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Geretsrieder am Amtsgericht

Kokaingeschäfte „ausgedacht“ und trotzdem bestraft

Geretsried - Das Amtsgericht hat einen Geretsrieder zu einer saftigen Geldstrafe verurteilt. Zuvor gab es einen Ermittlungskrimi mit Telefonüberwachung.

Als die Weilheimer Kripo im Frühjahr 2014 einen Wolfratshauser (21) festnahm, der in großem Stil Drogen in Umlauf gebracht hatte, flogen auch einige seiner Kunden auf. Teilweise sollen die Abnehmer des jungen Dealers nicht nur für den Eigenbedarf eingekauft, sondern ebenfalls mit den Drogen gehandelt haben. So auch ein Geretsrieder (29), der sich nun vor Gericht verantworten musste.

Die Staatsanwaltschaft legte dem Kraftfahrer Handel mit Betäubungsmitteln sowie unerlaubte Abgabe und unerlaubten Erwerb von Drogen zur Last. Im Einzelnen ging es um zehn Gramm Kokaingemisch, die 2013 den Besitzer gewechselt haben sollen, sowie 400 bis 500 Gramm Marihuana, die der Beschuldigte im Frühjahr 2014 zum weiteren Verkauf erworben haben soll. Punkt drei der Anklageschrift unterstellte den Kauf von drei Ecstasy-Pillen am 1. Februar 2014.

"Mein Mandant stellt alle drei Vorwürfe in Abrede"

Die Anklage stützte sich im Wesentlichen auf die Angaben des 21-jährigen Wolfratshausers. Der Geretsrieder blieb während der Verhandlung stumm. Sein Verteidiger erklärte: „Mein Mandant stellt alle drei Vorwürfe in Abrede.“ Der ermittelnde Kripobeamte erklärte, man habe nach Auswertung der Telefonüberwachung den Verdacht gehegt, dass der Geretsrieder und der Wolfratshauser „gemeinsam Geschäfte gemacht haben“. Letzter hatte den Angeklagten nach seiner Festnahme überdies massiv belastet.

"Er hat mit der ganzen Drogensache nichts zu tun"

Als der Wolfratshauser Hauptbelastungszeuge zu reden begann, trauten Richter und Staatsanwalt ihren Ohren nicht. „Er hat mit der ganzen Drogensache nichts zu tun. Das habe ich alles erfunden“, sagte der junge Mann. „Ich stand zu der Zeit unter Drogeneinfluss. Ich war ständig zugedröhnt und habe ihn da mit reingezogen, weil ich wegen irgendwas sauer war.“ Richter Helmut Berger vermutete andere Gründe hinter dem plötzlichen Sinneswandel des 21-Jährigen. „Ich glaube, dass sie brutal Angst haben“, so der Richter. „Ich glaube, dass Ihnen jemand gewaltig auf die Füße gestiegen ist.“ Dieser Eindruck verstärkte sich, als der Zeuge einen weiteren, zunächst von ihm beschuldigten Käufer nun ebenfalls als „erfunden“ darstellte. Der betreffende Münchner (37) verfolgte die Verhandlung aufmerksam im Zuschauerraum.

Dem Gericht blieb nichts anderes übrig, als den wegen Körperverletzung vorbestraften und unter offener Bewährung stehenden Geretsrieder hinsichtlich der Kokain- und Marihuana-Geschäfte freizusprechen. Blieb noch die Sache mit den Ecstasy-Pillen. In dem Punkt sah das Gericht den Nachweis erbracht, dass der Beschuldigte am Kauf beteiligt war. Berger verurteilte den Geretsrieder zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 76 Euro (gesamt 9120 Euro). Die Staatsanwaltschaft hatte eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung beantragt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

rs

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