Ist aufgestiegen: Mit 23 Jahren wurde Peter Curtius von der Grünen-Fraktion zum Vorsitzenden gewählt.
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Ist aufgestiegen: Mit 23 Jahren wurde Peter Curtius von der Grünen-Fraktion zum Vorsitzenden gewählt.

Fraktionsvorsitz im Stadtrat

Grüne sind sich nicht grün: Peter Curtius löst überraschend Martina Raschke ab

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Peter Curtius ist neuer Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat. Offenbar gibt es intern Unstimmigkeiten über die Arbeitsweise.

  • Im Stadtrat stellte sich Peter Curtius als neuer Fraktionschef der Grünen vor
  • Zuvor hatte Martina Raschke diese Aufgabe übernommen
  • Nach nur neun Monaten Amtszeit gab es eine Neuwahl

Geretsried – Am Rande der Stadtratssitzung am Dienstag gab es eine Überraschung. Nach nur neun Monaten Amtszeit hat die Führungsspitze der Grünen-Fraktion gewechselt. Bisher war Martina Raschke Fraktionsvorsitzende und Dr. Detlev Ringer deren Stellvertreter. Nun haben Peter Curtius und Beate Paulerberg sie abgelöst. Ein Wortspiel lässt sich nicht vermeiden: Sind sich die Grünen nicht mehr grün?

Curtius: „Das wurde basisdemokratisch entschieden“

Sollte es in der Fraktionssitzung am Montag gekracht haben, in der der Führungswechsel entschieden wurde, so bemüht sich das neue Duo an der Spitze um Beschwichtigung. Man habe sich gemeinsam das vergangene Jahr angesehen und beschlossen, einen anderen Weg mit einer anderen Spitze zu gehen, erklärt Curtius auf Nachfrage unserer Zeitung. „Das wurde basisdemokratisch entschieden“, betont der 23-Jährige. Die fünf Grünen-Stadträte, neben Curtius, Paulerberg, Raschke und Ringer sitzt Volker Witte im Gremium, seien sicher nicht alle beste Freunde, aber es sei auch nicht ungewöhnlich, dass es innerhalb einer Fraktion unterschiedliche Ansätze gebe, sagt Curtius.

Beate Paulerberg und er würden kollegial und eng mit den anderen Fraktionen zusammenarbeiten wollen. „Ich will nicht sechs Jahre lang politische Spielchen spielen. Ich bin voller Tatendrang“, so Curtius. Ihm sei in erster Linie wichtig, für die Stadt das Beste rauszuholen und grüne Themen einzubringen. Das sieht seine Stellvertreterin Paulerberg genauso: „Wir arbeiten alle zusammen und ich hoffe, es wird so weiter gehen.“

Martina Raschke gibt erstmal nur kurze Erklärung ab

Für Martina Raschke bedeutet die Neuausrichtung der Fraktion einen steilen Abstieg. Bei der Kommunalwahl war sie als Bürgermeisterkandidatin der Grünen angetreten. Als absoluter Neuling fuhr sie nach dem wiedergewählten Amtsinhaber Michael Müller (CSU) mit 18 Prozent der Stimmen das beste Ergebnis ein.

„Die neue Fraktionsspitze plant eine Neuausrichtung der Fraktionspolitik ohne Rücksicht auf die im kommunalen Wahlkampf vertretenen Positionen“, kommentiert die 58-Jährige die Personalie. In geheimer Abstimmung hätten Curtius und Paulerberg 3:2 Stimmen bekommen. „Die Neuwahl war von den nun Gewählten in massiver Form gefordert worden“, sagt Raschke. Weiter wollte sie dies am Mittwoch noch nicht kommentieren.

Ortschef: „Das gefällt mir nicht“

Der Geretsrieder Grünen-Ortssprecher, Michael Kling, ist alles andere als glücklich mit den jüngsten Entwicklungen. „Jede Art von interner Auseinandersetzung, die nicht einvernehmlich gelöst werden kann, gefällt mir nicht“, erklärt er. Kling spricht von einer „Kampfabstimmung“, weil die Fraktionsmitglieder sich nicht über ihre Arbeitsweise einig werden konnten. Die Neuausrichtung könne etwas Gutes geben oder etwas Schlechtes. „Ich hoffe, dass es keine zu tiefen Narben hinterlässt.“

Peter Curtius ist bewusst, dass er als Fraktionsvorsitzender neben allen anderen Aufgaben innerhalb der Fraktion für ein „anständiges Arbeitsklima“ sorgen muss. „Meine zentrale Aufgabe wird sein, die Fraktion noch enger zusammenzubringen.“ Seine Stellvertreterin traut dem 23-Jährigen zu, die anstehenden Herausforderungen zu meistern. Paulerberg: „Ich halte viel von ihm. Peter ist einer, der mit Dampf rangeht.“

sw

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