Gähnende Leere herrscht in der Ausgabestelle der Tafel an der Jeschkenstraße. Vorsitzende Heidemarie Ritter und ihr Team geben die Lebensmittel derzeit kontaktlos in Tüten aus.
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Gähnende Leere herrscht in der Ausgabestelle der Tafel an der Jeschkenstraße. Vorsitzende Heidemarie Ritter und ihr Team geben die Lebensmittel derzeit kontaktlos in Tüten aus.

Lebensmittelausgabe läuft wieder an

Tafel in Zeiten der Corona-Pandemie: Eine Gratwanderung

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    VonSabine Hermsdorf-Hiss
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Die Tafel ist eine wichtige Stütze für Menschen, die wenig Geld haben. In Zeiten der Corona-Pandemie haben es die ehrenamtlichen Helfer selbst nicht leicht.

Geretsried – Besuch in der Ausgabestelle der Geretsrieder-Wolfratshauser Tafel an der Jeschkenstraße: Auf den Regalen und Tischen, auf denen normalerweise Obst und Gemüse liegen, herrscht gähnende Leere. Bei der Brotausgabe im Eck gegenüber das gleiche Bild: Statt Semmeln liegen hier nur ein paar Stiegen und ein Stapel Papiertüten – das war’s.

Seit Mitte Dezember 2020 hat die Tafel coronabedingt ihre Verteilung vor Ort eingestellt, musste fast allen Geschäften, die Lebensmittel spenden, absagen. „Denn wie sollten wir verderbliche Waren wie Obst und Gemüse lagern? Wir wussten ja selbst erst einmal nicht, wie es weitergeht“, erklärt die Vorsitzende Heidemarie Ritter. „Die Entscheidung war eine Gratwanderung.“

Denn: Auf der einen Seite sind rund 650 Menschen in Geretsried und Wolfratshausen auf Unterstützung angewiesen, auf der anderen Seite besteht eine Fürsorgepflicht gegenüber Mitarbeitern und Kunden. Letztere hatten laut Ritter übrigens absolutes Verständnis für die Maßnahme.

Vergangenes Jahr führte der Umgang mit Lebensmittel-Spenden zu einem Streit zwischen Edeka-Chef Klaus Heininger und der Geretsrieder-Wolfratshauser Tafel. Er schlug hohe Wellen.

Was ohne Einschränkungen weiterläuft, sind die Hauslieferungen, die es bereits vor Corona gab. „Adressaten sind vor allem erkrankte oder ältere Menschen, die mit Rollatoren unterwegs sind und den Weg zu uns gar nicht schaffen würden“, erklärt die Tafel-Vorsitzende. Sie hatte sich im Vorfeld bei jeder Anlaufstelle ein Bild gemacht, um für die Betroffene eine Lösung zu finden. Zu den 23 Hauslieferungen kamen noch „vier bis fünf dringende Fälle hinzu, bei denen uns die Caritas um Unterstützung gebeten hatte.“

Lebensmittelausgabe ohne Kundenkontakt

Anfang Juni ist die Lebensmittelausgabe vor Ort wieder angelaufen, allerdings ohne Kundenkontakt. Die auf Unterstützung angewiesenen Bürger stehen in einer Reihe draußen vor der Tür und warten, bis sie dran sind. „Ich freue mich, wie diszipliniert sich die meisten verhalten“, sagt Ritter. Trotzdem stellt die Tafel immer einen Mitarbeiter ab, der auf die Einhaltung der Abstände und das Tragen von Masken achtet.

Jeder Kunde bekommt eine Nummer zugewiesen, wird nach Vorlieben und Familienverhältnissen gefragt. „Die einen essen zum Beispiel lieber Rind- statt Schweinefleisch. Oder: Gibt es Kleinkinder in der Familie, ist jemand krank?“ Für jeden wird aufgrund dieser Informationen eine individuelle Tüte zusammengestellt, die dann nach Aufruf abgeholt werden kann.

„Natürlich hoffen wir, dass wir irgendwann den normalen Betrieb wieder aufnehmen können“, betont die 68-Jährige. Rund 100 Mitarbeiter unterstützen die Tafel nach wie vor. „Ein paar wenige haben sich aus verschiedenen Gründen vorläufig ausgeklinkt“, sagt die Vorsitzende. „Entweder weil sie die zweite Impfung noch nicht hatten oder selbst krank geworden sind.“ Drei Mitarbeiter gingen, weil sich deren Lebenssituation etwa durch Umzug, geändert hat. „Aber wegen Corona ist keiner abgesprungen.“, sagt Ritter. Weitere Helfer seien jederzeit willkommen. „Sie brauchen sich nur zu melden. Wir freuen uns.“

Kontakt

zur Tafel per E-Mail an tafel-ger-wor@t-online.de

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