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Über zwei Promille Alkohol im Blut

Sturz vom Radl kostet Betrunkenen 3600 Euro Strafe

Geretsried – Ein Geretsrieder (55) ist wegen Trunkenheit im Verkehr zu 3600 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Er war mit über zwei Promille Alkohol im Blut mit dem Radl in der Nähe der Herglotz-Kreuzung gestürzt.

Der Richter lässt sich ungern einen Bären aufbinden. Und die Geschichte, die ihm der Angeklagte auftischen will, riecht gewaltig danach, dass geschwindelt wird. „Das ist doch völliger Blödsinn“, lässt er den 55 Jahre alten Geretsrieder wissen, was er von dessen Version des Unfallhergangs hält. Es geht in dieser Gerichtsverhandlung um Trunkenheit im Verkehr.

Am 11. Februar dieses Jahres war der arbeitslose Kfz-Mechaniker gegen 20.50 Uhr mit seinem Fahrrad nahe der so genannten Herglotzkreuzung an der Sudetenstraße/Richard-Wagner-Straße gestürzt – mit rund zwei Promille Alkohol im Blut. Vor Gericht bestritt der Mann allerdings, mit dem Fahrrad gefahren zu sein. Das wäre erstens wegen eines Bandscheibenvorfalls schon ein Problem und zweitens wegen des Alkohols nahezu unmöglich gewesen. Den habe er gegen die Schmerzen in Bein und Rückgen getrunken. „Das Radl hatte ich nur dabei, um die Einkaufstüten anhängen zu können“, erläuterte der Angeklagte. „Dann bin ich am Gehsteig hängen geblieben, deshalb hat’s mich geschmissen.“

Er fiel auf den Kopf und blieb bewusstlos auf der Straße liegen (wir berichteten). Das bestätigte eine Zeugin (25), die „beim Abbiegen aus dem Augenwinkel jemanden stürzen gesehen“ hatte. „Der Mann war nicht ansprechbar und roch stark nach Alkohol“, erzählte die Frau. Was sie ergänzte, war für das Gericht entscheidend bei der Urteilsfindung: „Er lag da, mit dem Radl zwischen den Beinen.“ Damit sah es schlecht aus für den Angeklagten.

„Natürlich sind sie gefahren“, sagte Richter Helmut Berger in seiner Urteilsbegründung. „Das Rad lag nicht unter, nicht neben und nicht auf Ihnen, sondern zwischen Ihren Beinen. Wer schiebt sein Rad zwischen den Beinen?“, fragte Berger. Er gab selbst die Antwort: „niemand“. Ein weiteres Indiz, dass der Mann nach Meinung des Staatsanwalts und des Gerichts kräftig flunkerte, war die Tatsache, dass am Unfallort weit und breit keine Einkaufstaschen herumlagen. „Die hatte ich doch deponiert“, erklärte der Beschuldigte noch – vergeblich.

Richter Berger verurteilte den Geretsrieder zu 120 Tagessätzen zu je 30 Euro. „Gerade noch einmal Geldstrafe“, sagte Berger. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung, beantragt, weil der Mann bei den vorigen zwei seiner insgesamt fünf Auftritte vor Gericht bereits wegen Trunkenheit am Fahrradlenker zu Geldstrafen verurteilt worden war.

von Rudi Stallein

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