+
Expressbusse, die von Geretsried über die Autobahn bis nach Fürstenried zur U-Bahnstation fahren, fordert der Bundestagsabgeordnete Andreas Wagner.

Mobilität auf kommunaler Ebene

Geretsrieder Linke diskutiert  Möglichkeiten für  Verkehrswende

Andreas Wagner, seit 2017 für die Linke im Bundestag, fordert eine sozial-ökologische Verkehrswende.

Geretsried In den Innenstädten stauen sich die Autos. Auf Bus und Bahn ist häufig kein Verlass. Auf dem Land fehlen attraktive Angebote mit öffentlichen Verkehrsmitteln. „Es ist Zeit, für eine sozial-ökologische Verkehrswende, damit alle günstig, pünktlich und umweltfreundlich ans Ziel gelangen“, sagt Andreas Wagner. Der Bundestagsabgeordnete der Linken lud am Dienstagabend in sein Wahlkreisbüro am Kirchplatz ein, um darüber zu diskutieren, was auf kommunaler Ebene im Bereich Mobilität passieren muss und wie der Bund die Kommunen dabei unterstützen kann. Über ihre Erfahrungen berichteten vor 20 Besuchern außerdem Brigitte Wolf, Stadträtin der Linken in München, und Andreas Paula von der Arbeitsgemeinschaft Verkehr der Linken in der Landeshauptstadt.

Andreas Wagner Der Geretsrieder sitzt seit 2017 für die Linke im Bundestag.

Wagner will das Auto nicht verteufeln. Es sei jedoch ein Unterschied, ob eine Person täglich allein damit fahre oder ob es mit vier Personen besetzt sei, sagte er. „Ziel der Linken ist es, vernetzt zu denken und Verkehrsmittel nicht einzeln zu betrachten.“ Bis die S7 nach Geretsried rollt – die Bahn spricht von Ende 2028, das Datum zweifelten die Diskussionsteilnehmer jedoch an – regt Wagner eine Zwischenlösung an: Expressbusse, die von Geretsried über die Autobahn bis nach Fürstenried zur U-Bahnstation fahren. Würde der Landkreis das Projekt jetzt anleiern, könnte es 2023 starten, sagte Andreas Paula. Er riet den Zuhörern, Druck auf Kreistag und Kommunen zu machen.

Andreas Wagner begrüßt die Initiative des Kreises, auf den Ost-West-Tangenten, etwa zwischen Weilheim, Bad Tölz und Rosenheim, Schnellbusse einsetzen zu wollen. Der Freistaat unterstützt das Vorhaben finanziell. Die Zuhörer forderten zudem mehr Busse zwischen den Städten Wolfratshausen, Geretsried und Bad Tölz – auch nach 20 Uhr und an den Wochenenden.

Auch interessant: Der Klimaschutz braucht die Verkehrswende

Die Linke plädiert für einen ticketlosen und deutlich günstigeren Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Um ihn zu finanzieren, sollte wie bei den Rundfunkgebühren jeder Bürger eine bestimmte Summe im Jahr bezahlen müssen, die für den Betrieb von Bussen und Bahnen verwendet wird. Komplizierte Tarifstrukturen, Kontrolleure und Ticketautomaten würden dadurch wegfallen. Autofahrer würden ebenfalls profitieren, weil es weniger Staus gäbe. Es würde einfacher und selbstverständlicher, den ÖPNV zu nutzen. Der Waldramer Dieter Klug lobte in dem Zusammenhang den von der Stadt Wolfratshausen eingeführten, kostenfreien Stadtbus für Senioren. Ein anderer Besucher erwähnte die Südtirol-Card, mit der Urlauber alle Verkehrsmittel kostenlos nutzen können.

Damit die S-Bahn besser angenommen werde, müsse sie erst einmal zuverlässig sein, sagte die Geretsriederin Lena Gneist. Laut Brigitte Wolf sind vor allem die veralteten Stellwerke das Problem. Hier müsse investiert werden. Für München fordern Wolf und Paula einen Ausbau des Straßenbahnnetzes. Das wäre wesentlich günstiger als der Bau neuer U- und S-Bahnen, sagten sie.

In seiner Heimatstadt will Wagner ein Leitsystem für Menschen mit (Geh)-Behinderung. Es müsse in alle Vorhaben integriert werden, insbesondere wenn die S-Bahn komme. Fußgänger und Radfahrer müssten viel mehr unterstützt und geschützt werden. Als Mitglied im Ausschuss für Verkehr wolle er sich für entsprechende Weichenstellungen auf Bundesebene starkmachen, versprach Wagner. Als Beispiele nannte er Bike-and-Ride-Parkplätze an den S-Bahnhöfen, Fahrradzonen und eine Straßenverkehrsordnung zu Gunsten der schwächeren Verkehrsteilnehmer.

tal

Lesen Sie auch: Geretsrieder Bürgermeister will die Verkehrswende

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Beste Grundlagen für einen vergnüglichen Abend
Die Theatergruppe des Trachtenvereins St. Sebald bringt das Stück „D’Wahl-Lump’n“ auf die Bühne.
Beste Grundlagen für einen vergnüglichen Abend
Kommunalwahl 2020: Eglings Bürgermeister Hubert Oberhauser im Porträt
Hubert Oberhauser will Bürgermeister von Egling bleiben. Er ist Kandidat der Freien Wähler. Warum eine Kieswüste seine Herzensangelegenheit ist.
Kommunalwahl 2020: Eglings Bürgermeister Hubert Oberhauser im Porträt
Im Landgasthof Berg bleibt die Küche kalt
Am 1. März schließt das Traditionslokal. Ab Ostern gibt’s nur noch Kaffee und Kuchen
Im Landgasthof Berg bleibt die Küche kalt
Wolfratshausen: Glückliches Ende einer Vermisstensuche
Ein Großaufgebot der Polizei suchte am Donnerstagabend nach einem Wolfratshauser (80). Nach zweieinhalb Stunden fand die Vermisstensuche ein glückliches Ende.
Wolfratshausen: Glückliches Ende einer Vermisstensuche

Kommentare