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Krimineller Deal aus Geldmangel

Geretsrieder (19) hat sich „mit dem Teufel eingelassen“

Geretsried - Aus Geldmangel ließ sich ein junger Geretsrieder (19) auf einen kriminellen Deal ein. Nun musste sich der Heranwachsende wegen leichtfertiger Geldwäsche vor dem Jugendgericht verantworten. 

Der 19-Jährige stellte Betrügern sein Bankkonto für die Entgegennahme von Geldern zur Verfügung. Ende Februar vorigen Jahres wanderten so knapp 8500 Euro auf sein Konto. Von dem Geld sollte er eine Provision einbehalten und den Rest weiter transferieren. Wegen Geldwäsche stand er nun vorm Amtsgericht.

Dabei wurde gleich ein Verfahren wegen des Besitzes verbotener Waffen mit verhandelt. Mitte September hatte der 19-Jährige einen Schlagring und ein Butterflymesser bei sich, als er an einer U-Bahnstation in München kontrolliert wurde.

Angeklagter über Waffenbesitz: „Ich wollte mich damit nur schützen“

Mit diesem Anklagepunkt hielt sich der Beschuldigte nicht lange auf. Beide Waffen habe er sich zugelegt, weil er bei einem Sicherheitsdienst gearbeitet habe. „Dort, wo ich eingesetzt war, bin ich als Türke öfter von Kurden bedroht worden“, erklärte der junge Mann. „Ich wollte mich damit nur schützen.“ Dass Schlagring und Messer in Deutschland verboten sind, sei ihm vom Verkäufer allerdings mitgeteilt worden.

Deutlich ausführlicher gerieten die Schilderungen seiner persönlichen Krise: Ärger mit dem Vater, Ausbildung abgebrochen, Job verloren. Dies habe zu notorischem Geldmangel geführt, weshalb er sich zu den kriminellen Geschäften hinreißen ließ, erklärte der 19-Jährige. Per SMS habe man sich damals an ihn gewandt, und sein Deutsch habe soweit ausgereicht, den Inhalt der Anfrage grob zu verstehen. „Es hieß: Du bekommst Geld, kannst einen Teil behalten, das Übrige musst du weiterreichen. Nach meinem Empfinden war daran nichts falsch“, sagte der Angeklagte. „Ich kannte so etwas nicht. Wenn ich gewusst hätte, dass es Unrecht ist, hätte ich die Finger davon gelassen.“

Schuldig in beiden Anklagepunkten

Via Online-Banking hat der unbekannte Betrüger die Konten von zwei namentlich bekannten Bürgern aus Norddeutschland geplündert und Beträge von 3390 sowie 4900 Euro auf das Konto des Angeklagten überwiesen. „Ich hatte noch nie so viel Geld gesehen“, erklärte der 19-Jährige vor Gericht. „Ich habe mich mit dem Teufel eingelassen.“ 80 Prozent des Geldes hätte er mittels Western Union an eine Firma in Estland weiterschicken sollen, aber die Vereinbarung interessierte ihn nicht mehr. Binnen weniger Tage hob er einen Großteil des Geldes ab und tilgte damit seine Schulden. 3500 Euro überwies er später an einen der Geschädigten zurück.

Auch wenn er das Geschäft womöglich nicht ganz verstanden habe, hätte er angesichts der hohen Beträge und der „exorbitanten Provision“ darauf kommen können, dass es sich um Betrug handelte, hielt Richter Urs Wäckerlin dem jungen Mann vor. Er sprach den Geretsrieder in beiden Anklagepunkten schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 1250 Euro: 1000 Euro muss er an den bisher leer ausgegangenen Geschädigten zahlen, 250 Euro gehen an die Fachambulanz der Caritas in Geretsried.

Rudi Stallein

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