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Gott und die Welt

Wie und wo kann ich Gott begegnen?

In der neuen Folge von „Gott und die Welt“ macht sich Michael Baindl, katholischer Diakon in Geretsried, Gedanken.

Geretsried – Zuerst einmal glaube ich, dass in den meisten Menschen eine tiefe Sehnsucht nach Sinn und Geborgenheit schlummert. So manch ein Mann oder eine Frau sucht ein Leben lang genau danach. Dabei gehören unsere Kirchen immer weniger zu den Orten, wo diese Suche stattfindet. Woran könnte das liegen?

Wenn ich mit jungen Menschen darüber rede, höre ich oft, dass sie schon an eine höhere Macht – ja, nennen wir sie „Gott“ – glauben. Mit den althergebrachten Traditionen und Riten aber können sie nichts mehr anfangen. Als Seelsorger stehe ich nun also immer wieder von Neuem vor der Herausforderung, das Wirken Gottes in unsere Zeit hinein zu deuten, und das eben in einer Sprache, die mein Gegenüber auch verstehen kann.

Niederlagen bleiben nicht aus

So manches Mal gelingt das sehr gut, aber auch Niederlagen bleiben in diesem Bemühen da nicht aus. Um in den Worten von Industrie und Wirtschaft zu sprechen: Wir haben ein „super Produkt“, können es aber nicht an den Mann/an die Frau bringen. Vielleicht liegt es auch an unserer Verpackung, die dieses Produkt so schwer zugänglich macht. Und welches große Hindernis Verpackungen sein können, hat doch schon fast jeder von uns erlebt.

Denken wir zum Beispiel an die Fastenzeit, die wir im Augenblick als Vorbereitungszeit auf das Osterfest begehen. Fasten ist zwar in unserer Zeit durchaus „in“, denn der nächste Sommer kommt bestimmt, und da muss unser Körper ja wieder vorzeigbar sein.

Bewusster Verzicht entspricht unserem Zeitgeist

Doch bewusster Verzicht steht schon wieder auf einem ganz anderen Blatt. So weiß ich ja selbst nur allzu gut, wie schwer es mir fällt, vielleicht einmal den Fernseher auszulassen oder auf das Gläschen Wein am Abend zu verzichten.

Michael Baindl: Katholischer Diakon in Geretsried

Und doch würde dieses bewusste Verzichten auf ganz Selbstverständliches durchaus unserem Zeitgeist entsprechen. Denn Unabhängigkeit und Selbstständigkeit werden doch gerade heute ganz groß geschrieben.

Wenn ich es also schaffe, mein Smartphone vielleicht einmal einen Tag in der Woche nicht zu benutzen, beweise ich mir genau das damit. Es ist ja unter Umständen ein wichtiger Teil meines Lebens, aber ich bin auch nicht abhängig davon. Es könnte sogar passieren, dass ich, statt eine WhatsApp zu schreiben, wieder einmal persönlich mit jemandem spreche, und wer weiß, es könnte durchaus sein, dass ich in meinem Gegenüber Gott selbst begegnen kann. Denn wie es schon am Anfang der Schöpfungsgeschichte heißt: Gott schuf also den Menschen nach seinem Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn.

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