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Sicherheitsgespräch im Königsdorfer Rathaus: (v. li.) Bürgermeister Michael Müller und Polizeichef Franz Schöttl aus Geretsried sowie Hausherr Rainer Kopnicky und Dietramszells Rathauschef Josef Hauser. 

Cannabis-Bauern und ein junger Zündler

Geretsrieder Polizei stellt den Sicherheitsbericht 2019 vor

  • vonPeter Borchers
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Die Polizeiinspektion Geretsried ist zuständig für die Stadt geretsried und die Gemeinden Königsdorf und Dietramszell. Wie es dort um die Sicherheit der Bürger bestellt ist, fasst ein Bericht zusammen.   

Geretsried/Königsdorf/Dietramszell– Jährlich trifft sich die Leitung der Geretsrieder Polizeiinspektion (PI) mit den Bürgermeistern der drei in ihrem Zuständigkeitsbereich liegenden Kommunen. Heuer – wegen der Corona-Pandemie später als gewöhnlich – gab Königsdorfs Rathauschef Rainer Kopnicky den Gastgeber für seine Kollegen Michael Müller (Geretsried) und Josef Hauser (Dietramszell) sowie Geretsrieds Polizeichef Franz Schöttl. Gemeinsam warfen sie einen Blick zurück auf die Sicherheitslage.

Erfreulich: 2019 blieb die Zahl der Straftaten nahezu unverändert: Die Ordnungshüter notierten 1369 Vergehen – eins weniger als im Jahr zuvor – in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS). Noch erfreulicher: Die Beamten konnten erneut mehr Fälle lösen. Die Aufklärungsquote lag bei 74,9 Prozent, 2018 waren es 69,7 Prozent. „Die Häufigkeitszahl, welche eine Vergleichbarkeit unterschiedlich großer Städte und Gemeinden in Bezug auf die Kriminalitätsbelastung der Bevölkerung ermöglicht, lag bei 4046 pro 100 000 Einwohner – ein leichter Rückgang von 52 im Vergleich zum Vorjahr“, schreibt Schöttls Stellvertreter Emanuel Luferseder in einer Pressemitteilung. Insgesamt 709 Tatverdächtige ermittelte die Polizei, 245 (2018: 252) von ihnen besaßen einen ausländischen Pass. Der Anteil der minderjährigen beziehungsweise heranwachsenden Täter sank von 189 auf 161.

Deutlich zurück ging die Gewaltkriminalität – sie umfasst Vergehen wie Mord, Totschlag, Vergewaltigung, räuberische Erpressung sowie gefährliche und schwere Körperverletzung – nämlich von 54 auf 38 Verbrechen oder 29,6 Prozent. Um 26,7 Prozent (2019: 19, 2018 15 Fälle) erhöhte sich die Zahl der Sexualdelikte. Dies ergebe sich „durch eine strafrechtlich relevante Chatnachricht, welche von mehreren beschuldigten Personen versendet wurde“, erklärt Luferseder. Von 283 auf 381 Fälle deutlich zunahmen die Eigentumsdelikte – Steigerung: 34,6 Prozent. Die Drogenkriminalität hatte die Geretsrieder PI dagegen gut im Griff: Die Zahl der Delikte sank von 144 auf 99 (minus 31,3 Prozent).

Ein deutschlandweit aktuelles Thema ist die zunehmende Gewalt gegen Polizisten. Auch Geretsrieder Beamte sind davon betroffen: 36 Mal wurden sie im Vorjahr angegriffen, sieben Mal häufiger als 2018. Luferseder: „Vorwiegend kam es dabei zu Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigungen.“ Sechs Beamte erlitten leichte Verletzungen.

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Die Zahl der Verkehrsunfälle steigerte sich im Vorjahresvergleich um 39 auf 961. In 15 Prozent der Fälle wurden die Beteiligten verletzt, ein Mensch starb. Häufigste Unfallursachen waren Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rangieren. Ebenfalls signifikant ist die Tatsache, dass Unfallverursacher immer häufiger nicht zu ihrem Fehler stehen. Die erfassten Unfallfluchten erhöhten sich von 211 (2018) auf 242, eine Steigerung von 14,7 Prozent. Auf zwei spektakuläre Fälle verweist der Sicherheitsbericht. So durchsuchten Beamte der PI im Februar nach aufwendigen Ermittlungen in Geretsried eine „konspirative Wohnung“. Dort fanden sie zwei je zwölf Quadratmeter große Indoorzelte, die dem Anbau von Cannabis dienten, mit zum Teil noch verbauter Technik sowie abgeernteten Pflanzen. Zwei Geretsrieder hatten den Anbau in größerem Stil betrieben.

Weil es zwischen dem 25. Februar und dem 1. März dieses Jahres in der katholischen Kirche an der Geretsrieder Johann-Sebastian-Bach-Straße – ohne nennenswerten Schaden – mehrmals gebrannt hatte, observierten Beamte der PI nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft das Gotteshaus – und erwischten einen Zehnjährigen auf frischer Tat. Er wurde im Anschluss an seine Eltern übergeben. Sein Glück: Die Zündeleien waren immer frühzeitig entdeckt worden. 

peb

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