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Soundcheck: Stadionchef Rico Lewald (li.) und ein Mitarbeiter von ETW Professionell Sound maßen am Mittwoch die Lautsprecheranlage im Eisstadion neu aus. Die hatte ein paar Kinderkrankheiten offenbart. Auch sonst herrscht an vielen Ecken und Enden noch Baustelle.

Sanierung schreitet in kleinen Schritten voran

Das Geretsrieder Eisstadion ist noch lange eine Baustelle

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Die River Rats spielen zwar schon seit knapp einem Monat in der sanierten und endlich wieder überdachten Arena. Doch abgeschlossen sind die Arbeiten längst nicht. 

Geretsried– Dicke Regentropfen auf dem Visier und ein Puck, der in Pfützen versinkt – nein, an so etwas kann und will sich ein ambitionierter Eishockeyspieler nicht gewöhnen. Fast eineinhalb Jahrzehnte mussten die River Rats die Unbilden der kalten Jahreszeit im eigenen Stadion erdulden. Die neue Zeitrechnung begann am Sonntag, 24. November, mit dem ersten „echten“ Heimspiel unter einem schützenden Dach seit 13 Jahren. Fertig allerdings ist das Heinz-Schneider-Eisstadion nicht. Das Dach ist nur ein Aspekt der großen Sanierung, wenn auch der wichtigste.

Wöchentlich etwa 35 Stunden seiner Zeit opfert Rico Lewald seit Monaten dem Projekt; das ist das normale Wochenpensum eines Arbeitnehmers, der er ja auch noch ist – obwohl der 48-Jährige seine Brötchen nach einer schweren Erkrankung mittlerweile in Teilzeit verdient. Er sei mit und an der Aufgabe gewachsen, sagt er, „aber ein zweites Mal möchte ich so etwas nicht machen. Hier geht’s immerhin um neun Millionen Euro an Material und Arbeitszeit, das ist eine große Verantwortung.“ Sein Job als Chef des ESC-Stadionvereins sei es eigentlich, den Betrieb der Arena zu koordinieren, nicht deren Umbau. „Aber aktuell bin ich eher der Ansprechpartner für alle Gewerke.“

Und die haben noch jede Menge zu tun. Rund um die funktionierende Eisfläche ist das Stadion weiterhin eine Baustelle. In den Sanitärräumen fließt kein Wasser, gefliest sind sie auch noch nicht. Die Sportler müssen nach Spiel- oder Trainingsende trotzdem nicht schwitzend und müffelnd heimfahren: Sie duschen in Sanitär-Containern. „Bis zur zweiten Januarwoche“ will Lewald die Nasszellen im Stadion fertig haben. Zuvor sollen alle bisher fehlenden Türen sowie die Rauch- und Wärmeabzugsfenster eingebaut werden. Letztere öffnen sich im Brandfall automatisch – eine Voraussetzung, um die Arena wie von der Stadt gewünscht als Versammlungsstätte – also neben dem Sport beispielsweise für Konzerte und Messen – betreiben zu dürfen. Am Dach werden derzeit die Schneefanggitter montiert, danach soll der Blitzschutz folgen.

Lüftungs- und Soundanlage laufen bereits, leiden jedoch an Kinderkrankheiten. Der Ton aus den Lautsprechern klingt unsauber, am Sonntag fielen die Monitore sogar komplett aus. „Ein Techniker misst die Anlage neu ein“, verspricht der Stadionchef. Die Lüftung schwächelt ebenfalls – weil sie für die noch nicht fertige Heizungsanlage Doppelschichten fahren muss. Der Bau sei wegen der fehlenden Türen total ausgekühlt, ihn zu erwärmen schaffe die Lüftung nicht allein, sagt Lewald: „In den Umkleiden haben wir zurzeit nur etwa 15 Grad.“ Das ist exakt jene Temperatur, die später auf den Tribünen herrschen soll und es den Zuschauern erlaubt, ihren dicksten Daunenmantel im heimischen Schrank zu lassen. „Wenn die Zwei-Zonen-Lüftung mal richtig funktioniert, ist es über dem Spielfeld für Eis und Spieler schön kühl, während die Temperatur auf den Rängen angenehm ist“, erklärt der Stadionchef.

Vom künftigen Stüberl sind aktuell nur dunkle Höhlen im Beton des vom Parkplatz aus gesehen linken Gebäudetrakts zu sehen. Und das werde vorerst so bleiben, sagt Lewald, die Fertigstellung der Stadionkneipe „stellen wir ganz hinten an. Wir behelfen uns mit den Weihnachtsmarkt-Buden auf dem Parkplatz.“ Dort gibt es bis auf Weiteres Würstl und Getränke. Ein Snack- und ein Kaffeeautomat sollen bald die Versorgung außerhalb der Spiele übernehmen.

Nach und nach werden die Kabinen fertig. Neun – für jedes ESC-Team eine eigene – sollen es werden. Die Erste Mannschaft und die U 20-Junioren sind unterhalb des künftigen Stüberls untergebracht. Die Gästeumkleide ruht wie bisher im Bauch der parkplatzseitigen Längstribüne, dort gesellen sich weitere für die ESC-Nachwuchsmannschaften hinzu.

Links von den Sitzrängen an der Stirnseite der Arena klafft eine weitere Lücke in der Wand. Dort wird der Stadionverein später in enger Absprache mit der Stadt in Eigenregie weitere Kabinen und den Fitnessraum hineinbauen. Rechts von Zufahrt und Garage der Eismaschine bekommen die Eismeister ihr Refugium, nun mit einem Fenster zum Spielfeld – damit sie, so Lewald, „immer im Bilde sind“. In diesem Sektor steht den Mannschaftsführern zudem ein Büro zur Verfügung, in dem sie ihre Berichte schreiben. Auch die Kabine samt Dusche für die bis zu drei Schiedsrichter pro Match liegt dort. VIP-Stüberl und ESC-Geschäftsstelle sollen später an ihrer angestammten Stadionseite ihren Platz finden. Und wir bauen dort auch die WCs hin“, sagt der Stadionchef. Eine eigene Pressehütte wird es nicht mehr geben. Lewald will die Journalisten auf der Sitztribüne an Plätzen „mit Tisch, Strom- und Netzwerkanschluss“ unterbringen.

„Bis wirklich die allerletzte Schraube eingedreht ist“, schätzt Lewald, „werden noch 18 Monate vergehen“ – auch weil er einige – noch nicht spruchreife Ideen – im Kopf hat, „die ich gerne umsetzen möchte“. Bis dahin werden viele weitere 35-Stunden-Wochen im Stadion folgen, die der 48-Jährige nur deshalb mit Spaß bewältigen kann, „weil meine Frau und meine super Eismeister mir für vieles andere den Rücken frei halten. Dafür ein großes Dankeschön.“

peb

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