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Will die laufenden Projekte in Geretsried fortführen: Bürgermeister Michael Müller.

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Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller über Großprojekte – und seine Kandidatur 2020

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Die Stadt Geretsried arbeitet parallel an vielen Großprojekten. Im Interview blickt CSU-Bürgermeister Michael Müller auf das ereignisreiche Jahr 2018 zurück.

Geretsried –  Vieles wird 2019 fortgesetzt. Im Jahr 2020 endet Müllers erste Amtsperiode – doch er hofft, dass er nach der Kommunalwahl weitermachen kann. 

Herr Bürgermeister Müller, die B11-Verlegung läuft, die S-Bahn kommt, die „Neue Mitte“ wird gestaltet, das Eisstadion überdacht und das neue Hallenbad gebaut. Haben Sie da eigentlich noch Visionen?

Ja, Geretsried zu einer modernen, leistungsfähigen Stadt weiterzuentwickeln. Die Stadt ist ja innerhalb kürzester Zeit mit sehr expansiven Phasen in den 1950ern, 60ern und 70ern entstanden. Es gilt, die Aufbauleistung der Gründerjahre in die neue Zeit mitzunehmen.

Einiges läuft ja bereits, was gehört denn noch zu einer modernen, leistungsfähigen Stadt?

Im Grunde sind es die ganz wesentlichen Punkte. Damit es Arbeitsplätze in Geretsried gibt, müssen wir die Rahmenbedingungen schaffen – durch Gewerbeflächen und Wohnraum. Letzterer muss natürlich auch bezahlbar sein. Und das Thema Mobilität in jeglicher Form gehört zu einer modernen und leistungsfähigen Stadt. Im Vergleich zu anderen Städten sind wir zwar noch gut dran, aber zu Stoßzeiten fließt der Verkehr nicht. Heute setzen wir aber nicht mehr nur auf den reinen Straßenausbau.

Sondern?

Wir müssen den Straßenverkehr mit anderen Verkehrsmitteln verknüpfen, also den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) stärken und alternative Verkehrsmittel ausbauen. Wir werden innerorts das Thema Fahrradfahren stärker herausarbeiten müssen. Und ich glaube, dass wir so langsam auch den Schwenk vom Primat des Autos hin zu anderen Möglichkeiten machen müssen, dazu gehören auch vernetzte Systeme und Carsharing.

Für den kostenlosen Stadtbus sieht es allerdings nicht ganz so gut aus.

Das Thema ist nicht gänzlich vom Tisch, es ist nur nicht gleich möglich. Wir stecken in Verträgen. Die Linie betreibt der Landkreis, der den MVV beauftragt hat. Wenn wir den Stadtbus kostenlos machen wollen, müssen wir mit erheblichem Aufwand den Stadtbus aus dem MVV herausnehmen und ihn als eigene Linie betreiben, wobei auch die Interdependenzen mit anderen Linien zu beachten sind. Wir haben im Gegensatz zum Südlandkreis den Vorteil, dass wir im Tarifverbund sind. Da freiwillig auszutreten, halte ich nicht für eine gute Lösung.

Also kein kostenloser Stadtbus?

Ich bin nicht dagegen, mehr Geld in eine Buslinie zu stecken, aber dann bitte sinnvoll. Wir können zum Beispiel über einen 20-Minuten-Takt nachdenken, um die Attraktivität des ÖPNV zu steigern. ,Lasst den Stadtbus kostenlos fahren‘, das ist ein nettes Schlagwort, und da schwingt der aufziehende Kommunalwahlkampf mit rein. Ich appelliere aber an alle Entscheidungsträger, die Stadtfinanzen nicht für ein Schlagwort den Bach runtergehen zu lassen.

Sie haben gesagt, das Thema Wohnen gehört zu einer modernen, leistungsfähigen Stadt. Auf dem ehemaligen Lorenz-Areal soll ein neues Quartier gebaut werden. Reicht das oder braucht es noch mehr Wohnbebauung?

Das ist immer die Gratwanderung: Was macht man möglich und was baut man expansiv und zieht damit noch Weiteres an? Wir müssen auf ein ausgewogenes Verhältnis achten, also nicht auf Teufel komm raus bauen, sondern uns am Bedarf orientieren. Deswegen ziehen wir im Rathaus die Planungszahlen jetzt stärker ins Gewicht. Das heißt, wir kombinieren unsere Stadtentwicklung mit den demografischen Aspekten und einem gezielten Flächenmanagement.

Sie können also jetzt noch nicht sagen, ob noch andere Wohnbauprojekte umgesetzt werden?

Das Lorenz-Areal und die Entwicklung der Böhmwiese, die ja in irgendeiner Weise mit einbezogen werden muss, bilden den Entwicklungshorizont. Momentan werden wir keine weitere großflächige Ausweisung anderer Gebiete anstreben. Es wird aber Nachverdichtungen in der Stadt geben, um die verfügbaren und knappen Flächen effizienter zu nutzen. Wohngebiete, die jetzt einen Gartencharakter haben, versuchen wir so zu belassen. Dafür werden wir an anderer Stelle, wo es nötig ist, deutlich stärker verdichten. Es wird ein Trend der Zeit sein, dass wir dichter und höher bauen.

Geretsried ist ja auch eine Stadt.

Richtig. Wir machen jetzt auch tatsächlich den Sprung in städtische Strukturen. Weg von der Gartensiedlung, die in den 1950er Jahren angelegt wurde, hin zu einem echten Stadtzentrum und einer urbanen Stadt.

Die Wohnbebauung auf dem Lorenz-Areal hat auch Kritiker – insbesondere die Firma Bauer Kompressoren. Wie stehen Sie dazu?

Ich kann natürlich gut verstehen, dass sich Nachbarn sorgen, was da entsteht und wie das deren Firma oder Grundstück beeinflusst. Aber Teil des Bebauungsplanverfahrens sind entsprechende Gutachten und Auflagen. Das gesamte Schallschutzthema, um das es hier vordringlich geht, aber auch das Thema Verkehr ist in separaten Gutachten sehr intensiv behandelt worden. Wir haben als Stadt sogar noch einen dritten Gutachter eingeschaltet – deswegen zog sich das Verfahren auch so lange hin –, um den Belangen der Nachbarn möglichst stark gerecht zu werden und ihren Wirkungskreis nicht einzuschränken. Insofern bin ich überzeugt, dass wir gut gearbeitet haben und einen Weg gefunden haben, Wohnen und Arbeiten nebeneinander möglich zu machen.

Der Verkehrsgutachter hält eine Ampel an der Elbe-/Blumenstraße für notwendig. Die würde den Knotenpunkt schon jetzt entlasten. Wann kommt die Ampel?

Es ist richtig, dass das Verkehrsproblem jetzt schon ein Thema ist. Man muss aber auch sehen, dass die Situation mit einem Baumarkt, wie er auf dem Lorenz-Areal genehmigt war, noch viel dramatischer geworden wäre. Wir werden schauen, dass wir die Ampel so schnell als möglich installieren. Die Stadt entscheidet das hier nur nicht alleine, sondern in enger Abstimmung mit dem Staatlichen Bauamt. Ich denke, innerhalb des nächsten halben Jahres werden wir hier deutlich weiterkommen.

Wir haben übers große Ganze gesprochen. Schauen wir nochmal aufs Jahr 2018 zurück. Worauf sind Sie stolz?

Das wir Geretsried ein gutes Stück vorangebracht haben. Wir sind hier in einer Fülle und einem Umfang mit Projekten beschäftigt, die es so sicher nicht oft in der Stadtgeschichte gegeben hat. Ich bin stolz auf unseren Stadtrat, der diese Projekte trotz der durchaus nicht immer leichten Rahmenbedingungen mit der überwiegenden Mehrheit oder fast einstimmig voranbringt, und die Bürgerinnen und Bürger, die das mittragen.

Für das Rathaus bedeutet die Fülle an Projekten viel Arbeit. Wie schafft die Verwaltung das alles?

Das ist nur durch den Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglich. Dafür bedanke ich mich sehr herzlich. Sie sehen einerseits, dass hier was passiert und dass sie hier was machen können. Andererseits ist es aber tatsächlich eine große Herausforderung und Verantwortung, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr gut stemmen. Das ist wirklich eine tolle Leistung und für die Verwaltung einer kreisabhängigen Stadt nicht selbstverständlich.

Was hat Sie 2018 geärgert?

Eigentlich bin ich ja schon viel ruhiger geworden (lacht). Aber wenn man einen Blick fürs große Ganze hat und dann nach dem ersten Schnee – in überschaubarer Menge – ein Stapel von Beschwerden kommt, wo nicht richtig geräumt wurde, ärgert mich das schon. Die Menschen arbeiten im Bereitschaftsdienst, teils nachts, und tun, was sie können. Da würde ich mir ein bisschen mehr Gelassenheit den Kollegen gegenüber wünschen.

Privat hat sich 2018 etwas bei Ihnen geändert. Sie sind immer öfter in Begleitung auf Veranstaltungen.

Richtig. Ich habe eine neue Beziehung angefangen.

Und dadurch haben Sie auch mehr Beziehung zu Gelting.

Ja, die Wirtin des Alten Wirths und ich sind liiert. Aber noch nicht verheiratet.

Noch nicht?

Man wird sehen (lacht).

Zurück zur Politik: Was steht 2019 auf Ihrer Agenda?

Im Grunde geht es nahtlos weiter. Wir haben einige Großprojekte, die wir aus 2018 übernehmen und versuchen, sukzessive zu Ende zu führen. Der Neubau des Hallenbads wird natürlich weiter voranschreiten. Perspektivisch müssen wir auch schon überlegen, was wir mit dem alten Hallenbad machen. Die Zentrumsentwicklung geht weiter, und wir werden weiter daran planen, wie wir das Rathaus als Mitte der Stadt in seiner zentralen Versorgungsfunktion und als kultureller Mittelpunkt der Stadt in einem modularen System ausbauen werden. Auch das Thema S-Bahn wird mit der Auslegung der Pläne wieder auf den Tisch kommen, wenn man den Aussagen der Bahn vertrauen will. Wir starten mit der Überdachung des Eisstadions. Die Themen Grundschulen und Mittagsbetreuungen werden wir ins Auge fassen. Und eins der großen Themen, das uns über mehrere Jahre beschäftigen wird, ist die Erweiterung und Sanierung der Mittelschule.

Letzteres gestaltet sich ein bisschen schwierig, oder?

Schwierig würde ich nicht sagen, vielleicht herausfordernd. Die Schule ist in den 1970er Jahren errichtet worden, dann hat man irgendwann in den 90ern die Musikschule obendrauf gesetzt. Uns war völlig klar, dass wir jetzt entscheiden müssen, ob man die Bausubstanz erhalten kann. Das wurde geprüft und ist so. Jetzt geht es um eine vernünftige Sanierung. Wir haben uns gegen Containerlösungen entschieden, sondern wollen gleich nachhaltig in einen Anbau investieren, um dann in Abschnitten zu sanieren. Im laufenden Betrieb ist das immer eine Herausforderung. Aber der stellen wir uns, weil es originäre Pflichtaufgabe der Kommune ist.

Was wird das Bauprojekt kosten?

Mit 25 bis 30 Millionen Euro werden wir am Ende vermutlich rechnen müssen. Das wird die langfristige Leistungskraft der Kommune natürlich berühren.

Wann ist Baubeginn?

Aktuell wird geplant. 2020 soll es mit dem Anbau losgehen.

2020 steht auch die Kommunalwahl an. Stellen Sie sich zur Wiederwahl?

Ja, ich hab viele Dinge angefangen und bewerbe mich nochmal um das Vertrauen, damit ich vieles, was ich angefangen habe, fortführen kann. Ich habe mich ja immer geziert mit der Aussage, denke aber schon, dass ich die Frage mit Ja beantworten kann. Aber am Ende entscheiden muss das die Partei. Meine persönliche Bereitschaft wäre gegeben.

sw

Lesen Sie auch: Wohnen auf dem Geretsrieder Lorenz-Areal: Beschluss sorgt für Kritik

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