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Das Poesiealbum von Robbi Waks: Dieses Zeitzeugnis stellt die Stadt Geretsried als Dauerleihgabe für die geplante Ausstellung im Badehaus Waldram-Föhrenwald zur Verfügung. Das Foto zeigt Projektleiterin Dr. Sybille Krafft mit Bürgermeister Michael Müller und Friedrich Schumacher (li.) vom Arbeitskreis Historisches Geretsried.

Stadt und Arbeitskreis Historisches Geretsried unterstützen Badehaus-Projekt in Waldram

Historischer Schulterschluss

Geretsried/Wolfratshausen - Die historischen Vereine beider Städte wollen bei der Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte eng zusammenarbeiten. Das wurde bei einem Treffen in Geretsried bekräftigt.

Es war nicht nur eine herzliche, sondern auch historisch bedeutsame Begegnung, die kürzlich im Geretsrieder Rathaus stattfand. Schulter an Schulter zeigten Dr. Sybille Krafft vom Historischen Verein Wolfratshausen und Martin Walter vom Arbeitskreis Historisches Geretsried (AHG) ihre Entschlossenheit, bei der Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte der beiden Städte eng zusammenzuarbeiten. Als Beleg dafür übergab Walter wertvolle Baupläne von Gebäuden im Lager Föhrenwald (heute Waldram) an Krafft – verbunden mit der Beitrittserklärung des AHG zum Verein „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“.

Stadt überreicht Poesiealbum eines ehemaligen Lager-Bewohners

Die Zusammenarbeit zwischen Geretsried und Wolfratshausen ist dank der guten Beziehungen der beiden historischen Vereine und auch dank des großen Interesses von Bürgermeister Michael Müller und Anita Zwicknagl, verantwortlich im Kulturamt für das Museum, frei von jeglichem Konkurrenzdenken. Im vergangenen Jahr wurde im Geretsrieder Museum die vom Historischen Verein Wolfratshausen konzipierte Wanderausstellung „Wir Kinder vom Lager Föhrenwald“ gezeigt. Zur Eröffnung kam als Zeitzeuge der israelische Historiker Robbi Waks. Er lebte als Kind einige Jahre mit seiner Familie im Lager Föhrenwald und übergab der Stadt Geretsried ein Poesiealbum aus dieser Zeit. Dieses überreichte Zwicknagl nun als Dauerleihgabe an Krafft. Es soll nach Abschluss der Sanierung in der geplanten Ausstellung im Badehaus Waldram-Föhrenwald gezeigt werden.

Anita Zwicknagl regt Museumsverbund an

Zwicknagl stellte zudem die Übergabe einer Werkzeugkiste aus der Zeit der Rüstungsbetriebe in Aussicht. Weiter schlug sie vor, aus dem Museum Geretsried und dem Dokumentationszentrum in Waldram eine Art Museumsverbund zu bilden – eine Idee, die bei Bürgermeister Müller auf Wohlwollen stieß. Auf seinen Antrag hin war die Stadt Geretsried auch Mitglied im Verein Bürger fürs Badehaus geworden, als eine der wenigen Kommunen neben der Stadt Penzberg und der Gemeinde Berg. Wolfratshausen, das bestätigte Krafft auf Nachfrage, ist dem Verein noch nicht beigetreten. An weiteren Mitgliedschaften von Städten und Gemeinden sei man natürlich sehr interessiert.

Ortsteil Waldram sollte ursprünglich Geretsried zugeschlagen werden

Friedrich Schumacher und Martin Walter vom Arbeitskreis Historisches Geretsried berichteten über neue Erkenntnisse zur engen geschichtlichen Verbindung der beiden Städte. Ohne die Rüstungsbetriebe in Geretsried hätte es das Lager Föhrenwald und damit auch das Badehaus in Waldram nie gegeben. Fast gleichzeitig existierte im Geretsrieder Ortsteil Stein von 1947 bis 1950 ein „Lager für heimatlose Ausländer“ mit rund 600 Bewohnern, zahlreichen Sportvereinen und sogar einer Schule für Stotterer. Aufgrund dieser Verbindung sollte das Lager Föhrenwald, also das heutige Waldram, ursprünglich Geretsried zugeschlagen werden. Weil Wolfratshausen als Stadt dadurch wenig räumliche Entwicklungsmöglichkeiten gehabt hätte, wurde Waldram 1949 in die Loisachstadt eingemeindet.

Bürgermeister Müller nannte die Pressekonferenz am Freitag die „wohl lehrreichste“ seiner bisherigen Amtszeit und bedankte sich bei den Aktiven der beiden historischen Vereine. Unterstützt von Zwicknagl, die ein jährliches Symposium zum Austausch zwischen den beiden Vereinen anregte, beteuerten alle Beteiligten, sich weiterhin für die Aufarbeitung der so besonderen gemeinsamen Geschichte der beiden Städte einzusetzen.

Assunta Tammelleo

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