Ein Mann wirbelt mit einem Laubbläser Blätter auf.
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Sie machen mächtig Wirbel: Laubbläser und -sauger sind umstritten, aber in manchen Bereichenunentbehrlich.

Wenn im Herbst die Blätter fallen

Getöse um das Gebläse: Städte setzen auf leisere Geräte

Laubbläser und -sauger sind umstritten, aber in manchen Bereichen unentbehrlich. Zumindest die Städte setzen auf leisere Geräte. Naturschützer fordern einen Verzicht.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Es gibt nichts Schöneres, als in dieser Jahreszeit durch das raschelnde Laub zu laufen. Doch würden all die Blätter, die im Moment von den Bäumen fallen, auf den öffentlichen Wegen liegen bleiben, könnte das gefährlich werden. Bei Nässe kann man als Fußgänger oder Radfahrer leicht darauf ausrutschen –, und dann müssten Städte und Gemeinden unter Umständen haften. Deshalb sind in diesen Wochen wieder die Mitarbeiter der Bauhöfe mit ihren Laubbläsern unterwegs.

Im öffentlichen Bereich hat ein Umdenken eingesetzt. Die lärmenden, motorbetriebenen Geräte werden zunehmend durch leisere, elektrisch betriebene Bläser mit Akku ersetzt. Insgesamt würden sie sparsam verwendet, so die Auskunft der Städte Geretsried und Wolfratshausen.

Bund Naturschutz fordert Verzicht

Die Naturschutzverbände wünschen sich, dass Hausverwaltungen und Privatleute dem Trend hin zu umweltfreundlicheren Methoden des Laubsammelns folgen. So bittet der Bund Naturschutz (BN) in einer Pressemitteilung Gartenbesitzer darum, Laub doch liegen zu lassen oder Laubhaufen zu bilden, damit beispielsweise Igel darunter ein Winterquartier finden können (siehe Kasten). Die Laubbläser würden bestehende Quartiere zerstören oder Igel und andere Tiere durch den Lärm vertreiben, schreibt die BN-Kreisgruppe.

„Ohne Schutzmaske sollte ein Laubbläser nicht verwendet werden“

Deren Vorsitzender Friedl Krönauer erklärt, dass durch Laubbläser der Lebensraum vieler Insekten und damit die Nahrung von Vögeln verloren gehe: „Unter den Blättern finden Tiere Schutz“. Er regt an, dass grundsätzlich überlegt wird, wo und ob der Einsatz des Laubbläsers wirklich notwendig sei. Zumal nicht nur Tiere beeinträchtigt würden, sondern auch Menschen – zum einen aufgrund des Geräuschpegels, zum anderen durch ausgestoßene Abgase bei den mit Motoren betriebenen Geräten. Auch würden Pilzsporen und andere kleine Teile aufgewirbelt, die derjenige, der das Gerät bediene, ganz besonders abbekomme. Krönauer: „Ohne Schutzmaske sollte ein Laubbläser nicht verwendet werden.“

Trend geht zum Akku-Laubbläser

Doch auf dem Laubbläser-Sektor hat sich tatsächlich einiges getan in den vergangenen Jahren, wie Christian Kerndl, Marktleiter vom Hagebaumarkt in Bad Tölz erklärt. Der Trend gehe klar weg von den motorbetriebenen Bläsern zu jenen, die mit Akku liefen. „Die Lärmbelästigung ist geringer, es gibt keine Abgase, und man muss nicht immer Betriebsmittel mitführen“, sagt Kerndl. Die Nachfrage nach Elektro-Bläsern sei in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Das liege unter anderem an den Konzepten der Hersteller. So könne beispielsweise bei manchen Marken ein und derselbe Akku im Laubbläser, in der elektrischen Heckenschere und in weiteren Geräten eingesetzt werden. Aber auch der gute, alte Laubrechen habe längst nicht ausgedient. „In Kleingärten braucht man keinen Laubbläser, da ist immer ein Rechen nötig“, so Kerndl. Viele Hausmeister-Services würden auf den „XXL-Rechen“ zurückgreifen. Damit sei man schneller als mit Gebläse. Auch könne der Laubbläser nur bei trockenen Blättern verwendet werden.

So hilf man Igeln durch den Winter

„Es bricht mir jedes Mal fast das Herz, wenn ich die Laubbläser und -sauger in Aktion sehe und höre“, sagt Beatrice Wagner vom Bund Naturschutz. „Das Laub wird als Feind betrachtet, und dabei ist es doch ein Segen.“ Denn wenn das Laub an Ort und Stelle verrottet, können sich Bäume und Büsche die Nährstoffe zurückholen. Über das Laub freuen sich zudem Tiere, die ein Winterlager benötigen – etwa der Igel. In diesem Zusammenhang gibt der Bund Naturschutz folgende Tipps:

• Übertriebene Ordnung schadet. Gönnen Sie den Tieren im Garten ein paar wilde Ecken zum Überwintern. Lassen Sie dort Blätter und auch Zweige als Reisighaufen liegen.

• Wenn Sie ein Igelhäuschen besitzen, bitte immer Nistmaterial (trockene Blätter, kleine Äste, Unkraut) in die Nähe legen. Wenn Igel kein Nistmaterial finden, bauen sie kein Nest.

• Verzichten Sie auf Laubbläser und -sauger. Hiermit wird martialisch in einen natürlichen Kreislauf des Lebens eingegriffen, was zudem die Nachbarn stört und die Tierwelt in Stress versetzt.

• Laub ist nur auf den Gehwegen gefährlich, wenn es nass und rutschig wird. Von dort lässt es sich leicht mit dem Rechen entfernen. Damit tun Sie auch Ihrer Gesundheit etwas Gutes.

• Weggefegtes Laub kann als Frostschutz für Blumenbeete genutzt werden. vu

Im waldreichen Geretsried kann man auf die umstrittenen Lärmverursacher kaum verzichten. Wie Pressesprecher Thomas Loibl mitteilt, hat die Stadt aber mittlerweile zusätzlich zu den fünf Motorbläsern mit stärkerer Leistung für größere Mengen an Laub fünf leisere Akku-Bläser für kleinere Flächen angeschafft. Sie kommen auf den Geh- und Radwegen zum Einsatz, die größtenteils mitten durch den Stadtwald führen, auf den öffentlichen Plätzen, an Bushaltestellen und in Parkbuchten. Selbst Blumenwiesen werden von herumliegenden Blättern befreit. „Der Boden wird sonst zu nährstoffreich“, erklärt Loibl.

Stadt Geretsried erinnert an Verordnung

Beschwerden gebe es kaum. Die Mehrzahl der Bürger sehe, dass die Mengen an Laub und Schmutz nicht alleine von der Kehrmaschine entsorgt werden könnten. Auch an unzugänglicheren Stellen, wie zwischen parkenden Autos am Straßenrand, müssten die Bläser zum Einsatz kommen. Die Stadt Geretsried verweist darauf, dass private Laubbläser-Arbeiten laut der Verordnung über ruhestörende Haus- und Gartenarbeiten (einsehbar auf der Homepage der Stadt) werktags von 17 bis 9 Uhr sowie von 12 bis 15 Uhr und sonntags ganz verboten sind.

Die Stadt Wolfratshausen benutzt nach Auskunft von Baubetriebshofleiter Matthias Schmidberger ausschließlich Akku-Geräte. Mit ihnen werde das Laub aus Engstellen herausgeblasen und anschließend zusammengerecht. Alleine mit Rechen käme man auf Grünflächen wie der alten Floßlände oder Am Wasen mit seinen großen Bäumen aber nicht aus, so Schmidberger. Auch die Wege im Bergwald müssten regelmäßig frei gemacht werden, weil sie teilweise der Entwässerung dienten. Insgesamt, so sagt der Bauhofleiter, würden die Bläser „sehr sparsam eingesetzt“.

Eine neue Form der Lärmbelästigung

Laut Anita Ziegltrum vom Ordnungsamt gibt es kaum Klagen seitens der Bürger wegen der öffentlichen Laubbläserei. „Beschwerden erreichen uns eher im privaten Bereich, aber auch das hat nachgelassen in den vergangenen Jahren“, so Ziegltrum. Seit Beginn der Corona-Pandemie störten sich die Wolfratshauser an einer anderen Art der Lärmbelästigung: lautstarken Video- und Telefonkonferenzen auf den Balkonen.

Tanja Lühr

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