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Königlicher Besuch im Rathaus: Bürgermeister Michael Müller (re.) begrüßte am Freitag die Sternsinger. 

Heuer sind sie mit selbstklebenden Schildchen unterwegs

Geretsrieder Sternsinger starten mit Besuch im Rathaus 

Die Sternsinger haben das Rathaus besucht. Dabei erzählte Bürgermeister Gerhard Meinl Anekdoten aus der Vergangenheit. Früher ging es offenbar weniger brav zu. 

Geretsried Schön anzuschauen und anzuhören waren die etwa zehn Mädchen und Buben, die Bürgermeister Michael Müller und seinem zweiten Stellvertreter Gerhard Meinl am Freitag einen Besuch abstatteten. Die als Caspar, Melchior und Balthasar verkleideten Sternsinger der Stadtkirche, also der beiden katholischen Pfarreien Maria Hilf und Heilige Familie, machten wie jedes Jahr zu Beginn ihrer Tour durch Geretsried Station am Rathaus. Sie sagten ihr Sprüchlein auf, sangen und brachten am Ende das „20*C+M+B*20“ auf der Rathauspforte an, das für „Christus mansionem benedicat“, zu Deutsch „Christus segne dieses Haus“ steht.

Damit die Schrift besser hält und besser sichtbar ist, gibt es seit Neuestem schwarze, selbstklebende Schildchen, auf die die Zahlen und Buchstaben mit Kreide geschrieben werden. Auch die Lieder haben sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte verändert. Gerhard Meinl, früher selbst eifriger Ministrant und Sternsinger in Maria Hilf, rezitierte eine Version, in der „ein Schwarzer“ und „das Heidenland“, das bekehrt werden soll, vorkommen. „Das entspräche heute nicht mehr der political correctness“, meinte Meinl. Sehr zum Vergnügen der Kinder berichtete er außerdem von den „wilden Sternsingern“, jenen nicht von der Kirche entsandten Banden, die früher im Stadtgebiet ihr Unwesen trieben. Als „echte“ Heilige Drei Könige habe man sich mit ihnen so manche Schlägerei geliefert, plauderte Meinl aus dem Nähkästchen.

Bürgermeister Michael Müller dankte der kleinen Abordnung – insgesamt werden in den kommenden Tagen 40 Sternsinger durch die Straßen ziehen – für ihren „tollen Einsatz für Kinder in Not“. Der Erlös der Sammelaktion kommt heuer jungen Bedürftigen im Libanon zugute. Dort leben aktuell rund 1,2 Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland Syrien. Das ist ein Viertel der Gesamtbevölkerung. Die Bildungs- und Gesundheitsstrukturen des Libanon reichen nicht aus, um den Bedürfnissen der geflüchteten Menschen gerecht zu werden. „Die Hilfsbereitschaft der Libanesen ist teilweise in Ablehnung umgeschlagen. Auch unter Kindern und Jugendlichen kommt es zu Spannungen und Ausgrenzungen“, schreibt das Kindermissionswerk, das die bundesweite Aktion durchführt. Mit den Spenden wird deshalb unter anderem ein Integrationsprojekt an Schulen unterstützt.

Lesen Sie auch: Heuer ziehen 50 Sternsinger von Haus zu Haus

Pastoralreferent Dr. Manfred Waltl sowie die Sternsinger-Betreuerinnen Kerstin Franz und Judith Körbel von der Stadtkirche haben im Vorfeld mit den Kindern über das Thema gesprochen. „Ich finde es gut, wenn wir da mit dem gesammelten Geld helfen können“, sagte der 13-jährige Julian, der bereits zum vierten Mal im Auftrag der Pfarrei Heilige Familie in Gartenberg unterwegs ist. Sandra (9) von Maria Hilf mag „das Singen und die Gemeinschaft“, wie sie sagt. Fabian (7) gibt zu, dass die von vielen Bürgern zusätzlich zu ihrer Spende gegebenen Süßigkeiten ein interessanter Aspekt seien.

Gegen den richtigen Hunger, der nach Stunden des Marschierens in der Kälte aufkommt, gibt es am Freitag, Samstag und Sonntag jeweils ein warmes Mittagessen. Brigitte Kilian kocht in Maria Hilf Lieblingsgerichte wie Pizza und Spaghetti. Am Montag, dem eigentlichen Dreikönigstag, finden Abschluss-Gottesdienste statt – um 10 Uhr in der Heiligen Familie und um 11.30 Uhr in Maria Hilf. Tanja Lühr

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