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Gott und die Welt

Maßlos – Brot und Spiele

In der Serie „Gott und die Welt“ macht sich diesmal Georg März, katholischer Pfarrer in Geretsried, Gedanken zum richtigen Maß.

Geretsried – Endlich ist sie wieder vorbei – die fußballfreie Zeit. Seit vergangenem Freitag rollt der Ball in der Bundesliga wieder. Bei all der Freude an und über schöne Spiele und torreiche Partien – hier oute ich mich als Fan – stimmt mich manche Entwicklung nachdenklich. Angesichts der Zahlen der jüngsten Transfers scheint dem Fußball jegliches Augenmaß verloren gegangen zu sein. Neymar mag ein großartiger Fußballer sein, aber das rechtfertigt nicht solche Summen.

Was ist ein Mensch wert? 

Natürlich weiß ich, dass die Laufbahn eines Fußballers begrenzt ist und er auch für die Zeit danach mitverdienen muss, aber es stellt sich schon die Frage, was ein Mensch wert ist. Ist er deshalb wertvoll, weil er besondere Fähigkeiten hat und mehr leisten kann als andere? Solche Summen erzeugen Erwartungen, die manchen motivieren, viele aber auch lähmen und blockieren können. Dann macht schnell das Wort einer Fehlinvestition die Runde. 

„Jeder Arbeiter ist seinen Lohn wert“, so lesen wir im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Den Wert eines Menschen bestimmen aber leider seine Leistungsfähigkeit und sein Nutzen. Wer als „Kostenfaktor“ betrachtet wird, wer nichts einbringt, der hat es schwer, sein Dasein zu rechtfertigen.

Das rechte Maß nicht aus den Augen lassen

Georg März:  Katholischer Pfarrer in Geretsried

So ergeht es zur Zeit zum Beispiel den Flüchtlingen, die in ihrer großen Verzweiflung die Flucht über das Meer wagen und immer wieder in schwere See geraten. Als die ersten Ertrunkenen an Land gespült wurden, war zunächst der Aufschrei groß, zumal wenn Kinder unter den Opfern waren. Heute stellt ein solches Ereignis eher eine Randnotiz in den Nachrichten dar. Ähnliche Beobachtungen lassen sich auch im Umgang mit alten, kranken oder behinderten Menschen machen. Wenn in den Medien über unwürdige Zustände in einer Einrichtung berichtet wird, ist die Empörung kurze Zeit groß, aber wieder schnell vergessen, ohne dass sich wirklich etwas zum Besseren ändern würde.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ lesen wir in Artikel 1 unserer Verfassung. Was die Verfasser des Grundgesetzes unter den Eindrücken der Kriegsgräuel formuliert haben, in der Hoffnung, dass sich menschenverachtende Zustände in Deutschland nicht mehr wiederholen sollten, droht in Vergessenheit zu geraten.

Kehren wir zum Ausgangsgedanken zurück: Jeder soll bekommen, was seiner Leistung angemessen ist oder der Markt hergibt, aber lassen wir dabei das rechte Maß nicht aus den Augen.

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