+
Auf dem ehemaligen Lorenz-Areal an der Banater Straße sollen 768 Wohnungen entstehen. 

Ehemaliges Lorenz-Areal

Wohnen und daneben Gewerbe: Für die Bauer Group passt das nicht - für Krämmel schon

  • schließen

Wohnen und daneben Gewerbe: Das passt für den Kompressorenhersteller Bauer nicht zusammen. Für die Firma Krämmel schon, so Korbinian Krämmel im Interview.

Geretsried –  Sie will gegen das neue Wohngebiet an der Banater Straße klagen. Wenn es sein muss, bis zur letzten Instanz. Auf diese Ankündigung reagiert Korbinian Krämmel, Geschäftsführer der gleichnamigen Baufirma, relativ entspannt. In seinen Augen passen Wohnen und Gewerbe durchaus zusammen, wie er im Interview mit unserer Zeitung erklärt. Er versucht außerdem, die Vorwürfe des benachbarten Kompressorenherstellers zu entkräften.

Herr Krämmel, die Bauer Group will mit allen Mitteln gegen Ihr Wohnbauprojekt an der Banater Straße vorgehen. Flößen Ihnen diese drohenden Worte Angst ein?

Korbinian Krämmel ist Geschäftsführer der gleichnamigen Firma.

Im Frühjahr 2015 wurde die Idee für dieses Projekt geboren. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bezahlbaren Wohnraum in einem städtebaulich attraktiven Quartier zu schaffen. Für uns war von Anfang an klar, dass das Nebeneinander von Wohnen und Gewerbe funktionieren muss. Auch die Stadt hat klipp und klar gesagt: Wir starten kein Verfahren, wenn dieser Punkt nicht geklärt ist. In den vergangenen vier Jahren haben wir alles mehrfach geprüft und dafür auch Verzögerungen in Kauf genommen. Wir haben mit jeder erdenklichen Sorgfalt gearbeitet.

Zur Prüfung haben Sie mehrere Experten beauftragt.

Das stimmt. Und auch die Stadt wurde von Anfang an von einem Juristen begleitet und beraten. In der Analyse der Experten kam heraus, dass unser Vorhaben grundsätzlich möglich ist. Dann hat die Stadt gesagt: Jetzt starten wir ins Verfahren. Und wir sind immer an dem Punkt Wohnen und daneben Gewerbe dran geblieben. Das war uns ganz wichtig. Wir wollten das Projekt nicht nur irgendwie durchbringen.

Hat es deshalb auch drei öffentliche Auslegungen gegeben?

Genau. 2016, 2018 und 2019 gab es für die Öffentlichkeit und die Träger öffentlicher Belange wie zum Beispiel Fachbehörden die Möglichkeit, sich mit einer Stellungnahme an dem Bebauungsplanverfahren zu beteiligen. Auf diesem Weg haben wir unser Konzept weiter optimiert. Jetzt können wir ruhigen Gewissens sagen, dass unsere Pläne, ein attraktives Wohnquartier zu schaffen, das benachbarte Gewerbe nicht einschränken werden.

Das sieht die Bauer Group ganz anders. Das Unternehmen spricht von einer „Fehlplanung“ und hält den Standort für absolut falsch.

Wo auch immer der Sprecher der Bauer Group (Prof. Dr. Stephan Heller, Anm. d. Red.) seine Aussagen hernimmt, mich erinnert das ein bisschen an den US-Präsidenten Donald Trump. Der behauptet irgendwas, und damit wird suggeriert, dass das so ist. Das Ganze wird noch untermauert mit der Aussage eines angeblichen Experten, dessen Name nicht genannt wird und der nichts vorzuweisen hat. Das kann man in unserem Fall sehr anschaulich an den Beispielen Grundwasser und Schallschutz sehen.

Durch den Bau der „riesigen Tiefgarage“, so der Sprecher der Firma Bauer, werde das Grundwasser aufgestaut. Es könnte „schlimme Auswirkungen für viele Häuser“ geben.

Wenn sich Herr Prof. Dr. Heller oder ein Experte der Firma Bauer unsere Pläne tatsächlich angeschaut hat, kann er uns gerne sagen, wie er darauf kommt, dass hier das Grundwasser aufgestaut wird. Unsere Parkgarage ragt gar nicht ins Grundwasser. Das ist relativ leicht aus unseren Planunterlagen ersichtlich. Zudem gibt es ein Bodengutachten, das dreimal öffentlich auslag und den Sachverhalt genau beschreibt.

Auf welchem Niveau beginnt das Grundwasser?

Aus dem Gutachten ist ersichtlich, dass wir zwei verschiedene Grundwasserniveaus haben. Im Süden Richtung Elbestraße liegt der mittlere Grundwasserstand bei minus 5,40 Meter, im Norden an der Banater Straße bei minus 4,50 Meter. Der Unterschied liegt also bei etwa einem Meter. Der Bemessungsgrundwasserstand als relevante Höhe liegt jeweils zirka zweieinhalb Meter höher. Unsere Garagenunterkante liegt noch mal etwa einen Meter höher und tangiert das Grundwasser somit nicht. Selbst bei einem hundertjährigen Hochwasser sind wir damit noch im grünen Bereich.

Wie sieht es beim Thema Schallschutz aus?

Für alle umliegenden Betriebe gibt es rechtskräftige Bebauungspläne, Baugenehmigungen oder sogar beides. Dort sind unter anderem auch Werte für zulässige Schallemissionen oder Schallimmissionen hinterlegt. Manchmal unterscheiden sich diese. Wir sind bei unseren Planungen immer von den für uns schlechteren und damit für die Betriebe auf der sicheren Seite liegenden Werten ausgegangen.

Vermutlich haben Sie auch die Werte der Firma Bauer berücksichtigt.

Bei Bauer ist es so, dass es eine relativ neue Baugenehmigung aus dem Jahr 2013 gibt und einen Bebauungsplan, der schon ein bisschen älter ist. Die Baugenehmigung ist genau auf die Produktionsabläufe der Firma Bauer abgestimmt. Es gibt ein zugehöriges Schallgutachten und darin steht, welche Abläufe es gibt und welche Schallwerte zu welcher Tageszeit emittiert werden. Den sich aus dem Bebauungsplan und der Baugenehmigung mitsamt Schallgutachten ergebenden und für uns ungünstigsten maximalen Wert hat unser Gutachter als Grundlage genommen und darauf sein Modell entwickelt.

Wie sieht das Modell aus?

Die Baugenehmigung billigt der Firma Bauer gegenüber den beantragten Schallemissionen aufgrund der Betriebsabläufe und gegenüber den zulässigen Werten aus dem Bebauungsplan sogar noch höhere Emissionen zu. Das haben wir berücksichtigt und damit noch einen Puffer mit eingerechnet.

Trotzdem befürchtet das Unternehmen Klagen von den neuen Nachbarn.

Diese Aussage fußt möglicherweise auf unzureichender Informationslage und vielleicht falscher Beratung. Gegen was soll jemand klagen, wenn sich der andere an die zulässigen Grenzwerte hält? Dann bekommt er wahrscheinlich gleich eine Klageabweisung des zuständigen Gerichts oder im Zweifelsfall vom Richter gesagt, dass die Grenzwerte sogar noch mit einem Sicherheitszuschlag versehen wurden und alles in Ordnung ist. Bei unserem Planungsziel, Wohnen und Gewerbe nebeneinander zu ermöglichen, ist auf allen Ebenen extrem sauber und detailliert gearbeitet worden.

Wie viele Schallschutzgutachter wurden beauftragt?

Wir als Vorhabensträger haben zwei Gutachter beauftragt. Der erste hat die Grundsätzlichkeiten erarbeitet. Dann haben wir den Gutachter gewechselt.

Aus welchem Grund?

Es lag nicht daran, dass wir die Kompetenzen des ersten Gutachters angezweifelt haben. Im Gegenteil. Wir hätten gerne mit ihm weitergearbeitet, weil er aus unserer Sicht genau der Richtige gewesen ist.

Was zeichnete den Gutachter aus?

Er kannte sich aus, weil er früher für die Firma Bauer gearbeitet hat. Er hat 2013 das Gutachten für den Bauantrag gemacht. Deshalb hat er genau gewusst, was bei Bauer los ist und das für uns entsprechend berücksichtigt. Als sich herauskristallisierte, dass Bauer mit unserem Vorhaben ein Problem haben könnte, hat sich der Gutachter zurückgezogen. Er wollte nicht in einen Gewissenskonflikt geraten. Das konnten wir nachvollziehen.

Lesen Sie auch: Lorenz-Areal: Bauer Group wehrt sich mit allen Mitteln gegen das Wohngebiet

Deshalb mussten Sie sich einen neuen Gutachter suchen.

Ja. Außerdem wollten wir die Ergebnisse des ersten überprüfen lassen. Den dritten Gutachter hat die Stadt eingeschaltet, um sich abzusichern. Er suchte noch mal alles auf mögliche Schwachstellen ab. Die Ergebnisse daraus sind in das dritte Beteiligungsverfahren eingeflossen und im März zu Ende geführt worden.

Auch interessant: Der Weg für 768 Wohnungen auf dem Lorenz-Areal ist frei

Dann ist aus Ihrer Sicht alles abgearbeitet?

Auch wenn ich mich wiederhole: Uns geht es darum, bezahlbaren Wohnraum in einem attraktiven Quartier zu schaffen. Damit Wohnen und Gewerbe nebeneinander funktionieren kann, haben wir alles Erdenkliche getan. Für uns sind alle Punkte mit einem grünen Haken versehen. Und das Schaffen von bezahlbaren Wohnungen ist in Zeiten des Fachkräftemangels sicher auch im Interesse von unseren benachbarten Firmen und deren Mitarbeitern.

Die Auswirkungen einer möglichen Klage

Könnte eine Klage das Bauprojekt auf dem ehemaligen Lorenz-Areal ausbremsen? „Man kann natürlich gegen den Bebauungsplan ein Normenkontrollverfahren anstrengen“, sagt dazu Landratsamt-Pressesprecherin Sabine Schmid auf Nachfrage unserer Zeitung. Dieses Verfahren würde sich unmittelbar gegen den Bebauungsplan richten und in der Regel auch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. „Ansonsten bleibt natürlich die Möglichkeit, im Anschluss gegen die jeweiligen Baugenehmigungen als Nachbar zu klagen.“ 

Eine Klage gegen eine Baugenehmigung habe jedoch grundsätzlich keine aufschiebende Wirkung. „Das bedeutet, dass trotz einer anhängigen Klage trotzdem gebaut werden könnte, sofern kein Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung gestellt wird.“ Weil der Ausgang des Verfahrens ungewiss ist, baut laut Schmid in der Regel dann keiner. Wann das Landratsamt über die Bauanträge entschieden haben wird, kann Schmid nicht abschließend beantworten. „Da es sich hier um ein sehr großes Projekt handelt, ist die Zeitdauer einfach noch nicht abzuschätzen.“

nej

Lesen Sie auch: Schritt für Schritt zum kompletten Fahrverbot am Karl-Lederer-Platz?

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Eröffnung am Karl-Lederer-Platz: Händler können (bald) aufatmen
Die Geschäfte am Karl-Lederer-Platz haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren stark unter der Baustelle vor ihrer Ladentür gelitten. Auch wenn diese noch nicht ganz …
Eröffnung am Karl-Lederer-Platz: Händler können (bald) aufatmen
ESC: Die Tabellennachbarn kommen zu Besuch
Bayernligist Geretsried will im Heimspiel gegen Pfaffenhofen die Fehlerquote niedrig halten und den Hinspielerfolg wiederholen.
ESC: Die Tabellennachbarn kommen zu Besuch
Kommunalwahl 2020: Gemeinsame Wählervereinigung nominiert Moritz Sappl
Die Gemeinsame Wählervereinigung setzt auf den Amtsbonus und schickt Rathauschef Moritz Sappl erneut ins Rennen. 
Kommunalwahl 2020: Gemeinsame Wählervereinigung nominiert Moritz Sappl
Kommunalwahl 2020: Dietramszeller Bürgerliste gibt Chefsessel frei
Mit 20 Gemeinderatskandidaten tritt die Bürgerliste Dietramszell bei den Kommunalwahlen an. Aber: Es gibt keinen Bewerber für die Nachfolge von Rathauschefin Leni …
Kommunalwahl 2020: Dietramszeller Bürgerliste gibt Chefsessel frei

Kommentare