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Rosen symbolisieren Liebe. Doch sie in Restaurants oder Discos zu verkaufen, kann unangenehme Situationen mit sich bringen.

Verhandlung am Amtsgericht

Geretsrieder watscht Rosenverkäufer

Geretsried/München - Eigentlich wollte der Mann aus Bangladesch in einer Münchner Disco nur Rosen verkaufen. Doch plötzlich bekam er eine Watschn verpasst und kam auch noch in den Schwitzkasten. Dafür musste sich jetzt ein Geretsrieder (20) vor Gericht verantworten.

Der Mann war noch sichtlich mitgenommen, als er vor dem Jugendrichter den Vorfall schildert. „Er schlug unvermittelt zu. Dabei habe ich nur gefragt: Brauchst Du Rosen?“, erzählte der 47-Jährige aus Bangladesch kürzlich vor dem Amtsgericht. „Das ist das erste Mal, dass mir so was passiert“, fährt er fort. Dann kann der Vater von vier Kindern die Tränen nicht mehr zurückhalten.

Der Geretsrieder feierte Geburtstag - und hatte zu viel getrunken

Von der heftigen emotionalen Reaktion des Zeugen blieb der Angeklagte nicht unbeeindruckt. Eine triftige Begründung für seinen Ausraster hatte er jedoch nicht. Am 21. Juni vorigen Jahres hatte der Geretsrieder mit Freunden in einer Münchner Diskothek seinen 20. Geburtstag gefeiert. „Der Mann wollte mir Blumen verkaufen, ich wollte das nicht“, erklärt der Beschuldigte. Was dann folgte, beruhte wohl auf einem vom Alkohol beeinflussten Missverständnis. „Er wollte mir zum Geburtstag gratulieren, das habe ich falsch verstanden“, führt der 20-Jährige aus. „Ich dachte er wollte mir was, weil ich ihn abgewiesen hatte. Dann bin ich leicht aggressiv geworden.“ Er ohrfeigte den Rosenkäufer und nahm ihn in den Schwitzkasten. Nachdem beide vom Sicherheitsdienst vor die Tür gesetzt worden waren, schlug der Angeklagte nach eigener Aussage noch einmal zu.

Der Täter überreicht noch im Gerichtssaal 250 Euro Schmerzensgeld

„Er muss lernen, Leute zu respektieren, und so trinken, dass so was nicht passiert“, schluchzt der Blumenverkäufer im Gerichtssaal. Neben verletzter Ehre schwingt bei dem Familienvater die Angst mit, seinen Nebenjob in der Disco nicht mehr ausüben zu dürfen. „Ich darf die Leute nicht stören“, erklärt der Mann. Der Angeklagte versichert dem Geschädigten, aus der Sache gelernt zu haben und überreicht dem Bangladescher noch im Gerichtssaal 250 Euro Schmerzensgeld. Auf Vorschlag der Jugendgerichtshilfe stimmen Staatsanwalt und Richter einer Einstellung des Verfahrens zu. „Bei Körperverletzungen tu ich mich damit schwer. Aber dem Angeklagten dürfte jetzt klar sein, dass das nicht nur körperliche Schäden verursacht“, erklärt der Staatsanwalt. Als Gegenleistung muss der Geretsrieder – neben der Schmerzensgeldzahlung – 24 Sozialstunden ableisten. Rudi Stallein

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