er weitere Gästezimmer im ersten Stock renovieren, die beiden Speiseräume und die Terrasse sind neu hergerichtet. Man darf also davon ausgehen, dass das Traditionslokal an der Richard-Wagner-Straße noch eine Weile bestehen wird.

Therese Ücker kam in Gumpertsham bei Arget auf einem Einödhof als eines von vier Kindern zur Welt. Schon als Mädchen musste sie helfen, den Hof zu führen. Der Vater war an der Front. Die Mutter wurde früh pflegebedürftig; auch um sie kümmerte sich die junge Resi. „Sie hatte keine schöne Kindheit“, weiß Bernhard Ücker.

1943 wurde ihre uneheliche Tochter Anneliese geboren – eine Schande zur damaligen Zeit. Mit ihr machte sich Therese 1963 auf den Weg nach Geretsried. Ihr Bruder hatte den elterlichen Hof geerbt, sie war ausbezahlt worden. Die beiden Frauen bauten – damals mitten im Wald – die Gaststätte Isarwinkel samt Fremdenzimmern auf. Die Wirtinnen lebten in einer bescheidenen Wohnung im ersten Stock. Sie arbeiteten rund um die Uhr, die Ältere kochte, die Jüngere bediente.

Gegenüber dem Restaurant befand sich seinerzeit noch eine Natureisbahn. Stammgast Dieter Künzl, heute 76, erinnert sich: „Die Eishockeyspieler kamen alle hierher. Zeitweise hat die Resi ihnen auch durchs Fenster wie in einer Art Kiosk Würstel verkauft.“ 1975 wurde Bernhard geboren, auch er unehelich. „Die Mama und die Oma haben mich großgezogen“, berichtet er. In der Küche stand ein Laufstall, aber meistens krabbelte und lief der Kleine zwischen Tischen und Tresen herum.

Dienstag war Ruhetag. Da fuhren die zwei Frauen gerne ins Strandbad Undosa nach Starnberg. Abends gingen sie Chinesisch essen im Restaurant am Wolfratshauser Märchenwald. Viel mehr gönnten sich die Wirtinnen, die vor 30 Jahren zusammen ein Haus im Komponistenviertel bezogen, nicht. Einmal im Jahr ein Urlaub an der Nordsee oder in Südtirol, das war’s. Erst im hohen Alter entdeckte Therese Ücker die Lust am Reisen. Mit 80 flog sie zusammen mit Freundinnen nach Kanada. Bis zu ihrem 85. Geburtstag arbeitete sie im Isarwinkel mit. Unter anderem bereitete sie das Frühstück für die Übernachtungsgäste zu.

Geschätzt wurde „die Resi“ laut Dieter Künzl vor allem wegen ihrer Ruhe und Freundlichkeit. „Ich hab’ sie nie zwider erlebt“, betont der Stammgast. Fehlen wird sie – geistig und körperlich fit bis fast zum Schluss – auch Enkel Adrian (17), den sie vergötterte. 

Tanja Lühr

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