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Der nächste Binder: Ein auf 400 Tonnen Tragkraft ausgelegter Kran hievt einen der Bögen aus Fichtenholz auf sein Fundament am Stadion.

Großbaustelle

Eisstadion: Das neue Dach nimmt Form an

Im November sollen 13 Jahre Eissport unter freiem Himmel endgültig Geschichte sein: Derzeit bekommt das Heinz-Schneider-Stadion ein neues Dach.

Geretsried – In Brisbane hat die österreichische Firma Wiehag ein neunstöckiges Hochhaus aus Holz gebaut. Ihre komplizierte Konstruktion für eine Destillerie des schottischen Whisky-Produzenten Macallan erhielt zahlreiche Branchen-Preise. In Geretsried errichtet Wiehag „nur“ ein Dach über dem Eisstadion. Aufwändig und spektakulär anzuschauen sind die Arbeiten trotzdem. Am Dienstag wurde einer der insgesamt elf Leimbinder, also einer der Querbögen, die das Tonnendach tragen, mit dem Kran vom Parkplatz ins Stadion gehievt.

Seit etwa einer Woche werden die Binder, von denen jeder 44 Meter lang ist und 16 Tonnen wiegt, am Boden montiert und auf einem Gerüst zwischengelagert. Die Kabel für Beleuchtung und Belüftung wurden bereits integriert. Bauleiter Klaus Siedhoff vom Münchner Architekturbüro Kiessler und Christoph Otawa vom städtischen Bauamt zeigten sich bei einem Ortstermin sehr zufrieden mit dem Baufortschritt. „Wir liegen im Zeitplan“, konstatierte Siedhoff. Das Richtfest sei für den 17. Oktober geplant. Der Umbau der Eishalle werde „zu 100 Prozent“ bis 15. November abgeschlossen sein. Ergo könne der Eissportclub (ESC) ab diesem Tag wie versprochen dort trainieren und spielen. Otawa ergänzte, dass die Firmen für die weiteren Gewerke wie Elektrik, Heizung und Sanitär, Lüftung und Brandschutz „Gewehr bei Fuß“ stünden, beziehungsweise schon parallel zum Dachaufbau arbeiteten. Unter Umständen könnten die Umkleiden und das Ice-Stüberl noch nicht ganz fertig sein bis Mitte November, aber das stehe dem Saisonstart nicht entgegen.

Zahlreiche Schaulustige verfolgten am Nachmittag, wie der Bogen aus hellem Fichtenholz an dem für 400 Tonnen Gewicht ausgelegten Kran befestigt und langsam in die Höhe gehoben wurde. Im nördlichen Teil der Eishalle montierten ihn die Wiehag-Mitarbeiter auf fixe Stahlbetonstützen, im südlichen Teil auf sogenannte Pendelstützen aus Holz. „Das Holz kann noch arbeiten. Es ist bei Temperaturschwankungen variabel“, erklärte Siedhoff. Per Computertechnik wird alles millimetergenau eingepasst. Die Binder werden mit jeweils 24 quer liegenden Pfetten versehen. Auf diese Konstruktion kommen am Ende ein Holzdach und ein Zinkblech, beides wärme- und schallgedämmt. An der höchsten Stelle misst das Dach von der Eisfläche aus gesehen 15 Meter. Die Kosten für die Einhausung liegen bei rund 1,7 Millionen Euro. Die Gesamtkosten für die Stadionsanierung gab die Stadt zuletzt mit 8,1 Millionen Euro an. In der nächsten Stadtratssitzung soll es laut Otawa die aktuellen Zahlen geben.

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Bisher war es jedes Mal zu Kostensteigerungen gekommen. Siedhoff erklärt dies mit dem enormen Boom in der Baubranche. Firmen seien kaum zu finden – und wenn, dann zu überhöhten Preisen. Er betont, dass der ESC einen hohen Anteil an Eigenleistung erbringe. Das habe beim Abriss begonnen und setze sich jetzt beim Innenausbau fort. Bis Mitte November trainiert die Erste Mannschaft der River Rats wie berichtet in Bad Tölz. Ihre Heimspiele trägt sie in Mittenwald aus.

Klubchef Markus Janka sagte im August gegenüber unserer Zeitung, er hoffe stark, dass in Geretsried wirklich bis 15. November alles unter Dach und Fach sei, denn auch die Junioren, die in der höchsten bayerischen Liga spielen, hätten Heimbegegnungen zu bestreiten. Die vielen Kinder und Jugendlichen im Verein würden darauf brennen, so bald wie möglich aufs Eis zu können. Janka lobte die Zusammenarbeit mit der Stadt als „top“.

tal

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