+
Was bringt das Jahr? Diakon Michael Baindl rät dazu, nach vorne zu schauen.

Gott und die Welt 

Unsere Welt, ein kostbares Geschenk

Geretsried - Nur wenige Wochen sind im neuen Jahr vergangen. Noch wissen wir nicht, was in diesem Jahr auf uns zukommen wird. Blicken wir sorgenvoll oder eher zuversichtlich in das neue Jahr? Werden wir diese neue geschenkte Zeit nur verwalten, oder trauen wir uns letztendlich auch, sie zu gestalten?

Ich erinnere mich noch sehr genau an ein Gespräch, das ich vor ein paar Wochen mit einem jungen Mann geführt habe. Er sagte zu mir: „Unser Leben und alles, was darin geschieht, ist doch eh vorherbestimmt von Gott.“ Mir ging dieses Gespräch noch lange nach und beschäftigte mich sehr. Es ist ja nicht so, dass ich diese Aussage nicht schon öfter gehört hätte. Aber bis dahin noch nie aus dem Mund eines noch sehr jungen Menschen. Sollte es so sein (was ich mir nicht im Entferntesten vorzustellen vermag): Was wäre das nur für ein Leben? Die Verantwortung für mein Handeln könnte ich getrost Gottes großem Plan in die Schuhe schieben. Schuld wäre ja nun er, wenn mein Leben nicht so verläuft, wie ich es mir vorgestellt habe. Was natürlich sicherlich sehr bequem wäre. Gott würde uns Menschen nur noch zu Marionetten degradieren, deren Fäden er in seinen Händen hält: Ein Gottesbild, das für mich unvorstellbar ist.

Michael Baindl Katholischer Diakon aus Geretsried

Ganz im Gegenteil glaube ich fest daran, dass wir dieses neue Jahr und die darin für uns bereitgestellte Zeit als Chance in die Hände gelegt bekommen haben. Jetzt können wir natürlich zurückblicken und bedauern, was im letzten Jahr nicht so gelaufen ist, und uns nicht davon lähmen lassen. Oder wir schauen nach vorne und nutzen unsere Fähigkeiten, diese unsere Welt zu einem menschenwürdigeren Platz werden zu lassen.

Machen wir es nicht wie der Mann im Zugabteil, der bei jeder Station aus dem Abteilfenster blickt und laut stöhnt? Der Fahrgast, der ihm gegenübersitzt, fragt ihn nach dem dritten Mal, ob ihm denn etwas fehle und ob er Schmerzen habe. „Nein“, sagt dieser, „ich hätte nur vor drei Stationen aussteigen müssen, aber hier im Zug ist es so schön warm.“

Duschen, aber dabei nicht nass werden: Das geht (noch) nicht! Unsere Welt wurde uns als kostbares Geschenk anvertraut. Wir wissen im Grunde doch alle, wie man mit einem kostbaren Geschenk umgeht: Vorsichtig und mit der nötigen Achtung vor dem, der uns dieses Geschenk gemacht hat. Ein neues Jahr lädt uns dazu ein, mit Herz und Verstand unsere Zeit, unsere Welt zu gestalten. Als Mensch, der von Gott ernst genommen wird und nicht ferngesteuert. Ich glaube, nicht umsonst haben wir Menschen so viele Fähigkeiten auf unseren Lebensweg mitbekommen. Nutzen wir sie!

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Gedenkstein zu Ehren von Pfarrer Franz Seraph Bierprigl
„Er war ein Unikum“, sagt Josef Neumeier über Pfarrer Franz Seraph Bierprigl. Neumeier war Ministrant bei dem überaus beliebten Seelsorger und ist heute Mitglied des …
Gedenkstein zu Ehren von Pfarrer Franz Seraph Bierprigl
Flößerfilm schwimmt auf Erfolgswelle
Den Stein ins Rollen brachte Gabriele Rüth, Vorsitzende des Vereins Flößerstraße. Zunächst war der Drehbuchautor und Regisseur Walter Steffen von ihrer Idee, einen …
Flößerfilm schwimmt auf Erfolgswelle
Dietramszell feiert ohne Ende
1200 Jahre: So lange gibt es Steingau und Erlach schon. Das ist ein guter Grund, um in Dietramszell nach dem Gaufest weiterzufeiern. 
Dietramszell feiert ohne Ende
Landkreis verbietet Bootfahren auf der Isar
Das Landratsamt hat eine Allgemeinverfügung erlassen, die das Bootfahren auf der Isar ab Samstag bis auf Weiteres verbietet. Es besteht Lebensgefahr.
Landkreis verbietet Bootfahren auf der Isar

Kommentare