Heißes Thema: Auf Einladung der Geretsrieder Grünen diskutierten die Münchner Stadträtin Anna Hanusch (stehend) und Bundestagsdirektkandidat Karl Bär (re.) über die hohen Miet- und Immobilienpreise im Münchner Umland.
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Heißes Thema: Auf Einladung der Geretsrieder Grünen diskutierten die Münchner Stadträtin Anna Hanusch (stehend) und Bundestagsdirektkandidat Karl Bär (re.) über die hohen Miet- und Immobilienpreise im Münchner Umland.

Diskussion mit Expertin

Grüne kritisieren „hemmungslose Spekulation“ am angespannten Immobilienmarkt

Ob und wie lange kann sich der Durchschnittsbürger das Wohnen in der Region um München noch leisten? Dieses brisante Thema hat sich der Grünen-Ortsverband vorgenommen.

Geretsried – Die Immobilienpreise im Landkreis klettern rasant. Bei den Mieten sieht es etwas besser aus, aber auch sie steigen im Verhältnis zum Einkommen so stark, dass bei vielen Menschen die Hälfte ihres Gehalts fürs Wohnen drauf geht. Zusammen mit dem Bundestagsdirektkandidaten der Grünen, Karl Bär, und Anna Hanusch, der Vorsitzenden der Grün-Rosa-Fraktion im Münchner Stadtrat und Expertin für nachhaltiges Bauen, erörterte der Grünen-Ortsverband am Donnerstagabend die Frage, ob und wie lange sich der Durchschnittsbürger das Wohnen in der Region um München noch leisten kann. Etwa 20 Parteimitglieder und interessierte Zuhörer diskutierten mit.

Der Ortsvorsitzende Michael Kling nannte zunächst die Zahlen der vergangenen 14 Jahre. Seit 2007, als er selbst gebaut hat, seien die Grundstückspreise um 275 Prozent auf heute bis zu 1100 Euro pro Quadratmeter angestiegen. Die Mieten hätten sich in etwa verdoppelt. Gleichzeitig sei der Platzbedarf pro Person enorm gewachsen – von 22 Quadratmetern in den 1960er-Jahren auf rund 50 Quadratmeter heute. Als Hauptursachen für die teuren Mieten nannte Kling die Abkehr vom Sozialwohnungsbau, verursacht vor allem durch den Wegfall staatlicher Förderungen, den starken Zuzug nach Bayern, wo es mehr Arbeitsplätze, Universitäten und Forschungseinrichtungen gebe als im Rest des Landes, sowie „hemmungslose Spekulation“.

Private Investoren müssten „endlich“ in die Pflicht genommen werden

Mit Anna Hanusch war er sich darin einig, dass eine Lösung des Problems wieder mehr Sozialwohnungsbau sein könnte. Es müssten verstärkt Wohnungen in städtische Hand oder in die Hand von Wohnungsbaugenossenschaften gelangen, wie etwa nach dem Vorbild Wiens. Sei dies nicht möglich, müssten „endlich“ private Investoren in die Pflicht genommen werden, so Kling.

Ein gutes Beispiel ist für die Grünen die geplante Bebauung des Geretsrieder Lorenz-Areals, wo 30 Prozent sozial geförderte, 30 Prozent bezahlbare und 40 Prozent Eigentumswohnungen entstehen. Hanusch berichtete in diesem Zusammenhang von der Sozialen Bodennutzung (SoBoN) in München. Planungsbegünstigte werden an den Kosten und Lasten beteiligt, die durch die kommunale Bauleitplanung ausgelöst werden. Sie werden zum Beispiel beim Bau von Kindertagesstätten finanziell herangezogen. Außerdem hat die Landeshauptstadt eine „Milieu-Erhaltungssatzung“ erlassen, die Luxussanierungen unterbindet und der Stadt ein Vorkaufsrecht zusichert.

Karl Bär: In die Höhe statt in die Fläche bauen

Karl Bär schließlich plädierte dafür, in die Höhe statt in die Fläche zu bauen. Seine Heimatgemeinde Holzkirchen blicke oft neidisch nach Geretsried, „weil ihr euch hier traut, hoch zu bauen“, sagte er. Mehrstöckige Gebäude verringerten die Flächenversiegelung – ein Problem in Zeiten des Klimawandels mit immer mehr Hochwasserkatastrophen. Flachdächer könne man begrünen, was die Grünen im Geretsrieder Stadtrat wie berichtet bereits gefordert haben.

In der anschließenden Diskussion ging es um den zunehmenden Siedlungsdruck im Münchner Speckgürtel. Die Zuhörer forderten hier eine bessere Kommunikation zwischen der Landeshauptstadt und dem Umland. Auch die Auswirkungen der geplanten S-Bahn-Verlängerung auf die Bevölkerungsentwicklung wurden kritisch hinterfragt. Für Kling hat jedoch der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs Vorrang. Der zusätzliche Bedarf an Wohnraum müsse künftig sozialgerecht gedeckt werden, betonte er. Bundestagskandidat Bär versprach, sich im Fall seiner Wahl für die Rechte der Mieter stark machen zu wollen. Es sei gut, dass seine Partei in ihrem Wahlprogramm fordere, das Recht auf Wohnen im Grundgesetz zu verankern.

Tanja Lühr

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