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Der bayerische Kabarett-König: Gerhard Polt in den Geretsrieder Ratsstuben.

PiPaPo-Kulturprogramm

Gerhard Polt: Mit genauem Blick den Zeitgeist seziert

Geretsried - Der Solo-Auftritt des bayerischen Kabarett-Königs Gerhard Polt in den Geretsrieder Ratsstuben am Sonntagvormittag – das war der Höhepunkt des PiPaPo-Kulturprogramms. Mit genauem Blick sezierte er den Kleingeist, den Zeitgeist oder einfach nur das 125-jährige Jubiläum der Feuerwehr Hausen.

„Der Polt kommt nur, wenn er wirklich will. Und zu uns wollte er.“ Das hatte Assunta Tammelleo bei der Vorstellung des PiPaPo-Kulturprogramms gesagt. Polt trat in Ratsstuben auf, doch er wäre sogar mit dem Hinterhalt zufrieden gewesen, sagt dessen Betreiberin Tammelleo. Aber da hätte man viele Fans enttäuscht – die Matinée im großen Ratsstubensaal war schon Wochen vorher ausverkauft. Der 74-Jährige spricht gerne über das, was er sieht, was ihm auffällt. Und es fällt ihm viel auf. Er lobt die Jugend, die im Edelweiß-Zelt von jedem verkauften Schnaps zehn Cent für ein Antidrogenprojekt spendet und listet in akkurater Vereinsmeiermanier auf, wie viele Brezn und halbe Hendl über den Tresen gegangen sind.

Mit einfachen Worten erklärt er, wie Psychologie funktioniert: „I muass einem Menschen so kemma, dass i des vo eam kriag, wos i wui. Und wenn i’s net kriag, hob i Pech g’habt.“ Er wundert sich über die Krankheiten, unter denen die heutigen Kinder leiden: „Früher hat’s Scharlach und Blattern geben. Jetzt ham’s alle so was, des klingt wia ADAC“.

Am ersten Advent darf ein wenig Weihnachtliches nicht fehlen. Aber Besinnlichkeit hat wohl niemand von Polt erwartet. Als Bub wurde der kleine Gerhard vom Nikolo in den Sack gesteckt und an einem Haken im Saustall aufgehängt. Noch heute plagen ihn Albträume, in denen er die Dunkelheit und Enge fühlt und ihm das hysterische Quieken der Schweine in den Ohren klingt. Als er etwas älter war und in München lebte, rächte er sich mit einer Horde anderer Jugendlicher, indem er auf verkleidete Nikoläuse des Studentenschnelldienstes losging.

Inzwischen gibt der mehrfache Großvater selbst den Heiligen Mann für die gesamte Well-Familie. Er bemühe sich, fair zu sein, sagt er, einmal ganz ohne Ironie. Als Aufpasser für Enkel „Bubi“, der in Wirklichkeit Geoffrey heißt, was Polt verächtlich wie „Geofrei“ ausspricht, bringt er diesem die deutsche Geschichte bei. Man ahnt, was der Junge sich anhören muss. Mit der herrlich derben Story vom sturzbesoffenen „Rauschgoldengel“, den seine Spezln an Heiligabend nach der Kneipentour vor seine Wohnungstür schleifen, beginnt er. „Kinder, ich glaub’ ich hab’ was gehört draußen“, kündigt die Oma den vermeintlichen Besuch des Christkinds an. Die Kleinen schauen in den Hausflur und sehen die Bescherung.

Das bayerische Lieblingsthema bildet auch das Ende des Auftritts. Mit dem „Alkoholsportler“ hat Polt die Leute schon beim Kulturherbst vor zwei Jahren zum Brüllen gebracht – damals zusammen mit den Well-Brüdern aus Biermoos. Verstärkung braucht der wandlungsfähige Schauspieler auf der Bühne aber eigentlich keine. Die keifende alte Nachbarin spricht er mit hoher Fistelstimme. Er beherrscht das Tirolerische mit dem kehligen „R“ ebenso wie das näselnde Norddeutsche. Als ein Handy im Publikum klingelt, reagiert er spontan: „Sagen’S, i bin net da.“

Nach zwei Zugaben wünscht er den Besuchern eine „schöne, pränatale Zeit“. Die lassen sich statt Plätzchen und Glühwein aber lieber die im Eintrittspreis inbegriffenen Weißwürscht beziehungsweise den Kas schmecken. Für den Stargast des PiPaPo-Festivals gibt’s eine weiße Rose von Assunta Tammelleo zum Abschied.

tal

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