174 Anrufe in vier Tagen

Frau missachtet Kontaktverbot zu Ex-Mann

Geretsried/Wolfratshausen – Der Zeuge würdigt die Frau auf der Anklagebank keines Blickes. Der Angeklagten stehen Tränen in den Augen. Der Mann (26) und die Frau (26) waren mal ein Ehepaar. Es war ein kurzes Glück.

Im Sommer 2014, nur zwei Jahre nach der Hochzeit, suchte der Ehemann das Weite, inzwischen ist die Ehe geschieden. Die Frau will das nicht wahrhaben. Schon bald nach seinem Auszug aus der ehelichen Wohnung hatte der Ehemann ein Kontaktverbot erwirkt. Das Verbot umfasste auch Telefonanrufe, SMS und E-Mails. Weil sie die Anordnungen ignorierte, wurde die 26-Jährige schon voriges Jahr zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen (1350 Euro) verurteilt. Nun musste sie sich erneut vor Gericht verantworten.

Im April vorigen Jahres hatte die Frau innerhalb von nur vier Tagen 174 Mal die Handynummer ihres Verflossenen angewählt. Damals stand die Zwangsräumung der ehelichen Wohnung an. Sie habe nur versucht, ihren Mann zu erreichen, damit der seine restlichen Sachen aus der Wohnung holt, gab die Angeklagte das Bombardement mit Anrufen zu. „Sie war sicher out of control“, untermauerte Verteidiger Ann-Charlott Wamsler die psychische Ausnahmesituation ihrer Mandantin zum damaligen Zeitpunkt. „Sie stand von heute auf morgen vor den Trümmern ihrer Ehe und hatte keine Möglichkeit, die Sache mit ihrem Mann aufzuarbeiten. Der Mann war für sie der einzige Halt.“ Richter Helmut Berger mochte das als Entschuldigung nicht gelten lassen: „Wenn es bei uns egal ist, was Gerichte sagen, können wir zusperren.“

Nach Auskunft einer Polizeibeamtin habe die Angeklagte inzwischen auch die neue Handynummer ihres geschiedenen Ehemanns ausfindig gemacht. „Sie lässt es einfach nicht“, sagte die Polizistin. „Es ist für sie nicht fassbar, dass der Mann weg ist“, mutmaßte Rechtsanwältin Wamsler. „Damit hat sie sich bis heute nicht abgefunden“, bestätigte ein Psychiater, der die Angeklagte auf ihre Schuldfähigkeit untersucht hatte. Der Gutachter attestierte der 26-Jährigen zwar „schwierige Lebensverhältnisse schon in der Jugend“. Anzeichen für Bewusstseinsstörungen habe er aber nicht ausmachen können, auch Einsichtsfähigkeit und Steuerungsfähigkeit seinen nicht eingeschränkt gewesen.

Wegen Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz verurteilte Berger die Geretsriederin zu sechs Monaten Gefängnis. Die Strafe setzte er für drei Jahre zur Bewährung aus. Der Frau empfahl er „vom Ehemann endgültig die Finger zu lassen und jede Kontaktaufnahme zu unterlassen“.

rs

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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