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Mittendrin: Jennifer Becker (2. v. li.) aus Geretsried besuchte mit der Kolpingjugend Deutschland Hilfsprojekte in Peru. Am meisten beeindruckt hat sie der Besuch in einem der größten Männergefängnisse des Landes. 

Herzlichkeit hinter Gittern

Geretsriederin besucht ein peruanisches Männergefängnis

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Um jungen Menschen ihre Arbeit näher zu bringen, bietet die deutsche Kolpingjugend internationale Begegnungsreisen an. Jennifer Becker aus Geretsried begleitete einen Gefängnisseelsorger in Peru – und machte dabei beklemmende, aber auch berührende Erfahrungen.

Geretsried – Dicke Mauern, Gitter, Stacheldrahtzäune und Wachtürme schließen das Gelände ein. Es ist das Gefängnis San Juan de Lurigancho in Lima, eine der größten Haftanstalten des Landes. Dort, in dieser eingezäunten Kleinstadt mitten in der peruanischen Hauptstadt, sind rund 10 000 Männer inhaftiert – Räuber, Drogenhändler, Vergewaltiger und Mörder. Inmitten dieser Straftäter stand Jennifer Becker aus Geretsried. „Im ersten Moment ist mir der Atem gestockt“, sagt die 32-Jährige. „Aber ängstlich fühlte ich mich nicht.“

Zusammen mit zwölf jungen Erwachsenen der deutschen Kolpingjugend und dem Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat reiste Becker, die seit 17 Jahren Mitglied der Kolpingfamilie Geretsried ist, im September für zwei Wochen nach Lima, um die Hilfsprojekte vor Ort kennenzulernen. Dort arbeitet der deutsche Pater Norbert Nikolai als Gefängnisseelsorger. Ihn begleiteten die Frauen und Männer einen Tag lang.

Der Weg ins Gefängnis war der in eine völlig andere Welt. Wer hinein will, muss drei Tore passieren. „Sogar der Boden unseres Wagens wurde genau kontrolliert“, sagt Becker. Geld, Handys und Kameras mussten draußen bleiben. „Vor der letzten Tür wurden wir durchsucht und mussten unsere Reisepässe abgegeben.“ Im Gegenzug erhielten sie eine Metallplakette. „Die Jungs bekamen noch einen Stempel auf den Arm – damit klar ist, dass sie nur Besucher sind“, erklärt Becker. Dann stehen sie mittendrin in dem Gefängnis, das den Ruf hat, eines der härtesten der Welt zu sein.

Europäer fallen auf

„Natürlich sind wir als Europäer – und gerade als Frauen – sofort aufgefallen“, sagt Becker. Unangenehm sei es nicht gewesen. „Alle waren sehr höflich und nett.“ Trotzdem waren die ersten Schritte im Gelände befremdlich. „Es gibt zwar typische Zellen“, sagt Becker. „Aber die Männer haben sich zwischen den steinernen Gebäudeblöcken größtenteils frei bewegt.“ In einem Bereich sind die Häftlinge untergebracht, die drogenabhängig sind. „Mit ihnen waren wir in der Kunsttherapie, haben Spiele gespielt und Bilder gemalt“, sagt Becker. Auf einmal stand einer der Männer auf, ging nach draußen in einen kleinen Garten und pflückte eine Blume für sie. Da war das Eis gebrochen. „Es kam mir so vor, als würden uns diese Häftlinge beschützen – obwohl wir nicht beschützt werden mussten“, sagt Becker.

Im Laufe des Tages erlebten die Besucher aus Deutschland, wie das Leben im Gefängnis funktioniert. „Die Häftlinge organisieren sich selbst“, sagt Becker. Viele müssen sich ihren Schlafplatz für die Nacht oder das Mittagessen erarbeiten. Das Geld dafür bekommen sie, weil sie auf dem Markt Essen verkaufen, in einer Holzwerkstatt arbeiten oder sich um Formulare für andere Insassen kümmern. Becker hat viele Männer gesehen, die sich gegenseitig halfen und ihr Essen geteilt haben. „Diese Solidarität fand ich beeindruckend.“ Blauäugig ist sie nicht: „Natürlich spielt Geld eine große Rolle, Korruption ist in ganz Peru ein Thema“, sagt Becker. „Doch eine Art von Zusammenhalt war oft spürbar.“ Ein Häftling habe sie mit seinen Worten besonders berührt. „Er arbeitete in dem Block, wo die Aidskranken leben, und erzählte, dass das nun sein Schicksal sei – seine Chance, Gutes zu tun“, sagt Becker.

Diesen Straftätern eine zweite Chance zu geben, ist auch der Wunsch von Pater Nikolai, dem Gefängnisseelsorger. In seinem Bereich können die Insassen zur Ruhe kommen, fernsehen, über ihre Probleme und die Zeit nach der Haft sprechen. Der Priester wisse nicht, warum die Männer in Lurigancho sind. Es sei ihm auch gar nicht wichtig. „Er sieht sie nicht als Straftäter, sondern als Menschen“, sagt Becker.

Genau das sei der 32-Jährigen auch während des Besuches im Gefängnis klar geworden. „Natürlich war ich erleichtert, als ich wieder außerhalb der Mauern stand“, sagt Becker. „Aber die Eindrücke habe ich mit nach Hause genommen.“

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