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Gott und die Welt

„Verleih mir ein hörendes Herz“

In der Serie „Gott und die Welt“ macht sich diesmal Eva Buchner, Katholische Dekanats-Altenheim-Seelsorgerin in Geretsried, Gedanken.

Am kommenden Sonntag führt uns die Lesung aus dem Alten Testament zurück in die Regierungszeit König Salomos. Doch welche Eigenschaft machte ihn, weit über die Grenzen Israels, bis in unsere Zeit so bekannt?

Der noch sehr junge Herrscher spürt ganz deutlich die große Verantwortung, die dieses Amt mit sich bringt. Ihn bewegt bis in seine Träume hinein eine Frage: Was braucht es, um ein guter Regent zu sein, um solch ein fragiles Staatsgebilde, bestehend aus zwölf unterschiedlichen Stämmen, zu regieren? So hört sich Salomo im Traum, diese Bitte an Gott aussprechen: „Verleih mir ein hörendes Herz!“

Lassen wir uns nicht oft zu leicht beeindrucken?

Eva Buchner: Katholische Dekanats-Altenheim-Seelsorgerin in Geretsried.

Ist es nicht häufig so, dass wir uns zu leicht von Menschen beeindrucken lassen, die sich sehr schnell, mit einer großen Redegewandtheit und vor allem lautstark zu Wort melden? Doch wie schnell kann eine unvorsichtige, unüberlegte Äußerung zu Unstimmigkeiten führen. Aber was soll diese seltsame Bitte des Herrschers für uns heute bedeuten? Ist das „Aufeinander-Hören“ und für den Anderen ein offenes Ohr haben nicht schon schwierig genug? Und außerdem ist ein hörendes Herz doch rein anatomisch eine Unmöglichkeit. Vielleicht gelingt es uns in den kommenden Ferien- und Urlaubstagen, dieser Bitte König Salomos, auch für uns, ein wenig mehr auf die Spur zu kommen. Was hindert uns, die Geschwindigkeit – die normalerweise unseren Alltag bestimmt – einmal ganz bewusst herauszunehmen?

Wenn in diesen Tagen viele Menschen vom Arbeitsstress ungebremst in den Urlaubsstress verfallen und diese kostbaren Tage möglichst bis zur letzten Minute schon im Voraus durchgetaktet haben, möchte ich Sie zu einer ganz anderen Art Reise ermutigen – einer Reise, bei der man eben dieses hörende Herz selber erfahren kann. Wenn wir einmal nicht mit Kopfhörer und künstlicher Beschallung durch die Isarauen joggen, sondern wieder die Unterschiedlichkeit der Naturgeräusche über das Ohr in unsere Seele dringen lassen. Wir könnten in diesem himmlischen Konzert die unterschiedlichsten Vogelstimmen hören und den Wind, der die Blätter von Bäumen und Sträuchern zum Rauschen bringt – mal gewaltig, mal ganz leise. Von dieser Kraft erfüllt und mit einem Blick für die Größe Gottes könnten wir ganz anders in unseren Tag gehen.

Auf eine Zeitreise mitnehmen lassen

Vielleicht lassen Sie sich aber auch einmal auf eine Zeitreise mitnehmen. Das ist gar nicht so schwer: Wir bräuchten uns nur zu einem älteren Menschen setzen und uns erzählen lassen. In den Einrichtungen, in denen ich tätig bin, höre ich häufig solch spannende Lebensromane. Vielleicht erkennen wir dann auch den roten Faden im Leben dieses Menschen. Immer wieder scheint für mich dann Gottes Begleitung durch ein Menschenleben hindurch. Spannend und aufregend kann eine solche Reise für den Zuhörer sein! König Salomo war ein kluger und großer König. Tun wir es ihm gleich: Bitten auch wir um ein hörendes Herz. Zumindest jetzt, in den kommenden Urlaubs- oder Ferientagen.

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