+
Der Richter ermahnte den Angeklagten, der vor Gericht so harmlos wirkte, eindringlich. 

Er hatte im Darknet illegale Geschäfte gemacht

Gericht weist Geretsrieder in Entzugsklinik ein 

  • schließen

Statt zu Haft ist ein Geretsrieder (26) zu einer mehrjährigen Therapie verurteilt worden. Das Gericht ging davon aus, dass er seine Untaten - etwa Waffenhandel im Darknet - unter dem Einfluss von Opium begangen hat. 

Geretsried/München Am Ende seines Urteils sprach der Richter Klartext. „Ich glaube, die Therapie ist Ihre letzte Chance“, sagte er zu dem Angeklagten. „Eigentlich könnten Sie mehr aus Ihrem Leben machen als mit Waffen zu handeln und Polizisten zu schlagen.“ Genau das hatte der Geretsrieder (26) nämlich getan, vermutlich unter dem Einfluss von Opium. Und das waren längst nicht die einzigen Delikte, wegen der sich der arbeitslose Account-Manager vor dem Landgericht München II verantworten musste.

Wer den gepflegten jungen Mann mit Vollbart auf der Anklagebank sitzen sah, konnte kaum glauben, was die Staatsanwaltschaft ihm alles vorwarf. Demnach soll er sich eifrig im berüchtigten Darknet getummelt haben, wo bekanntlich illegale Geschäfte aller Art abgewickelt werden. Dort verkaufte er eine halbautoamatische Waffe, die er weder besitzen noch hätte führen dürfen. Er ließ Falschgeld herstellen, um seine Sucht zu finanzieren. Und er orderte bei einem Unbekannten einen gefakten (niederländischen) Führerschein, um ihn im Bedarfsfall statt des Originals abgeben zu können. Als die Polizei ihm auf die Schliche kam, soll der erfahrene Kampfsportler bei der Festnahme einem Zivilpolizisten einen derartigen Tritt verpasst haben, dass dieser ins Krankenhaus eingeliefert werden musste und sich mehrfach übergab. In den Worten der Justiz: unerlaubter Waffenbesitz, Geldfälschung, Urkundenfälschung, gefährliche Körperverletzung.

Lesen Sie auch: Falschgeld und Pistole aus dem Darknet

Dass der Angeklagte mehr drauf hätte als eine fragwürdige Karriere als Krimineller, machte der Gutachter deutlich. Er hatte ihn in mehreren Gesprächen in Stadelheim als „überdurchschnittlich intelligent, zugänglich, differenziert und motiviert“ erlebt. Er verschwieg aber auch nicht, dass der junge Mann, der keine Berufsausbildung absolviert hat, ausgesprochen impulsiv ist und einen starken Hang zu Drogen hat. Der Gutachter erklärte es grundsätzlich für vertretbar, Paragraf 64 anzuwenden. Das heißt: Den Geretsrieder nicht in Haft, sondern in eine Entzugsklinik einzuweisen. Die Dauer, etwa in Haar: zwischen eineinhalb und zwei Jahre.

Die Staatsanwältin zeichnete in ihrem Plädoyer ein weniger schmeichelhaftes Bild. Sie verwies auf die vielen einschlägigen Vorstrafen („Das Register ist gut gefüllt“) sowie auf die diversen Straftaten aus verschiedenen Bereichen („Ein beachtliches Spektrum“). Sie attestierte dem jungen Mann eine „erhebliche kriminelle Energie“ und forderte eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten. Verteidiger Adam Ahmed machte geltend, dass sein Mandat ein volles Geständnis abgelegt habe und erklärte eine Haftstrafe von vier Jahren für angemessen. Beide Parteien sprachen sich wie der Gutachter für Paragraf 64 aus: Entzug statt Haft.

Dem folgte der Richter. Sein Schuldspruch: Vier Jahre und neun Monate Haftstrafe. Zunächst soll der Geretsrieder jedoch in Therapie gehen. Er machte in seiner Urteilsbegründung deutlich, dass er den jungen Mann für keineswegs für so harmlos hält, wie es beim Prozess den Anschein hatte. Vor allem bei der Attacke auf den Polizisten habe sich gezeigt, dass der Geretsrieder die Neigung habe, „testosterongesteuert einfach zuzuschlagen“.

Der Angeklagte will, auch um seiner Familie willen, den Klinikaufenthalt nutzen, um sein Leben in eine andere, bessere Bahn zu lenken. Das erklärte er jedenfalls in seinem letzten Wort: „Es tut mir auf alle Fälle leid, ich weiß, dass ich ein massives Problem habe“, sagte er. Und: „Ich will für meine Kinder da sein und hoffe, dass ich diese Chance bekomme.“ Diese Chance hat er jetzt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wolfratshauser Sportjugend bekommt mehr Geld
Ein Weihnachtsgeschenk für die Sportvereine: Der Ausschuss für Jugend, Kultur, Sport und Soziales erhöht die Jugendförderbeiträge für die Wolfratshauser Klubs.
Wolfratshauser Sportjugend bekommt mehr Geld
Tierheim hilft Polizei: So helfen die Beamten jetzt entlaufenen Tieren
Wichtige Übergabe: Das Geltinger Josefa-Burger-Tierheim hat der Geretsrieder und Wolfratshauser Polizei jüngst ein wichtiges Hilfsmittel überreicht. Es hilft, …
Tierheim hilft Polizei: So helfen die Beamten jetzt entlaufenen Tieren
Alpenstraße 14: So wehren sich Denkmalschützer gegen den Abriss
Der Bau- und Umweltausschuss hat dem Abriss-Bescheid des Landratsamts zugestimmt: Das ärgert 73 Bürger, die sich am Samstag am Haus an der  Alpenstraße 14 zum Protest …
Alpenstraße 14: So wehren sich Denkmalschützer gegen den Abriss
Rundgang in Wolfratshausen: Das wünschen sich die Bürger für ihre Stadt
„Stadt(ver)führung“ hieß der Bürgerbeteiligungsprozess in Wolfratshausen. Etwa 50 Bürger äußerten dabei klare Wünsche für die Innenstadt.
Rundgang in Wolfratshausen: Das wünschen sich die Bürger für ihre Stadt

Kommentare