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In der Bergwelt des Himalaya führte unser Gastautor Mitte der 1990er Jahre ein richtungsweisendes Gespräch.

Gastkommentar

Geretsrieder Pastor erklärt, warum Veränderung wichtig ist

Wie eine Begegnung im Himalaya vor gut 20 Jahren Christoph Schirrmacher zum Nachdenken brachte. 

„You can never change any man’s mind!“ – „Du kannst niemals die Ansichten eines Menschen verändern!“ Diesen Satz bekam ich Mitte der 1990er Jahre mitten im Himalaya entgegengeschleudert.

Christoph SchirrmacherPastor der Christuskirche Geretsried (Baptisten)im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R

Wir hatten abends zusammen gesessen und gesungen. Darunter auch „Streets of London“ von Ralph McTell. Das Lied ist für einen selbstmitleidigen Freund geschrieben. Dieser wird an die Hand genommen und bekommt Menschen gezeigt, deren bedrückende Lebensumstände ihn dazu bringen sollen, seine eigene Situation neu zu bewerten.

„I’ll show you something, to make you change your mind!“ – „Ich zeige dir etwas, was dich dazu bringt, deine Ansichten zu ändern!“ Von dieser Zeile hatte sich mein Gegenüber aus Indien so provoziert gefühlt, dass es aus ihm herausgeplatzt war: „You can never change any man’s mind!“ Ein Satz, der für mich zu dem Indien der 1990er Jahre passte: Auf der einen Seite ein sehr dynamisches Land, aber auf der anderen Seite auch ein sehr festgefahrenes Land, in dem die Menschen ihren von der Gesellschaft zugewiesenen Platz nicht in Frage stellten.

Anhand dieses Liedes erfuhr ich mitten in Asien etwas über den gesellschaftlichen Konsens unseres christlichen Abendlandes, aufgrund der darin transportierten Werte: ein verhaltensorientiertes, ehrliches Feedback unter Freunden, der Blick auf den Mitmenschen, der meine Hilfe braucht, und eben vor allem die Überzeugung, dass es möglich ist, seine Ansichten zu überdenken und zuzugeben, dass man sich geirrt hat. Werte, die für uns alle so selbstverständlich sind, dass wir sie einfach leben und das Gleiche auch von den Menschen um uns erwarten.

Aber nicht immer gelingt es uns zuzugeben, dass wir falsch gelegen haben und tatsächlich den Neuanfang zu schaffen. Ich glaube, das liegt daran, dass wir dabei oft nur auf uns selbst schauen und nicht auf Gott, der ja als Schöpfer einer Schöpfung, in der am Anfang „alles sehr gut“ war, auch davon betroffen ist, wenn wir mit unserem Egoismus, unserer Lüge und unserem Zorn unsere Erde und unsere Mitmenschen oft unumkehrbar schädigen. Ich bin darum unendlich dankbar, dass er uns durch seinen Sohn Jesus Christus signalisiert, dass Tod und Zerstörung, Sünde und Schuld nicht das letzte Wort haben müssen, sondern dass es einen Ausweg aus der Schublade gibt, in die andere, aber auch ich selbst mich gesteckt habe(n).

Veränderung ist möglich, Veränderung, die ich mir nicht selbst mühsam abringen muss, sondern zu der ich in der Nachfolge als Christ immer mehr befähigt werde – Gott sei Dank!

Christoph Schirrmacher

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