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Diskutierten über Flüchtlingspolitik (v. li.): Konrektorin Christine Kolbeck, Asylkoordinatorin Suzan Jarrar sowie die Schüler Simon Schorre (16), Elena Pavlas (16), Alexandra See bauer (15), Lisa Lettner (16) und Franziska Maier (16). 

„Wir können von damals lernen“

Geretsrieder Schüler diskutieren über Migration

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Kann Geretsried heute in Sachen Migration von gestern lernen? Diese Frage stellte sich die Klasse 10d des Gymnasiums Geretsried in einem fächerübergreifenden Projekt. Das Ergebnis präsentierte sie am Dienstag ihren Mitschülern.

Geretsried– Asyl ist ein Thema, das den Mädchen und Buben des Gymnasiums tagtäglich begegnet. Neben ihrem Schulgebäude befindet sich die Gemeinschaftsunterkunft, in der rund 100 Asylbewerber leben. Und auch beim Blick in die Stadtgeschichte spielt Migration in Geretsried eine wichtige Rolle. Deswegen setzte sich die Klasse 10d in den vergangenen drei Wochen im Geschichts- und Sozialkundeunterricht eingehend mit „Migration nach Geretsried – gestern und heute“ auseinander.

Die Schüler im Alter zwischen 15 und 16 Jahren wollten unter Leitung von Referendarin Anja Ziegenaus wissen, ob die Stadt aus den Erfahrungen von damals lernen kann. Am Dienstag luden sie die zehnten Klassen des Gymnasiums zum Abschluss des Projekts zu einer Podiumsdiskussion mit Konrektorin Christine Kolbeck, Asylkoordinatorin Suzan Jarrar sowie den Schülern Simon Schorre, Elena Pavlas und Alexandra Seebauer in die Aula ein.

Vor 70 Jahren war die Ausgangssituation anders

„Wir können von damals lernen, aber nicht eins zu eins“, sagte Kolbeck. Wesentlicher Unterschied sei, dass die Asylbewerber heute vor dem Problem der Sprachbarriere stünden und die Ausgangssituation vor 70 Jahren anders war. „Das Land befand sich im Aufbau“, erklärte die Konrektorin. „Ihr seid in einer wunderbaren Welt aufgewachsen, sodass einige Gruppen sagen, dass hier keiner hereindarf.“

Dem stimmte Suzan Jarrar zu und betonte, dass auch die heutige Politik anders sei. „Asylbewerber stehen vor vielen Hürden – etwa Beschäftigungsverboten und Wohnzuweisungen“, so die Asylkoordinatorin. Vergleichbar seien aber die Vorurteile, die Migranten entgegenschlagen. „Jeder hat Angst vor Fremden. Aber wenn man sie kennenlernt, können Fremde zu Freunden werden“, sagte Jarrar.

Zeitzeugin Ingeborg Klier im Interview

Zur Vorbereitung hatten die Zehntklässler Zeitzeugin Ingeborg Klier (83) interviewt, die im Jahr 1946 mit ihrer Familie aus dem Sudetenland vertrieben wurde und in eine Baracke in Geretsried gesteckt wurde. Ihren Erfahrungsbericht stellten die Schüler in einem professionellen Video mit dem Gespräch zweier Asylbewerber gegenüber – einer Syrerin und einem Iraker, die anonym bleiben möchten. Die drei berichteten von ihrer traumatischen Flucht, aber auch, dass sie in Geretsried Freunde gefunden haben. „Es ist eine schöne Stadt mit schönen Leuten“, sagte etwa der Iraker.

„Flüchtlinge bereichern unsere Kultur“

Schüler Simon Schorre stellte in der Diskussion heraus, dass Deutschland heute andere Möglichkeiten habe. Die Menschen damals wurden vertrieben, heute flüchten sie, weil sie Angst um ihr Leben haben. „Wir sind ein starkes Land und müssen anfangen, etwas gegen den Krieg und die wirtschaftlichen Folgen zu tun“, sagte Schorre. Wie wichtig Integration sei, betonte Elena Pavlas. „Wir in unserer Wohlstandsgesellschaft können dabei helfen.“

Lisa Lettner und Franziska Maier moderierten die Schulstunde gekonnt und zogen folgendes Fazit aus ihren Recherchen: „Wenn als Jugendliche alle mit dem Gedanken durchs Leben gehen, dass Flüchtlinge unsere Kultur bereichern, werden wir eine starke Zukunft haben.“

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