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Mit dünner Stimme erzählt Wolfgang Ködel seine packende Geschichte. Für Moderatorin Sandra Maischberger war es die erfolgreichste Sendung seit zwei Jahren.

Er lebt drei Jahre im Zelt

Drei Jahre im Wald: Ex-Unternehmer Wolfgang Ködel in Talkshow

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Geretsried - Der Geretsrieder Ex-Unternehmer Wolfgang Ködel hat in der Talkshow von Sandra Maischberger ARD über seinen sozialen Abstieg, das Leben im Wald und den Kampf zurück gesprochen.

Die Geschichte des Geretsrieder Ex-Unternehmers Wolfgang Ködel ist beeindruckend und erschütternd zugleich. Nach der Pleite und dem Zwangsverkauf seines Hauses flüchtete der heute 55-Jährige vor drei Jahren in den Wald und lebte dort in einem Kugelzelt in den Isarauen. Er mied Kontakt zu Menschen und ernährte sich von Abfall. Vor rund zwei Monaten entdeckte ein Spaziergänger sein Versteck. Seitdem lebt er in einer Obdachlosen-Unterkunft und kämpft sich zurück ins Leben.

Unsere Zeitung hatte im November als erstes Medium über das Schicksal des Geretsrieders berichtet. Am Dienstagabend erzählte Ködel seine Geschichte in der ARD-Sendung „Menschen bei Maischberger“. Titel: „Hoch geflogen, tief gestürzt – Wie geht das Leben weiter?“ Unter den Gästen ist Ködel wohl der mit der geringsten Medienerfahrung. Mit schwarzem Anorak und jenen weißen Turnschuhen, die er immer trägt, wirkt er in der Runde der Sakko-Träger etwas deplatziert. Ködel spricht mit dünner Stimme. Fast drei Jahre lang hatte er mit niemandem ein Wort gewechselt. Routiniert plaudern dagegen der ehemalige Nationaltorwart Eike Immel und Schlagerstar Nino de Angelo über ihren Abstieg. Der Hamburger Ex-Innensenator Ronald B. Schill nutzt die Sendung ungeniert für Eigenwerbung: Der Teilnehmer der Sendung „Promi Big Brother“ inszeniert sich als unmoralisch und spaßfixiert. Zum Schluss hält grinsend sein neues Buch in die Luft.

Die dargestellten Lebensgeschichten sind kaum vergleichbar. Ködels einmaliges Schicksal berührt die anderen Gäste aber offenbar besonders. „Ich habe in den besten Zeiten gut verdient“, erzählt er. „5000 Euro, da konnte man dann schon gut leben.“ Dafür habe er 80 bis 100 Stunden pro Woche in seiner Firma gearbeitet. Die Prominenten erzählen dagegen von Millionen-Beträgen auf ihren Konten. Geld, das sie mit Autos, Spielsucht und Frauen verprassten.

Ködel möchte sich zurück kämpfen. Seit dem Treffen mit unserer Zeitung wirkt er deutlich selbstbewusster. Er will wieder arbeiten – „notgedrungen“, sagt er zu Moderatorin Sandra Maischberger. Auch mit seiner Schwester steht Ködel wieder in Kontakt. Sie bereitet die Mutter darauf vor, dass der Sohn zurückgekehrt ist. „Die wusste nicht, ob ich noch lebe, ob ich in der Nähe bin oder im Ausland.“

2,2 Millionen Menschen sahen die Sendung – für Maischberger die beste Reichweite seit zwei Jahren. Ihnen allen gegenüber beteuerte Ködel, dass die Zeit der Isolation vorbei sei. In sein altes Leben möchte er allerdings nicht mehr – die Erfahrungen haben abgeschreckt. Genauso wenig würde er wieder in den Wald gehen. „Das Kapitel ist abgeschlossen.“

Lesen Sie auch: Ein Jahr danach - wie es Wolfgang Ködel jetzt geht.

Sebastian Dorn

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