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Der Autor und sein neues Buch: Günther Frühmorgen aus Ammerland.

Echt bayrisch, echt authentisch

Günther Frühmorgen schreibt „Spionin Escora“

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Münsing - Erst Verwechslungskomödie, dann Spionagethriller: Autor Günther Frühmorgen aus Ammerland spielt in seinem neuen Buch "Spionin Escora" mit den Genres.

Autor Günther Frühmorgen (64) aus Ammerland liebt Sprachen. Und Dialekte. Dialekt, das ist für ihn Heimat: „Gerade bei einem Heimatkrimi kommen die Dialoge im Dialekt wie Wasser aus unserer Seele“, sagt er. „Dialekt ist die direkte Verbindung zwischen Herz, Himmel und Erde.“ Seine mitreißende Art zu Erzählen hat er in seinem Erstlingswerk „Katzendraller“ schon unter Beweis gestellt (wir berichteten). Sein neues Werk „Spionin Escora“ steht dem in nichts nach.

Die Fortsetzung seiner ersten bayerische Kriminalkomödie ist ein temporeiches Roadmovie, bei dem Nichtbayern in Sachen Dialekt kräftig üben können. Ein Banküberfall wird zur Verwechslungskomödie, die Geschichte entwickelt sich zu einem hochpolitischen, aber unblutigen Spionagethriller.

Der suspendierte Ermittler Polizeiobermeister Miche „Mike“ Meiller (31) und seine 16-jährige Freundin Hanni Bomhard scheuchen versehentlich DDR-Spione auf, die auf Starfighter angesetzt sind. Die Ost-Spionin Ellen Rometsch verdreht Meiller flott den Kopf – und dem Autor während des Schreibens eher unfreiwillig die Story. Frühmorgen: „Die Figuren entwickeln beim Schreiben durchaus ein Eigenleben.“ Aber genau das schätzt der gebürtige Moosburger. „Wenn man die Geschichte wie ein Korsett baut, dann engt man sich meiner Meinung nach zu sehr ein. Dann wird’s steif.“

Steif ist in seinen Büchern wirklich rein gar nichts. Man hat eher Mühe, sich auf diese rasante, teils verdrehte Erzählweise einzulassen. Wer jedoch den Österreicher Wolf Haas mag, wird Günther Frühmorgen lieben. Als einlullende Bettlektüre ist „Spionin Escora“ allerdings nicht empfehlenswert.

Den Rahmen der Geschichte und alle Details hat der ehemalige Gymnasiallehrer gründlich recherchiert. „Das ist Pflicht. Es sind immerhin einige wahre Begebenheiten verarbeitet.“ Wie beispielsweise das legendäre Nickerchen von Ministerpräsident Franz Josef Strauß, bei dem in Moosburg ein ganzes Bierzelt geräumt werden musste. Im Kern der Geschichte geht/ging es um die Elektronik, genauer gesagt das Zielsuchgerät des Starfighters. Die reale Ost-Spionin Ellen Rometsch verschwand laut Frühmorgen nach einer skandalösen Sex-Affäre mit US-Präsident John F. Kennedy 1962 spurlos. Im Buch taucht sie 1972 überraschend wieder auf. Begleitet wird die Spionagestory von den szenisch-dramaturgisch effektvoll eingearbeiteten Musiktiteln der 1960er- und 1970er-Jahre. Der ehemalige Schlagzeuger setzt sie bewusst ein: „Die Songs der damaligen Zeit, die allgegenwärtigen Rock- und Pop-Hits haben die Jugend von damals bei fast jedem Schritt animiert und inspiriert. Die Musik wirkt zum Teil stimmungsverstärkend wie eine Droge.“

Wo der historische Faden abreißt, kommt Frühmorgens Neigung zur Komödie ins Spiel. Da ist ihm nichts heilig. Der Autor ist sich aber immer seiner Verantwortung gegenüber dem Leser bewusst. Der 64-jährige verzichtet gänzlich auf Brutalität und Gemetzel. „Ich empfinde es als Zumutung, den Leser mit bestimmten Bildern, die durch die Erzählung im Kopf entstehen, zu verletzen.“

Die lebendige Sprache des Absolventen der Amerikanistik und Geographie, der nebenbei über viele Jahre international Möbel entworfen und vertrieben hat, macht das Buch erfrischend zu lesen. Und die waschechten bayrischen Dialoge sind hinreißend authentisch.

von Bettina Sewald

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