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In seinem Element: Kurt Schäfer reparierte sieben Jahre lang ehrenamtlich Fahrräder, hauptsächlich von Kindern und Senioren.

Kurt Schäfer nimmt Abschied

Geretsrieder Radldoktor legt Werkzeug nieder - Nachfolger gesucht

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Die Stadt sucht einen neuen ehrenamtlichen Zweirad-Experten für die Radlwerkstatt im Jugendzentrum Saftladen. Radldoktor Kurt Schäfer (69) musste aus Altersgründen aufhören.

Geretsried – Kurt Schäfer (69) hat die Radlwerkstatt in der Garage des Jugendzentrums Saftladen geschlossen – und seitdem nicht mehr aufgemacht. Nach sieben Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit musste der Geretsrieder sein Werkzeug aus Altersgründen weglegen. Bürgermeister Michael Müller zeichnete Schäfer dafür im Stadtrat aus. „Es ist etwas Wertvolles in unserer Gesellschaft, dass sich Menschen wie Sie engagieren“, sagte er.

„Ich bin mein Leben lang Fahrrad gefahren“

Kurt Schäfer erfuhr im Jahr 2009 aus der Zeitung, dass jemand gesucht wird, der sich mit Fahrrädern auskennt. Die Idee für das Projekt war in einer Stadtwerkstatt geboren worden. Der Rentner meldete sich freiwillig. „Ich bin mein Leben lang Fahrrad gefahren und habe immer alles selbst gemacht“, berichtet Schäfer.

Der 69-Jährige ist gelernter Feinmechaniker und Werkzeugmacher. Zuletzt arbeitete er als Produktentwickler bei der Firma Lorenz. Seine Leidenschaft fürs Radfahren begann mit 18 Jahren. Er fuhr Rennen in München und trat später dem RSC Wolfratshausen bei. Für den Sport kaufte er nie fertige Rennräder, sondern richtete sie selbst her. „Ich habe mir alles selbst beigebracht“, sagt er.

Ganz unterschiedliche „Kundschaft“

Rennräder reparierte er in der Radlwerkstatt aber fast nie. Die „Kundschaft“ war ganz unterschiedlich. Kinder kamen mit ihren kleinen Rädern. „Aber auch Witwen, deren Männer sich früher immer darum gekümmert haben“, berichtet Schäfer. Zuletzt seien auch viele Asylbewerber gekommen.

Im Stadtrat ehrte Bürgermeister Michael Müller (li.) Kurt Schäfer für seinen Einsatz.

Mittwochs für zwei Stunden öffnete Schäfer die Radlwerkstatt. „Dabei ist es aber nie geblieben, weil so viele angestanden haben“, sagt er. „Und wenn eine Reparatur länger gedauert hat, hab ich es unter der Woche erledigt.“ Zudem montierte er Ersatzteile von alten Rädern am Bauhof ab. Oder er richtete und verkaufte sie.

Stadt sucht Nachfolger

Das eingenommene Geld wanderte aber nicht in Schäfers Tasche – genauso wie die Spenden, die Besucher für die Reparatur hinterließen. „Zuletzt haben wir der Caritas-Tagesstätte 1068 Euro überreichen können“, sagt der Geretsrieder stolz. Auch wegen des guten Zwecks habe ihm die Arbeit immer großen Spaß gemacht. „Wenn ich zurückdenke, würde ich es nochmals machen.“

Dass Kurt Schäfer aufhört, bedeutet aber nicht das Ende der Radlwerkstatt. Die Stadt sucht einen Nachfolger – einen Ehrenamtlichen, der Räder für Asylbewerber herrichtet, gibt es bereits. Und Schäfers Aufhören bedeutet auch nicht, dass er nichts mehr mit Fahrrädern am Hut hat. „Gleich nach diesem Gespräch ziehe ich mir die Radlsachen an und treffe mich für ein paar Kilometer mit Freunden“, sagt Schäfer lachend. Bei gutem Wetter müsse das sein. „Meine Frau sagt immer, wenn du nicht Radl fährst, bist du nicht glücklich.

Neuer Radldoktor gesucht

Interessenten melden sich bei Suzan Jarrar, Ruf 0 81 71/62 98 28 03.

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