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Eine schöne Begegnung: Asylbewerber besuchten die Weihnachtsfeier des Freizeitclubs für behinderte Menschen im Gemeindehaus der Petruskirche. In der Mitte Betreuerin Suzan Jarrar mit der siebenjährigen Sara aus Afghanistan.

„Die beste Art der Integration“

Geretsrieder Projekte für und mit Asylbewerbern

Geretsried - „Wir wollen nichts speziell für Asylbewerber machen, sondern etwas mit ihnen.“ Das betont Elisabeth Sowa, Koordinatorin der Arbeitsgruppe „Projekte“ des Asylbewerber-Helferkreises.

Zu den regelmäßigen Angeboten, die sich an Flüchtlingskinder richten, gehört der Schwimmkurs jeden Dienstag- und Freitagabend im Hallenbad. Alle momentan fünf jungen Teilnehmer zwischen sechs und zehn Jahren seien mit Feuereifer dabei, berichtet Elisabeth Sowa. Sechs weitere Kinder und vier Erwachsene seien für die neuen Kurse ab Februar bereits angemeldet.

Angefangen habe es damit, dass sie einmal mit einem Mädchen aus der Asylbewerberunterkunft (ABU) am Robert-Schumann-Weg ins Hallenbad gegangen sei, erzählt die 53-jährige Mutter zweier erwachsener Kinder. „Die anderen wollten unbedingt mit. So entstand die Idee, einen Schwimmkurs für sie zu organisieren.“ Viele Flüchtlingskinder hätten zuvor überhaupt nicht schwimmen können. Jetzt, da sie sich sicher über Wasser halten, radelt Sowa mit ihnen auch einmal im Sommer an den Bibisee und geht zusammen mit anderen Helferinnen zum öffentlichen Schwimmen ins Hallenbad.

Der ehrenamtlichen Betreuerin mangelt es nicht an Ideen für Aktionen. In der warmen Jahreszeit habe sie mit den Asylbewerberkindern oft Ausflüge zum Spielplatz auf der Königsdorfer Alm, zum Vogelhaus am Schulzentrum oder in die Isarauen unternommen, berichtet sie. Diejenigen, die schon gut Deutsch könnten, nehme sie gelegentlich mit ins Wolfratshauser Kino. „Die Kinder und Eltern sollen sehen, wie man auch mit wenig oder ohne Geld seine Freizeit verbringen kann“, sagt Sowa. Kinder- und Jugendfeste oder auch das Waldfest seien gute Gelegenheiten. Für manche Mütter aus Afghanistan sei es ungewohnt, solche Aktionen zu besuchen. Sowa: „Wenn wir gemeinsam gehen, trauen sie sich eher. Die Bastelangebote wurden dann von den Müttern immer genau so begeistert angenommen wie von den Kindern.“ Auf die gleiche Weise hat Sowa Asylbewerber ins Mutter-Kind-Turnen des TuS mitgenommen und den Kontakt zur Musikschule hergestellt.

Suzan Jarrar, die sich ebenfalls in der Projektgruppe engagiert und dort vor allem als Dolmetscherin wertvolle Dienste leistet, hat die Flüchtlinge schon einige Male in den Freizeitclub in der evangelischen Petruskirche eingeladen – ein offener Treff für Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung. Zuletzt feierten die Flüchtlinge gemeinsam mit den behinderten Menschen Advent bei Plätzchen und Weihnachtsliedern. Etwa 30 Bewohner der Asylbewerberunterkunft (ABU) und andere Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Palästina und Irak waren gekommen.

„Bei uns ist Ramadan vergleichbar mit Weihnachten. Am Ende der Fastenzeit gibt es für uns Kinder Süßigkeiten und Geschenke“, erzählte die zwölfjährige Helin aus dem Irak bei der Feier. Zu Weihnachten bekomme sie von ihrer Mutter aber auch ein wenig Geld geschenkt, um sich etwas Schönes zu kaufen, sagte die Muslima. Mit Elisabeth Sowa sei sie schon zum Schwimmen gegangen und zum Waldfest geradelt: „Sie und die anderen Betreuer sind sehr freundlich. Es gefällt mir, etwas mit ihnen zu machen“, erklärte Helin in sehr gutem Deutsch.

Die anderen Betreuer – das sind Frauen und Männer zwischen 18 und 70 Jahren, die sporadisch oder regelmäßig mit Deutschunterricht, Fahrdiensten und anderem helfen. „Jeder kann in unserer Projektgruppe eine Unternehmung anbieten“, ermuntert Elisabeth Sowa die Geretsrieder. Gabi Hüttl pflanzte im Sommer zum Beispiel ein Weidentipi mit den Flüchtlingen vor dem ABU, Isabella Kaltenegger legte mit ihnen Hochbeete an. „Wir können immer Begleiter beim Schwimmen brauchen. Wenn jemand nur am Wochenende Zeit hat, ist das auch okay“, sagt Sowa.

Als nächste Aktion plant die Gruppe für das Frühjahr ein interkulturelles Fest im Jugendzentrum Saftladen. Die jungen Asylbewerber sollen es gemeinsam mit einheimischen Jugendlichen vorbereiten. „Die Asylbewerber sollen selber aktiv werden und ihre Fähigkeiten einbringen. Das ist die beste Art von Integration“, glaubt Elisabeth Sowa.

von Tanja Lühr

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