Über den „ganz anderen König“ denkt Eva Buchner nach.

Gott und die Welt

Der ganz andere König

In der Woche vor Ostern macht sich Eva Buchner, katholische Dekanats-Altenheim-Seelsorgerin in Geretsried, Gedanken zum Palmsonntag.

Eva Buchner ist  katholische Dekanats-Altenheim-Seelsorgerin in Geretsried.

Geretsried – Mit dem Palmsonntag beginnt für uns Christen die Karwoche, in der wir in besonderer Weise des Leidenswegs Jesu Christi gedenken. Dieser Weg fängt mit Jesu Einzug in Jerusalem an. Aber wie sonderbar verhält es sich mit diesem Einzug der ganz anderen Art? Für die Bürger des Römischen Reiches waren Paraden großer Feldherren und Imperatoren keine Seltenheit, dienten sie doch als Machtdemonstration des jeweiligen Herrschers. Eskortiert von bewaffneten Reitern in glänzenden Rüstungen, lösten die Imperatoren gleichermaßen Furcht und ehrfürchtige Begeisterung aus. Damals wie heute erwarten Staatsmänner und -frauen, dass sie ehrerbietig empfangen werden. Dass man zu ihrem Empfang einen roten Teppich ausrollt und die Staatshymne intoniert. Dabei werden sie auch heute eskortiert und gelangen, abgeschirmt vom gewöhnlichen Volk, sicher an ihr Ziel.

Das Fest der Befreiung aus ägyptischer Gefangenschaft

Wie grotesk und zugleich wohltuend nimmt sich, vor diesem Hintergrund, der Einzug Jesu in Jerusalem aus. Er kommt als ganz einfacher Mann, ohne Glanz und Glamour, nach Jerusalem, um wie alle seine jüdischen Mitbrüder Pascha zu feiern, nicht um sich feiern zu lassen. Er kommt ohne Leibgarde, ohne Sicherheitskräfte, unbewaffnet. Er kommt unscheinbar, fast armselig auf einem Esel geritten. Er ist da, um mit den Freunden das Fest der Errettung aus Unterdrückung und Sklaverei, das Fest der Befreiung aus ägyptischer Gefangenschaft zu feiern.

Palmsonntag und Ostern sollen den Blick schärfen

An einem Tiefpunkt der jüdischen Kultur will er an diesem Tag, wider alle Hoffnung, feiern, dass Gott sein Volk nicht vergisst. Er will ein friedliches und doch für die Israeliten vertrautes Zeichen der Hoffnung setzen. Der Gott, in dessen Auftrag er lehrt und handelt, ist seinem Volk treu. Seine Macht ist nicht erkauft durch Gewalt und Gräueltaten – wie die der Herrscher seiner Zeit. Er ist die heil machende und lebensspendende Kraft, die ihm ohne alle Zeichen von äußerer Macht göttliche Würde verleiht. So ist es das große Heer der kleinen entrechteten Leute, die ihm an diesem Tag huldigen. Weil er ihnen wieder neuen Lebensmut und neues Ansehen geschenkt hat. Es sind die Blinden und Lahmen, vom Aussatz geplagten, die Armen von Gesellschaft und Staat Geächteten, die sich nicht mehr von Äußerlichkeiten blenden lassen wollen, die ihn jetzt als ihren König feiern.

So könnte jeder Palmsonntag und jedes Osterfest dazu beitragen, unseren Blick zu schärfen für den wahren König der Welt. So kann Christus auch in unserer Zeit zum Hoffnungsträger werden, denn seine Botschaft überdauerte Jahrtausende, und jeder Christ könnte auf seinem Platz in der Welt für ein wenig mehr Heil und Heilung, Frieden und Leben stehen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Achtung, nicht wackeln! 
Geretsried hat jetzt einen Bewegungsparcours. Wie er funktioniert, aus welchen Geräten er besteht und wie diese zu nutzen sind, stellen wir in unserer Serie „Beweg’ …
Achtung, nicht wackeln! 
Geretsrieder Friedhofskreuzung teilweise gesperrt
Wer von der Tattenkofener Brücke zum Kreisverkehr an der B 11 oder in die andere Richtung fahren möchte, muss derzeit eine Umleitung über die Geretsrieder Sudetenstraße …
Geretsrieder Friedhofskreuzung teilweise gesperrt
Bitte einsteigen: Aus Geretsried fährt wieder ein Zug
Zum vierten Mal heißt es am Samstag, 14. Oktober: „Geretsried fährt Bahn“. Diesmal führt der Tagesausflug in die Fuggerstadt Augsburg.
Bitte einsteigen: Aus Geretsried fährt wieder ein Zug
Imkerverein fragt: Ist bienenfreundliche Landwirtschaft noch möglich?
„Ist eine bienenfreundliche Landwirtschaft noch möglich?“ Das war das Thema einer Veranstaltung des Imkervereins Otterfing und Umgebung, dessen Mitglieder in erster …
Imkerverein fragt: Ist bienenfreundliche Landwirtschaft noch möglich?

Kommentare