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Die Mitglieder der Schülerfirma begleiteten Menschen mit Handicap.

Verein muss Begleitdienste für Behinderte einstellen

Darum löst sich die Schülerfirma auf

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Die Geretsrieder Schülerfirma macht nicht mehr weiter. Aufgrund neuer Gesetzeslagen muss der Verein die Begleitdienste für Behinderte einstellen.

Geretsried/Wolfratshausen– 16 Jahre nach der Gründung hat die Mitgliederversammlung des Fördervereins Schülerfirma Freizeit aktiv und sozial beschlossen: Der Förderverein wird aufgelöst. „Wir befinden uns in der Liquidationsphase“, sagt Vorstandsmitglied Josef Peitz im Gespräch mit unserer Zeitung. Der 82-jährige Wolfratshauser ist als sogenannter Liquidator bestellt worden. Der in Geretsried beheimatete gemeinnützige Förderverein Schülerfirma wurde 2003 mit dem Zweck gegründet, geistig und/oder körperlich behinderten Menschen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Begleitsdienste für Freizeit- und Förderungsaktivitäten anzubieten. Die Betreuung übernehmen Schüler und Studenten auf freiwilliger Basis. Sie begleiten die Menschen mit Handicap beim Schwimmen, Radfahren oder Wandern, besuchen mit ihnen gemeinsam Sportveranstaltungen und Christkindlmärkte sowie Konzerte und treffen sich mit ihnen zu gemeinsamen Brettspielen oder zum Musikhören.

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Josef Peitz wurde zum Liquidator der Schülerfirma bestellt. 

Der Förderverein hat unter anderem die Aufgabe, Schüler und Studenten für diese Tätigkeit anzuwerben und auszubilden. Dazu gesellt sich das Sammeln von Spenden. Der Förderverein arbeitet unter dem Dach der Lebenshilfe Bad Tölz-Wolfratshausen, in Spitzenzeiten engagierten sich 70 Jugendliche und Studenten, um die Lebensqualität behinderter Menschen im Landkreis zu verbessern. Geleistet wurden Jahr für Jahr mehr als 1500 Arbeitsstunden. Die Betreuten zahlten drei Euro die Stunde, der Förderverein bezuschusste jede Arbeitsstunde mit demselben Betrag, der den Ehrenamtlichen als Aufwandsentschädigung ausgezahlt wurde. Peitz, langjähriges Lebenshilfe-Vorstandsmitglied, fungierte als ehrenamtlicher Mentor der Schüler und koordinierte die laufenden Geschäfte.

„Nun ist leider Schluss“, bedauert der Wolfratshauser die Entscheidung. Finanziell stehe die Schülerfirma zwar sehr gut da („wir hatten im vergangenen Jahr unterm Strich so viele Betreuungsstunden wie noch nie“), doch unter anderem das seit 2017 geltende Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (Stichwort Mindestlohn) mache die Weiterführung des Projektes unmöglich. Die Schüler und Studenten nach den gesetzlichen Vorgaben zu entlohnen und gleichzeitig von den Betreuten beziehungsweise deren Angehörigen nur sehr wenig zu verlangen: „Das können wir dauerhaft nicht leisten“, stellt Peitz fest. Dazu kämen neue persönliche Haftungsrisiken für die Vorstandsmitglieder. Er selbst und seine Mitstreiter hätten schließlich schweren Herzens beschlossen: „Wir machen nicht weiter.“

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Eine Option, die Auflösung des Vereins, dessen Arbeitsschwerpunkte die Städte Geretsried und Bad Tölz sind, zu verhindern, wäre die komplette Übernahme der Schülerfirma durch die Lebenshilfe gewesen. „Doch auch die muss die bisher ehrenamtlichen Kräfte nun zahlen“, das finanzielle Risiko sei für die Lebenshilfe aus diesem Grund zu groß gewesen. Nun also folgt die Liquidation der Schülerfirma, die laut Peitz am 11. April beschlossen wurde.

Bis Ende Juli läuft der Betrieb weiter, betont der Wolfratshauser im Gespräch mit unserer Zeitung. Das gebe den Nutzern der Schülerfirma „Planungssicherheit“. Der Liquidator fordert alle Gläubiger des Vereins auf – auch solche, die dem Verein bereits bekannt sind – ihre Ansprüche bis zum 31. Mai bei ihm, Josef Peitz, Stobäusstraße 45 in Wolfratshausen, E-Mail: jopeitz@t-online.de, anzumelden. Nach Abwicklung des Auflösungsprozesses geht das verbleibende Vereinsvermögen nach seinen Worten an die Lebenshilfe Bad Tölz-Wolfratshausen über. „Diese wird dann über die zweckgebunde Verwendung entscheiden“, erklärt Peitz.

cce

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