Dreht sich das auch? Eine von 15 Wetterstationen steht auf der Böhmwiese. Bürgermeister Michael Müller (re.) macht zusammen mit Klimagutachter Helmut Bangert (li.) und Vize-Bauamtsleiter Andreas Porer den Test. Foto: Sabine Hermsdorf

Stadt Geretsried erstellt Klimagutachten

Grüne Oasen und frischer Durchzug

Geretsried - Die Stadt Geretsried lässt ihr Klima untersuchen. Sie erhofft sich davon Erkenntnisse für künftige Bauprojekte.

Wohngebiete etwa sollen so gebaut werden, dass es im Hochsommer nachts nicht zu heiß in den Räumen wird. Schneisen in der Natur, durch die der Wind wehen kann, sollen für Abkühlung sorgen, große Tore in städtischen Gebäuden für frischen Durchzug. Zur globalen Erwärmung kommt nämlich der demografische Wandel: Die vielen älteren Menschen vertragen Hitze nicht mehr so gut. Generell soll die Aufenthaltsqualität gesteigert werden, indem kühle, grüne Oasen geschaffen werden.

15 Wetterstationen im Stadtgebiet

Das Stadtklimagutachten erstellt bis zum Herbst 2017 das Paderborner Büro für Umweltmeteorologie Bangert. Der Leiter Helmut Bangert erklärte das Vorgehen in einem Pressegespräch im Rathaus. Sein Büro hat in Zusammenarbeit mit Inken Domany und Stefan Mensch vom städtischen Umweltamt an 15 Standorten im Stadtgebiet Wetterstationen aufgebaut. Eine dieser Stationen, die die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur messen, steht auf der Böhmwiese.

An mehreren Sommerabenden zeichnet ein Auto zusätzlich zu den Daten an zirka 60 Punkten im Stadtgebiet weitere Temperaturwerte auf, um kleinräumige Unterschiede zu dokumentieren. Bangert erwartet signifikante Unterschiede zwischen den bebauten Flächen und der freien Landschaft. Er weiß von mehreren Aufenthalten in Geretsried, dass im Wald um den Friedhof tagsüber angenehme Temperaturen herrschen und dass sich der Weg auf der Böhmwiese in Richtung Gasthof Geiger nach Sonnenuntergang klimamäßig bestens zum Joggen eignet.

Abendliche Führungen mit Rauchkerzen

Mit vier speziellen Windmessstationen, die ebenfalls ein Jahr lang kontinuierlich Daten aufzeichnen, wollen die Meteorologen der Be- und Entlüftung der bebauten Gebiete auf die Spur kommen. Auch für die Bevölkerung soll das Ganze veranschaulicht werden. Bangert plant abendliche Führungen, bei denen er und seine Mitarbeiter Rauchkerzen zünden. Die Rauchwolken seien für jedermann sichtbar und ließen Rückschlüsse auf lokale Windsysteme zu, sagte der Experte.

Bürgermeister Michael Müller möchte mit dem Klimaschutzgutachten „die Vorreiterrolle Geretsrieds beim Klimaschutz weiter ausbauen“. Das Büro Bangert wird für jedes Neubauprojekt eine Ampel erstellen. Rot bedeutet: Hier ist Gefahr fürs gute Klima im Verzug, falls ein Gebäude tatsächlich in einer bestimmten Höhe oder mit einer bestimmten Firstrichtung gebaut würde. Gelb würde aufleuchten, wenn die Stadt auf einer nur teilweise beschatteten Wiese mit überwiegend hohen Temperaturen und etwas zu viel Wind einen Tennisplatz bauen wollte.

Auch der private Häuslebauer erhält auf Wunsch die Daten

Vize-Bauamtsleiter Andreas Porer sagte, die von Bangert erstellte Stadtklimakarte würde in jeden Bebauungsplan genau wie etwa ein Bodengutachten einfließen. „Auch der private Häuslebauer erhält auf Wunsch die Daten.“ Stadt und Meteorologen appellieren an die Vernunft der Bürger, die Wetterstationen nicht mutwillig zu zerstören. Ein gesundes Stadtklima komme schließlich auf Dauer jedem Einzelnen zugute. Die Ausarbeitung des Gutachtens wurde in das bayerische Förderprogramm „Zuschüsse des Landes für städtebauliche Planungen und Forschungen“ aufgenommen.

Tanja Lühr

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