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100 Marihuana-Pflanzen hat ein Geretsrieder gezüchtet - und landete vor dem Amtsgericht.

Polizei hat richtigen Riecher

Marihuana-Plantage im Wohnzimmer

Geretsried – Knapp 100 Marihuana-Pflanzen zog ein Geretsrieder in seiner Wohnung groß. Durch einen Zufall kam die Polizei dem 35-Jährigen auf die Spur. Der 35-Jäjrige wurde zu zwei Jahren Bewährungsstrafe verurteilt.

Der Mann war in Österreich mit seinem Pkw zu schnell unterwegs gewesen – als ihm Geretsrieder Polizisten den Bußgeldbescheid zustellen wollten, stießen sie auf die Drogen-Plantage. Nun musste sich der 35-Jährige wegen Drogenhandel, Diebstahl und Fahren ohne Führerschein vor dem Schöffengericht verantworten.

Die Polizeibeamten rochen sofort, was Sache war, als sie am Nachmittag des 9. September 2015 das Mehrfamilienhauses betraten, in dem der Angeklagte lebte. Aus dem Schlüsselloch der „auffällig abgeklebten“ Wohnungstür quoll der Streife intensiver Marihuana-Geruch entgegen. Bei der Durchsuchung der Räume fiel den Ermittlern neben Drogenutensilien ein Rucksack mit Einbruchswerkzeug in die Hände. Die Marihuana-Pflanzen mussten mit einem Anhänger abtransportiert werden. „Das war ein Spektakel“, berichtete der ermittelnde Oberkommissar vor Gericht: „Da kommen dem einen oder anderen die Tränen, wenn Du damit durch Geretsried fährst.“ Getrocknet kamen unterm Strich später rund 1,6 Kilogramm Marihuana zusammen.

Je länger die Verhandlung dauerte und je mehr Details ans Licht kamen, desto häufiger rieb sich der Angeklagte die tränenden Augen. „Er war damals schwerst drogenabhängig“, stellte Rechtsanwalt Stevan Krnjaic für seinen schweigsamen Mandanten fest. Angefangen habe es, als die Ehe des Angeklagten in die Brüche gegangen und die Frau mit der Tochter ausgezogen sei. „Er hat kein Vor und kein Zurück mehr gesehen“, so Krnjaic. „Am Ende haben die Drogen alles kaputtgemacht.“

Diese Sucht sei auch der Grund für die weiteren Straftaten, die dem mit mehreren Gefängnisstrafen vorbelasteten 35-Jährigen zur Last gelegt wurden. Kurz vor seiner Verhaftung hatte er ein Auto aufgebrochen und war ohne Führerschein Motorrad gefahren. Zudem hatte er in München einige Cabriodächer aufgeschlitzt, dafür war er bereits zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Diese Strafe wurde nun vom Schöffengericht „unter Zurückstellung erheblicher Bedenken“, wie Richter Helmut Berger betonte, auf lediglich zwei Jahre erhöht und weiterhin zur Bewährung ausgesetzt. Die Staatsanwältin hatte zwei Jahre und zehn Monate gefordert.

Der Geretsrieder hat inzwischen einen harten Entzug mittels unter der Haut eingepflanzter Drogenblocker hinter sich, geht wieder einer Arbeit nach und kümmert sich nach Aussage seines Verteidigers intensiv um seine Tochter. „Das ist eine einmalige Chance. Wenn Sie die nicht nutzen, sind sie selber Schuld“, betonte Amtsrichter Berger nach der Urteilsverkündung.

Rudi Stallein

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