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„Gummigeschosse sind eine tödliche Waffe“

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Von: Rudi Stallein

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Schreckschusswaffe
Symbolbild © dpa

Ein Geretsrieder hat illegale Schreckschusspistole im Internet gekauft. Nun muss er 4050 Euro Geldstrafe zahlen.

Geretsried/Wolfratshausen – Er wollte sich „zur Wehr setzen können, falls jemand eindringt“. Deshalb besorgte sich ein 61-jähriger Geretsrieder – wie viele andere Bundesbürger zu dieser Zeit – im Frühjahr 2016, zunächst einen „Kleinen Waffenschein“. Im Sommer desselben Jahres kaufte er beim Online-Shop „Migrantenschreck“ einen Schreckschussrevolver samt Hartgummigeschossen. Ein Jahr später deckte er sich bei einem Waffengeschäft in Bad Tölz mit passenden Platzpatronen ein. Nun musste sich der gelernte Kfz-Schlosser wegen vorsätzlicher unerlaubter Einfuhr einer Schusswaffe vor dem Amtsgericht verantworten. In Ungarn, wo der deutsche Inhaber seinen florierenden Online-Handel betrieben hatte, dürfen Schreckschusswaffen legal an jeden verkauft werden, der älter als 18 Jahre alt ist. Hierzulande sind sie verboten.

„Ich wusste nicht, dass das ungesetzlich ist“

„Ich war wegen der Sicherheitslage sehr verunsichert“, erklärte der Angeklagte, der damals „im Erdgeschoss mit Terrasse“ wohnte, seine Motivation. „Es schien mir unfassbar, dass es zu solchen Ausschreitungen kommen konnte“, beschrieb er seine Gemütslage nach den Übergriffen in der Silvesternacht 2015/2016 in Köln. Weil das ihm bekannte Waffengeschäft an der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen damals schon geschlossen war, sei er auf die Idee gekommen, sich um Internet eine Schreckschusswaffe zu bestellen. „Ich wusste nicht, dass das ungesetzlich ist“, beteuerte der Geretsrieder. Einen Hinweis darauf hätte ihm der Name des Online-Shops geben können. „Migrantenschreck – hat der Name nicht ein gewisses Unbehagen verursacht?“, fragte die Staatsanwältin. „Ein fremdenfeindlicher Hintergrund scheint mir da sehr naheliegend.“

Shop ist seit einem Jahr offline

Seit Anfang 2017 ist der Shop offline. Anhand einer Kundenliste durchsuchte die Zollfahndung zahlreiche Wohnungen und Geschäftsräume. Am 27. September 2016 standen die Fahnder mit einem Durchsuchungsbeschluss bei dem Geretsrieder vor der Tür. Die Waffe lag geladen in der Nachttischschublade, wie eine Ermittlungsbeamtin als Zeugin erklärte. „Gummigeschosse sind eine tödliche Waffe, wenn jemand unglücklich getroffen wird“, bestätigte die Ermittlerin auf Nachfrage des Gerichts. Anders als die Verteidigerin, die ihrem Mandanten fahrlässiges Handeln zubilligte, ging Richter Helmut Berger von „bedingtem Vorsatz“ aus. Er verurteilte den Geretsrieder zu einer Geldstrafe von 4050 Euro (90 Tagessätze à 45 Euro). Über den Umweg Internet habe der Angeklagte die gesetzlichen Vorgaben umgehen wollen, so Berger. „Sie haben einen Waffenschein beantragt. Da wäre es ein Leichtes gewesen, sich zu erkundigen, wie man sich schützen kann.“

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