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Zu sechst auf 44 Quadratmetern: Familie sucht verzweifelt eine Wohnung

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Die Wohnungsnot spitzt sich zu. Menschen mit Migrationshintergrund tun sich besonders schwer.
Die Wohnungsnot spitzt sich zu. Menschen mit Migrationshintergrund tun sich besonders schwer. © Frank Rumpenhorst/dpa

Der Mietmarkt ist angespannt. Das ist vor allem für kinderreiche Familien mit Migrationshintergrund ein Problem. Die Caritas schlägt Alarm.

Geretsried – Immer mehr Familien wenden sich verzweifelt an die Beratungsstelle für Wohnungslose bei der Caritas in Geretsried. „Es fehlt bezahlbarer Wohnraum, es fehlen Sozialwohnungen, und die Bewerberschlangen sind lang“, sagt die zuständige Mitarbeiterin Claudia König-Heinle. Um auf die Not hinzuweisen, hat die Sozialpädagogin ein Gespräch mit unserer Zeitung und einem ihrer Klienten arrangiert. Der Familienvater steht exemplarisch für zahlreiche weitere Wohnungssuchende.

Hassan B. (Name geändert) lebt zusammen mit seiner Frau und vier Töchtern im Alter von elf, neun und drei Jahren sowie einem vier Monate alten Baby in einer Zwei-Zimmerwohnung mit 44 Quadratmetern in Gartenberg. Das Baby ist mit einem Herzfehler zur Welt gekommen. „Es weint nachts viel und schläft kaum“, erzählt der Vater. Die älteste Tochter habe es heuer aufs Gymnasium geschafft. Sie brauche ihren Schlaf, aber die anderen natürlich genauso.

Manche Vermieter lehnen kinderreiche Familien ab

Seit 2012 sucht die Familie mit Migrationshintergrund nach einem größeren Zuhause mit zumindest drei, besser vier Zimmern. Hassan B. hat eine feste Anstellung als Pizza-Auslieferer. Zudem erhält er als sogenannter Aufstocker Arbeitslosengeld II. Er besitzt eine gültige Aufenthaltserlaubnis.

Seine Frau, die später nach Deutschland kam, und die Kinder haben aktuell jedoch nur eine zeitlich begrenzte Erlaubnis, was die Beantragung eines Wohnberechtigungsscheins erschwert. Dafür müsste die gesamte Familie mindestens ein Jahr lang gleichzeitig eine gültige Aufenthaltserlaubnis haben, erklärt Claudia König-Heinle. Sie hat sich bereits erfolglos an die Geretsrieder und die Wolfratshauser Baugenossenschaft, aber auch an viele andere Vermieter gewandt. Der Familienvater selbst hat sogar Bürgermeister Michael Müller um Hilfe gebeten. Ruft König-Heinle bei den (wenigen) privaten Vermietern an, die in den Zeitungen inserieren, bekommt sie schon mal zu hören, dass kinderreiche Familien nicht erwünscht seien. Gleichzeitig legt der Vermieter den B.s nahe, sich eine größere Wohnung zu suchen. „Für ihn ist das natürlich auch kein Zustand, wenn wir zu sechst in zwei Zimmern leben“, sagt Hassan B.

Claudia König-Heinle von der Beratungsstelle für Wohnungslose bei der Caritas.
Claudia König-Heinle von der Beratungsstelle für Wohnungslose bei der Caritas. © Archiv

König-Heinle hegt nun die Hoffnung, dass sich Geretsrieder vielleicht aufgrund dieses Zeitungsartikels melden, wenn sie eine Wohnung oder ein Haus zu vermieten haben (gerne unter der Rufnummer 0 81 71/98 30 22). Weiter weg als nach Geretsried oder Gelting wollen die B.s nicht ziehen, weil die Mädchen gut in Schule und Kindergarten integriert sind. Eine vorübergehende Lösung, bis das Baby etwas älter ist, würde schon helfen. Es soll wegen des Herzfehlers, der demnächst operiert wird, in der Anfangszeit möglichst keine Infektion bekommen. Auf engstem Raum lässt sich das mit drei Geschwistern schwer vermeiden.

Jobcenter zahlt maximal 1026 Euro Kaltmiete monatlich

„Ich weiß, dass es in der Stadt leer stehende Häuser und Wohnungen gibt“, sagt König-Heinle. Sobald die Familie einen Wohnberechtigungsschein hat, hätte Familie B. zumindest die Grundlage, eine Sozialwohnung anmieten zu können. Die Miet-Obergrenze, die Aufstocker vom Jobcenter maximal bezahlt bekommen, beträgt im Moment kalt 1026 Euro monatlich für sechs Personen.

Insgesamt betreut Claudia König-Heinle derzeit noch fünf weitere Familien in ähnlicher Konstellation, aber auch Paare und Einzelpersonen, die dringend eine feste Bleibe benötigen. Bei einer fünfköpfigen Familie habe sich Schimmel in einer Altbauwohnung gebildet, berichtet sie, bei einer weiteren wurde der Vater arbeitslos und muss die Werkswohnung verlassen. Wieder ein anderer Mann lebe schon seit Monaten in einem Gaststättenzimmer. Die Notunterkunft „Haus Clara“ an der Jeschkenstraße sei keine adäquate Alternative für eine mehrköpfige Familie. König-Heinle: „Die Nachfrage an Wohnungen ist einfach zu groß. Und wenn unter der Rubrik Mietgesuche Lehrer und Ärzte inserieren, ist klar, wer den Zuschlag erhält.“

Tanja Lühr

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