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So urteilte der Richter

Mann (34) soll schwangere Freundin geschlagen haben

Geretsried – Er soll seine schwangere Freundin mit der Faust ins Gesicht geschlagen, sie an den Haaren aufs Sofa gezerrt und ihr den Unterarm gegen den Hals gedrückt haben: Deshalb musste ein Geretsrieder (34) vor Gericht.

Ein seltsames Bild bot sich der Polizistin, die am Abend des 7. Oktober vorigen Jahres gegen 22 Uhr den Vorfall im Haus der Frau in Geretsried aufnahm. „Der Mann kam uns weinend entgegen“, sagte die Beamtin in ihrer Zeugenaussage. Seine Lebensgefährtin habe in der Küche gesessen und nur gesagt, dass er sie geschlagen habe und sie ihn nicht mehr sehen wolle. „Er hat geweint und geweint und permanent geredet. Sie kam nicht einmal aus der Küche, zwei Stunden lang. Als ginge sie das alles nichts an“, ergänzte die Zeugin. „Sehr seltsam das alles.“

Ein ähnliches Bild gab das Paar vor Gericht ab: Er zeigte sich extrem mitteilungsbedürftig und emotional mitgenommen, die Frau (33) vermittelte einen gegenteiligen Eindruck. Sie stützte die Arme auf dem Zeugentisch ab, faltete die Hände und schwieg eine Weile, bevor sie die nächtliche Auseinandersetzung kurz zusammenfasste. „Er war nicht sonderlich gut gelaunt. Ich habe gespürt: Er ist auf Ärger aus“, sagte die gelernte Sozialpädagogin. Nachdem sie sich einige Beleidigungen habe anhören müssen, habe sie ihm „einen Klaps auf den Oberschenkel gegeben“, um ihm zu verstehen zu geben, dass es jetzt gut sei. Mit seiner heftigen Reaktion hatte sie allerdings nicht gerechnet. Er habe sofort angefangen zu schlagen, sie revanchierte sich mit einer Ohrfeige. Auslöser des Streits war eine SMS-Nachricht auf dem Handy der Frau, vom Vorgänger ihres Lebensgefährten.

„Ich verabscheue jede Form von Gewalt. Es hat mir psychisch nicht gut getan, über die Sache nachzudenken“, schickte der 34-Jährige seinen ausführlichen Schilderungen vor Gericht voraus, denen zu entnehmen war, dass die Nachricht auf dem Handy ihn sehr getroffen hatte. „Ich habe gefragt: ,Was soll das‘? Sie fragte zurück: ,Willst Du Ärger? Kannst Du haben.‘“ Dann habe sie sich auf ihn gestürzt. Mit Mühe habe er sie festhalten und für einen Moment beruhigen können, dann habe sie wieder um sich geschlagen. Auf dem Boden liegend habe sie mit den Fersen nach ihm getreten. Mehr als hundert Schläge und Tritte seien auf ihn eingeprasselt, sagte der Mann schluchzend. Schließlich habe er sich nicht anders zu helfen gewusst, als ihr einen Schlag zu verpassen. „Ich konnte die ganze Situation nicht verstehen“, beteuerte der Angeklagte.

Der Anregung des Gerichts, das Verfahren angesichts zweier extrem unterschiedlicher Versionen – Tatzeugen gab es nicht – eventuell mit einer Einstellung gegen Zahlung einer Geldauflage zu beenden, folgte die Staatsanwaltschaft nicht. Der Anklagevertreter beantragte eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 20 Euro, die Verteidigung plädierte auf Freispruch.

Richter Helmut Berger verurteilte den Geretsrieder zu insgesamt 60 Tagessätzen zu jeweils 40 Euro. „Er will 100 Schläge und Tritte erhalten haben und hat keinerlei Verletzungen. Das ist schwer glaubhaft“, erläuterte Berger in seiner Urteilsbegründung, warum er „große Bedenken“ bei der Erklärung des strafrechtlich bislang unbescholtenen Angeklagten habe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

rs

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