Angeklagt wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln

Geretsrieder muss in Arrest

Geretsried – Die Selbstsicherheit, die der junge Mann an den Tag gelegt hatte, war schlagartig dahin, als die Staatsanwältin ihr Plädoyer beendete. Drei Wochen Dauerarrest – so lautete ihre Forderung. Bis dahin hatte der redegewandte Angeklagte (20) wohl gehofft, ähnlich glimpflich davon zu kommen, wie bei seinen bisherigen Auftritten vor Gericht.

Im Jahr 2010 war der Geretsrieder wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln angeklagt und mit einer richterlichen Weisung gut bedient worden. Im vorigen Jahr musste er wegen unerlaubten Besitzes sowie des Erwerbs von Drogen acht Stunden Sozialdienst ableisten. Die Arrestwarnung, die der Richter damals mit ins Urteil geschrieben hatte, ignorierte er.

Denn nur einen Monat nach der Verhandlung „geht’s fröhlich weiter, als wäre nichts gewesen“, stellte die Staatsanwältin fest. Mitte September vorigen Jahres überließ der Beschuldigte auf der Tribüne des Isarau-Stadions einer damals 16 Jahre alten Schülerin einen Joint, der dem Mädchen gar nicht gut bekam. „Es ging mir richtig schlecht, ich war nicht mehr Herr meiner Sinne“, beschrieb die Geretsriederin, was der Arzt als Cannabis-Vergiftung diagnostizierte. „Es ist nach ihrem Willen erfolgt“, erklärte dazu der Angeklagte. Der junge Mann, Typ Sonnyboy, soll darüber hinaus einem anderen Mädel von Dezember 2014 bis Mai 2015 mindestens zehn Mal Marihuana verkauft haben. „Das ist fraglich. Ich habe ihr manchmal was überlassen, ja. Aber keinen Gewinn erzielt. Sie war meine Freundin“, erklärte der Angeklagte und gab zu bedenken, ob so ein Freundschaftsdienst (für 15 Euro pro Gramm) als Handeltreiben einzustufen sei.

An den nächsten Anklagepunkt konnte sich der 20-Jährige „gar nicht erinnern“. Er war aber von einem Augenzeugen beobachtet worden, als er am 31. März einem Bekannten Marihuana übergeben hatte. Den vierten Punkt auf der Liste, den Besitz eines verbotenen Butterfly-Messers, das in seinem Zimmer gefunden worden war, konnte er nicht leugnen. „Ich habe das nie als Waffe betrachtet“, wiegelte der Angeklagte ab. Das Messer, ein Mitbringsel aus Russland, sei „zu nichts zu gebrauchen“ gewesen. „Da konnte man nicht mal Wurst mit schneiden.“ Also eigentlich alles prima, noch dazu, weil er in Kürze einen neuen Ausbildungsplatz haben könnte.

Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch äußerte sich skeptisch, nicht nur hinsichtlich der in Aussicht gestellten Lehre. „Immer wenn eine Verhandlung ansteht, ist er drogenfrei, und alles ist bestens. Ich kann’s ihm nicht mehr abnehmen. Es gibt immer wieder Drogenkonsum und Straftaten.“ Wie Dlugosch und die Staatsanwältin war auch Richter Urs Wäckerlin der Meinung: „An einem Arrest führt hier kein Weg vorbei.“ Er verhängte jedoch nur einen zweiwöchigen Aufenthalt im Jugendgefängnis, weil sich das leichter mit einer Ausbildung vereinbaren lasse.

„Es gibt viel Gerede, viele Worte. Aber dann kommt’s doch wieder anders, als es besprochen wurde. Die Bereitschaft, Ihnen zu glauben, ist gering“, begründete der Richter seine Strafe, die außerdem drei Drogenscreenings und ein einjähriges Drogenkonsumverbot umfasst.

Rudi Stallein

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Arbeitskreis präsentiert Heft über Planung und Bau
Der Dritte im Bunde hat es leider nicht mehr erlebt: Im August 2016, mitten in der Arbeit am zweiten Heft der achtteiligen Serie „Zwei Munitionsfabriken im …
Arbeitskreis präsentiert Heft über Planung und Bau
HSG-Männer steigen in die Bezirksliga auf
Nach dem Schlusspfiff gab es kein Halten mehr. Spieler lagen sich in den Armen, die gut 300 Fans hatte es schon in den Minuten zuvor nicht mehr auf ihren Sitzplätzen …
HSG-Männer steigen in die Bezirksliga auf
Stadtkapelle: Wo Jung und Alt gemeinsam musizieren
Die Stadtkapelle Wolfratshausen erlebt einen Aufschwung. Über die positive Entwicklung in den vergangenen Jahren und insbesondere in 2016 berichtete der Vorsitzende …
Stadtkapelle: Wo Jung und Alt gemeinsam musizieren
So war das Frühjahrskonzert am Geretsrieder Gymnasium
Mit „Te Deum: Prelude“ begrüßte das Jugendsymphonie-Orchester des Gymnasiums Geretsried, dirigiert von Iris Prégardien, das Publikum in der überfüllten Aula zum …
So war das Frühjahrskonzert am Geretsrieder Gymnasium

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare