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„Lebensmittel verteilen statt vernichten“, lautet das Motto der Geretsrieder-Wolfratshauser Tafel. Seit 20 Jahren versorgen Ehrenamtliche Bedürftige mit Essen, das in Supermärkten nicht mehr verkauft werden kann.

„Ein Stück Glück weitergeben“

Verteilen statt vernichten: Tafel feiert 20. Geburtstag

Die Tafel blickt zurück auf zwei Jahrzehnte. Seit 1998 sammeln die ehrenamtlichen Mitarbeiter in Supermärkten in Geretsried und Wolfratshausen kiloweise Lebensmittel ein und verteilen sie an bedürftige Menschen. Die Produkte würden sonst im Müll landen.

Geretsried/Wolfratshausen - Die Gründerinnen der Geretsrieder-Wolfratshauser Tafel, damals noch Isar-Loisach-Tafel genannt, waren Meike Lefin und Bianca Schmidbauer. Ansporn war für sie die Agenda 21, die 1992 in Rio de Janeiro beschlossen wurde. Sie hat unter anderem die Bekämpfung der Armut zum Ziel. Auch gab es in Berlin und München bereits Tafeln, die den sozial engagierten Damen als Vorbild dienten.

Einer der ersten aktiven Unterstützer der beiden Frauen war Volker Witte. Mit Privatfahrzeugen fuhren die Mitglieder anfangs die Supermärkte an, luden die Spenden ein und verteilten sie direkt aus dem Auto heraus, erinnert sich der Geretsrieder. Später war ein Lieferwagen am Neuen Platz stationiert. Wer Dienst hatte, holte den Schlüssel bei einer Anwohnerin. „Uns graute allen vor dem Winter, denn da mussten wir den Wagen erst vom Schnee freischaufeln, manchmal sogar ausgraben“, sagt Witte.

Händler waren froh über die gute Lösung

Peter Grooten war von 2005 bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr Vorsitzender der Tafel.

Abgabestellen für die Lebensmittel waren unter anderem vor der Wolfratshauser Loisachhalle, in Waldram und in Geretsried-Stein. Die Anzahl der Geschäfte, die die Tafel unterstützten, wuchs von anfangs 15 auf 20 und liegt heute bei etwa 35. Witte weiß noch, dass die ehrenamtlichen Fahrer in der ersten Zeit ein wenig wie „Bettler“ behandelt wurden, wenn sie reifes Obst, Semmeln vom Tag und kurz vor dem Verfallsdatum stehende Lebensmittel einsammelten. „Das hat sich aber bald geändert. Die Händler waren ja froh, eine so gute Lösung für ihre Ware gefunden zu haben.“

2005 wurde die Isar-Loisach-Tafel in Geretsrieder-Wolfratshauser Tafel umbenannt. Die Mitglieder wählten Peter Grooten zu ihrem Vorsitzenden. Er hat einiges umstrukturiert, die Tafel zu einem „salonfähigen Verein“ gemacht, wie es Volker Witte formuliert. Die aktuelle Pressesprecherin Claudia Brenner lobt den 2017 verstorbenen Vorsitzenden mit den Worten: „Grooten war die Tafel“.

Seit Januar 2009 gibt es eine Ausgabestelle im Jugendhaus „La Vida“ in Wolfratshausen und seit 2010 eine im Sozialgebäude der Stadt Geretsried an der Jeschkenstraße. Zuvor hatte die Tafel in Geretsried in Räumen der Caritas Lebensmittel verteilt. Während früher jeder zu den Helfern im Lieferwagen kommen und um Essen bitten konnte, müssen sich sozial Schwache heute ausweisen. Es gibt ein Losnummern-Verfahren, damit jeder einmal die Chance hat, als erster oder sehr früh an die Reihe zu kommen und somit noch eine große Auswahl an Waren zu haben. Als die Asylbewerber zu den Berechtigten hinzukamen, wurden neue Regeln eingeführt. Alles in allem funktioniere die Verteilung heute recht gut, sagte die Vorsitzende Ingrid Geiger bei der Jahresversammlung im März.

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Derzeit arbeiten rund 100 Frauen und Männer ausschließlich ehrenamtlich für die Geretsrieder-Wolfratshauser Tafel. Sie versorgen rund 900 Menschen mit Lebensmitteln. Verteilt werden diese am Mittwoch in Wolfratshausen sowie am Montag und Samstag in Geretsried.

Zwölf „Ritter“ unterstützen die Arbeit im Hintergrund. Es handelt sich um Einzelpersonen, Unternehmen oder andere Einrichtungen des öffentlichen Lebens, die sich ideell und finanziell für die Tafel einsetzen. Die Ritter erklären sich bereit, fünf Jahre lang die Arbeit der Tafel mit jährlich mindestens 500 Euro zu fördern. Schirmherrin der Geretsrieder-Wolfratshauser Tafel ist die Schauspielerin Heidrun Gärtner.

Claudia Brenner ist seit 2009 Tafel-Mitglied. Was dieses Ehrenamt so schön für sie macht? „Ich hatte bisher Glück im Leben. Ein Stück Glück möchte ich gerne weitergeben“, sagt sie. Das könne sie, indem sie Lebensmittel an bedürftige Menschen verteile. Brenner meint, es sei einerseits wunderbar, dass die Ehrenamtlichen seit 20 Jahren diese Arbeit leisteten. Andererseits sei es aber auch schade, dass sie diese Arbeit leisten müssten.

Info

Ihr Jubiläum feiert die Geretsrieder-Wolfratshauser Tafel am Freitagnachmittag, 4. Mai, mit einer Feier für geladene Gäste im Sozialgebäude an der Jeschkenstraße.

Tanja Lühr

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