Führerschein
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Ohne Führerschein war ein Geretsrieder unterwegs - nicht zum ersten Mal. (Symbolfoto)

Drogen im Spiel

Geretsrieder schon wieder ohne Führerschein unterwegs - deutliche Worte im Gerichtssaal

  • vonRudi Stallein
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„Es gibt Leute, die schreien: Bitte sperrt mich ein“, sagte Richter Helmut Berger jüngst im Gerichtssaal. Ganz nah dabei sah er den Angeklagten, der vor ihm saß.

Geretsried/Wolfratshausen Der Richter sagte dem mehrfach vorbestraften Angeklagten unverblümt, was er von dessen Aktionismus hält. „Es gibt Leute, die schreien: Bitte sperrt mich ein. Ganz nah dabei stehen sie.“ Nach einer kurzen Pause ergänzte er: „Das ist ganz große Kacke.“

Trotz zweifacher offener Bewährung – ein Jahr hat er wegen Diebstahls bekommen, zwei weitere Jahre unter anderem wegen Drogenhandels und Fahrens ohne Fahrerlaubnis – wurde der Geretsrieder (38) erneut ohne Führerschein erwischt. Zudem fand die Polizei in seiner Wohnung geringe Mengen Amphetamin und Marihuana. Dennoch kam der Mann dieses Mal mit einer saftigen Geldstrafe in Höhe von 7500 Euro davon.

Verteidiger Stevan Krnjaic hatte zuvor für seinen Mandanten hinsichtlich des unerlaubten Drogenbesitzes ein voll umfängliches Geständnis vorgetragen. Für die zwei Fälle des Fahrens ohne Fahrerlaubnis machte der Rechtsanwalt Dummheit geltend: „Er hätte wissen müssen, dass er für Fahrten in Deutschland keine Fahrerlaubnis hat.“ Bei Kontrollen am 11. Mai vorigen Jahres in Wolfratshausen sowie einen Monat später in Geretsried hatte der Angeklagte den Polizisten „einen tschechischen Zettel gegeben, und behauptet, mit dem dürfe er fahren“, berichtete ein Beamter vor Gericht. Die Fahrerlaubnisbehörde am Landratsamt in Bad Tölz habe jedoch mitgeteilt: Er darf bei uns nicht fahren. Trotzdem wurde der Beschuldigte zwei Monate später auf der Autobahn A7 bei Werneck erneut ohne gültigen Führerschein sowie Drogen im Auto erwischt. Dafür war er vom Amtsgericht Schweinfurt im Mai dieses Jahres bereits zu 120 Tagessätzen à 20 Euro verurteilt worden.

„Man fühlt sich ein bisschen veralbert“, ließ der Staatsanwalt den Angeklagten wissen. „Sie sind wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis vielfach vorgeahndet. Aber sie schaffen es, ohne Führerschein, aber mit Drogen zu fahren. Da muss man sich fragen: Ja, geht’s denn noch“, sagte der Anklagevertreter und forderte für den „Bewährungsversager“, der sich „beharrlich gegen die Rechtsordnung stellt“, eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten.

„Er hat Mist gebaut, zum wiederholten Mal“, räumte Verteidiger Krnjaic ein. „Aber er bemüht sich, so gut es geht.“ Was man daran erkenne, dass zwischen der letzten Verurteilung und der erneuten Straffälligkeit „zweieinhalb Jahre gar nichts gewesen“ sei.

Dass es Richter Helmut Berger unter Einbeziehung des Schweinfurter Urteils bei einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu je 25 Euro beließ, verdankte der Angeklagte dem positiven Bild, das der Bewährungshelfer über ihn gezeichnet hatte. Berger kündigte jedoch an, die Bewährungszeit aus den früheren Urteilen zu verlängern und die Auflagen enger zu zurren. „Wenn er es dann immer noch nicht kapiert, ist ihm nicht zu helfen. Wir haben jetzt genug vorgeleistet, mehr geht nicht.“ 

rst

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