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Über Möglichkeiten bei der Wohn- und Arbeitssuche von Asylbewerbern informierten sich ehrenamtliche Helfer bei einer Gesprächsrunde im Rathaus.

Asyl

Geretsrieder Helfer unglücklich mit der „Umsteuerung“

Die Asylbewerberzahlen in Geretsried steigen. Die Regierung setzt auf Gemeinschaftsunterkünfte. Bei einem Infoabend für Geretsrieder Helfer wurde diskutiert.

Geretsried – Wohnen und Arbeiten waren die zwei zentralen Themen beim Informationsabend für ehrenamtliche Asylhelfer, der am Freitagabend im Rathaus stattfand. Während in den Landkreis-Gemeinden die Anzahl an Flüchtlingen sinkt, nimmt sie in Geretsried seit Jahresanfang kontinuierlich zu. Derzeit leben laut Landratsamt 311 Asylbewerber in der Stadt.

Das liegt daran, dass die Regierung von Oberbayern von den Landratsämtern verlangt, die dezentralen Unterkünfte aufzulösen und die Menschen in den Gemeinschaftsunterkünften einzuquartieren. „Umsteuerung“ heißt der Prozess, über den man am Landratsamt nicht glücklich sei, wie der Fachbereichsleiter Jeffrey Pflanzer sagte. Denn Integration funktioniere zweifelsfrei besser, wenn Asylbewerber in Wohnanlagen zusammen mit Einheimischen lebten. Doch im Moment würden nach und nach die Sammelunterkünfte der Regierung von Oberbayern belegt. Im Geretsried sind das der Holzbau am Schulzentrum und die ehemalige Filigran-Halle an der Blumenstraße. Für die ABU I am Robert-Schumann-Weg ist weiterhin das Tölzer Landratsamt zuständig. Die dezentral angemieteten Wohnungen kündige man vorerst nicht, um noch Reserven zu haben, falls ein erneuter Flüchtlingsstrom komme, erklärte Pflanzer: „Nicht, dass wir sonst wieder die Turnhallen zu Hilfe nehmen müssen. Das wäre die schlechteste Lösung.“ Bis Ende des Jahres, so der Asyl-Fachmann, soll die Umsteuerung über die Bühne sein.

Im Moment leben 1728 Flüchtlinge im Landkreis – 664 sind bleibeberechtigt, 13 Personen sind im Rahmen des Familiennachzugs gekommen. Aktuell stammen die meisten Asylbewerber aus Afghanistan, gefolgt von Nigeria. Viele der rund 50 anwesenden ehrenamtlichen Asylhelfer bedauerten die Umsiedlung in zentrale Unterkünfte. Eine Frau sagte, die Menschen würden beim Umzug von den Behörden im Stich gelassen. Sie helfe gerade einer alleinstehenden Mutter von drei Kindern, ihre Sachen von Egling nach Geretsried zu bringen. Asylkoordinatorin Suzan Jarrar bedankte sich insbesondere bei den Ickinger Helfern, dass sie die aus Icking stammenden Asylbewerber auch nach deren Umzug an die Blumenstraße betreuten.

Wohnraum ist ein Problem

Bürgermeister Michael Müller sprach das Problem des Wohnraums für anerkannte Flüchtlinge an. Der Anteil an Sozialwohnungen im geplanten Wohngebiet an der Banater Straße werde bei Weitem nicht ausreichen. Besser sieht es laut Udo Kohnen, Geschäftsstellenleiter des Arbeitsamts in Bad Tölz-Wolfratshausen, bei der Beschäftigung von Asylbewerbern aus. 250 Menschen würden derzeit im eigens geschaffenen Förderprogramm „Forward“ aus- und weitergebildet. Neu seien Praktika speziell für Frauen. Diese würden sich langsam daran gewöhnen, ihre kleinen Kinder in Krippen und Kindergärten zu geben. 1000 Arbeitssuchenden würden aktuell 1400 gemeldete Arbeitsstellen gegenüberstehen, „Jeder müsste eigentlich eine Beschäftigung finden“, sagt Kohnen.

Andere Tätigkeiten aufnehmen

Das Problem sei, dass viele Asylbewerber unbedingt studieren oder in ihrem erlernten Beruf arbeiten wollten. Die meisten seien jedoch den Anforderungen hierzulande nicht gewachsen. Kohnen appellierte deshalb an die Ehrenamtlichen, den von ihnen betreuten Frauen und Männern zu einem Job zu raten. „Jede Arbeit ist besser, als zuhause herumzulungern oder nur Sprachkurse zu besuchen“, sagt er. Denn bei der Arbeit würde man viel besser Deutsch lernen.

Niemand solle sich zu schade sein, vorübergehend Regale im Supermarkt einzuräumen. Wer zum Beispiel ohne Qualifikation in einer Schreinerei fünf Jahre lang Berufserfahrung sammle, könne eine externe Prüfung ablegen. In den fünf Jahren lerne er das Handwerk und die Sprache und verdiene Geld, so Kohnen. Gesucht würden Arbeitskräfte im Handwerk sowie im Hotel- und Gaststättenbereich. Aufgrund des guten Stellenangebots gebe es keine Vorrangprüfung mehr – das heißt, Asylbewerber haben dieselben Chancen wie Deutsche und EU-Bürger.

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