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Gott und die Welt 

Zeig dich – nicht nur auf Instagram!

In dieser Folge der Serie „Gott und die Welt“ denkt Georg Bücheler, Pfarrer in Geretsried, über die Fastenaktion der evangelischen Kirche nach.

Geretsried – Zeig dich! Tagtäglich werden Millionen Selfies von Menschen jeden Alters auf Facebook, Instagram und WhatsApp hochgeladen. In den Medien wie im Alltag zählen Jugend, Schönheit und Aussehen als Garanten des Erfolgs. Zeig dich – das praktizieren viele Menschen jeden Tag. Dabei geht es um die so bedeutsame soziale Anerkennung. Aber diese kann auch wie eine Droge wirken, dass wir fast alles dafür tun. Die einen treiben ihren Körper zum Äußersten, andere machen Überstunden, hungern oder lassen sich operieren. Menschen werden zu Gockeln, die mit Statussymbolen beladen durchs Leben stolzieren. Sie verlieren sich in fremden Ansprüchen, weil sie meinen, nur geliebt zu werden, wenn sie sich anpassen.

Georg Bücheler: Evangelischer Pfarrer in Geretsried

Auch Aggression erlebe ich häufig als einen Versuch, die Zustimmung zu erzwingen, die man glaubt zu verdienen. Sich zeigen geschieht immer im Vergleich mit anderen, weil wir dazu neigen, generell zu überschätzen, wie viel Freude andere Menschen in ihrem Leben verspüren. Meistens vergleichen wir mit denen, die um vieles besser, äußerlich attraktiver, kreativer, witziger, schlagfertiger, intelligenter, mutiger, fähiger, stärker, finanziell und beruflich erfolgreicher sind. Wir schielen so oft nach denen, die mehr haben als man selbst, die sich mehr leisten können.

Üben, das zu zeigen, was wir denken, lieben, glauben, hoffen

So entstehen die verrücktesten Ideen. Vor kurzem zeigte mir jemand eine Fitness-App, mit der man aus jeder ganz normalen Wanderung und jedem Fahrradausflug einen Fitness-Vergleichs-Wettkampf machen kann. Das mag für manchen ein Ansporn sein, es kann aber auch großen Schaden anrichten. Denn ich erlebe Menschen in diesem Vergleichen in ständiger Unzufriedenheit mit sich selbst, verbunden mit dem Gefühl, nicht gut genug zu sein, die eigenen Erfolge nicht genießen zu können, da es immer Jemanden gibt, der noch erfolgreicher und besser ist. So ist der Vergleich mit anderen immer auch mit der Gefahr verbunden, sich selbst zu verletzen.

Zeig dich! Sieben Wochen ohne Kneifen! Die Fastenaktion der evangelischen Kirche möchte dazu ermuntern, den aufrechten Gang zu üben. Sich zu üben, das zu zeigen, was wir denken, lieben, glauben, hoffen. Nicht kneifen, wenn das Leben uns ruft. Sich darin zu üben, sich wahrzunehmen und sich so zu zeigen, wie man ist, mit allen Fehlern, Ecken und Kanten. Das erfordert Mut. Ein paar Wochen sich nicht verstecken, nicht abtauchen oder wegducken. Der Verzicht, sich mit anderen zu vergleichen und sein Erreichtes nur danach zu beurteilen, wie weit man es aufgrund seiner Startbedingungen, Fähigkeiten und Talente gebracht hat. Das kann einen stolz und zufrieden machen. Probieren Sie’s aus. 

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