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In der Serie „Gott und die Welt“ macht sich diesmal Georg Bücheler, evangelischer Pfarrer in Geretsried, Gedanken zur Friedensbewegung. 

Gott und die Welt

Wenn sie uns nicht träumen lassen, lassen wir sie nicht schlafen

In der Serie „Gott und die Welt“ macht sich diesmal Georg Bücheler, evangelischer Pfarrer in Geretsried, Gedanken zur Friedensbewegung. 

Geretsried – „Si no nos dejan soñar, no les dejaremos dormir!“ – Wenn sie uns nicht träumen lassen, lassen wir sie nicht schlafen! Dieser berühmte spanische Protestschriftzug war auch dieses Jahr bei den Oster-Friedensmärschen in deutschen Städten zu lesen. Die Friedensbewegung steht in einer Veränderungsphase. Viele Friedensinitiativen haben sich aufgelöst. In deutschen Städten treten inzwischen mit dem Symbol der weißen Taube auf blauem Hintergrund – dem Symbol der Friedensbewegung – Personenbündnisse von Pegida-, AfD- und NPD-Anhängern als neurechte Aktivisten auf.

Gegenseitig ermutigen, die Stimme zu erheben

Georg Bücheler:  Evangelischer Pfarrer in Geretsried

Aber Krisensituationen sind nicht dafür da, kleinlaut beizugeben. Tausende Menschen auf Friedenskundgebungen haben es uns auch dieses Jahr vorgelebt. Ermutigen wir uns gegenseitig dazu, die Stimme zu erheben, nicht die Augen zu verschließen vor den leidvollen Ereignissen weltweit. Noch mehr geht es mir darum, gegen jede Form von Macht- und Rachegelüsten und Verrohung einzutreten, im gesellschaftlichen und auch im privaten Bereich. Das christliche Osterfest als Zeichen des Sieges des Lebens über den Tod und jedes todbringende Verhalten ist ein Aufruf an die Menschen bei uns vor Ort, in Europa und weltweit: Es lohnt sich, alles für einen gerechten Frieden zu tun. Doch sehe ich mit zunehmender Sorge, und dennoch mit kämpferischem Mut, auf die anstehenden Wahlen in Deutschland und Europa. Denn alle, gleich ob Parteien oder Einzelpolitiker, spielen nur auf Sieg. Diese Einstellung mag strategisch sinnvoll sein, die angewandten Methoden für den Sieg werden aber zahlreich missbraucht. Übrig bleibt der erreichte Sieg, aber auch eine „vergiftete Welt“. Nicht nur die USA, Frankreich oder die Türkei, auch unsere Gesellschaft befindet sich in einer Selbstvergiftung.

Widerstand gegen eine Politik des Hasses

Widerstand ist angesagt gegen eine Politik der Ausgrenzung und des Hasses, der Wut und Hetze gegen „die Anderen“. Ich nehme wahr, wie Politiker zunehmend „die finstersten Instinkte der menschlichen Natur“ ansprechen, um Stimmung gegen Andersdenkende zu machen. Es darf der Grundsatz nicht gelten: Recht hat, wer Erfolg hat. Gut ist, was laut ist. Ich bin mir sicher, mit den bevorstehenden Wahlen werden die Fronten sich verhärten, der Umgangston wird schärfer, Positionen stehen sich unversöhnlich gegenüber. Und in Nachahmung der „großen und kleinen Politiker“ werden auch Bürger noch gezielter Reizwörter einsetzen, um dem Gegner das Wort abzuschneiden oder Einigkeit im Einfachen unter Gleichgesinnten zu finden.

Die Ostertage sind zwar vorüber, doch hoffe ich auf einen möglichst langen österlichen Nachhall: Wir brauchen überall und auch bei uns vor Ort couragierte Stimmen, die sich gegen Unrecht, Verrohung und Vereinfachung zu Wort melden.

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