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Andere Länder, andere Sitten: Bei einem Info-Nachmittag in den Ratsstuben bekamen Flüchtlinge hilfreiche Hinweise, wie sie sich in Deutschland zu verhalten haben.

Tipps zum Leben in Deutschland

Großeses Interesse: Integrationshilfe in fünf Sprachen

Wie findet man eine Wohnung? Wer darf mein Kind aus dem Kindergarten abholen? Die städtische Asylkoordinatorin gab den Flüchtlingen, die in Geretsried untergebracht sind, bei einem Informationsnachmittag hilfreiche Tipps . Das Interesse war groß.

Suzan Jarrar Asylkoordinatorin der Stadt Geretsried

Geretsried – Kindererziehung, Religionsfreiheit, Gleichberechtigung: Es gibt sehr viele Dinge, die hierzulande völlig anders laufen als in den Herkunftsländern der Asylbewerber. Die städtische Asylkoordinatorin Suzan Jarrar und Mitglieder des ehrenamtlichen Helferkreises luden deshalb alle rund 300 in Geretsried lebenden, erwachsenen Flüchtlinge zu einem Info-Nachmittag in die Ratsstuben ein. Das Interesse war groß, die Geduld ebenfalls, da alle wichtigen Punkte in fünf verschiedene Sprachen übersetzt wurden.

Suzan Jarrar wies die Anwesenden darauf hin, dass ein Wohnberechtigungsschein für anerkannte Asylbewerber noch lange keine Garantie auf eine Sozialwohnung sei. Davon gebe es nur rund 500 in Geretsried; die Wartelisten seien lang. Jeder Berechtigte könne jedoch auch nach einer privat vermieteten Wohnung suchen. Die Miete werde dann vom Jobcenter erstattet, vorausgesetzt sie überschreite eine bestimmte Summe nicht.

Internet und Impfen

Kinder und Jugendliche müssten im Umgang mit dem Internet besser aufgeklärt beziehungsweise beaufsichtigt werden, mahnte Jarrar. Es sei vorgekommen, dass Kinder auf gebührenpflichtigen Seiten gesurft seien und die Unterkunft eine Rechnung über 2000 Euro erhalten habe. Die Eltern müssten in Deutschland zudem darauf achten, dass ihre Kinder geimpft würden. Wer seinen Nachwuchs nicht pünktlich vom Kindergarten abhole oder einfach eine fremde Person zum Abholen schicke, mache sich wenig beliebt beim Kindergartenpersonal, so Jarrar.

Im Namen der Sparkasse gab die hauptamtliche Asylkoordinatorin folgende Tipps weiter: Es sollten keine Kredite übers Internet aufgenommen werden. Die Zinsen würden teilweise 20 Prozent betragen. Kontoauszüge sollten aufgehoben werden als Nachweise beim Landratsamt oder Jobcenter, denn das Nachdrucken koste 2,50 Euro pro Blatt. Schließlich empfiehlt die Sparkasse jedem Asylbewerber, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Sie berate gerne, es müssten aber Termine vereinbart werden.

Beschneidung von Mädchen verboten

Ein Thema bei vielen Flüchtlingen ist laut Jarrar die Beschneidung. Sie erinnerte daran, dass die Beschneidung von Mädchen in Deutschland verboten ist. Für Buben gebe es Ausnahmeregelungen. Bestimmte Ärzte in München würden die Operation vornehmen.

Aus gegebenem Anlass wies die städtische Mitarbeiterin darauf hin, dass in Deutschland Religionsfreiheit und Gleichberechtigung von Mann und Frau herrschten. Es sei in einer Unterkunft zu heftigem Streit zwischen evangelischen und katholischen Christen gekommen. Jarrar: „Es sind also nicht nur Schiiten und Sunniten, die aneinandergeraten.“ Frauen, auch unverheiratete, könnten sich bei Problemen jederzeit an die Berater in den Sammelunterkünften wenden. In allen drei Heimen – an der Blumenstraße, am Schulzentrum und am Robert-Schumann-Weg – seien Sprechstunden eingerichtet worden.

Sport für alle

Dass Mädchen die selben Sportarten wie Buben betreiben können, demonstrierte Johann Kaiser von der Taekwon-Do-Schule Kaiser mit einer Vorführung einer gemischten Gruppe. Eine Vertreterin des TuS ermunterte die Asylbewerber, sich die unterschiedlichen Sparten des Vereins anzuschauen. Das erste Jahr Mitgliedschaft sei für sie kostenlos, und Sport sei eine gute Möglichkeit, sich zu integrieren.

Tanja Lühr

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