Verteilen Einkaufsgutscheine an bedürftige Mitglieder: (v. li.) Edith Peter, Cornelia Irmer und Gisela Lucht vom VdK-Ortsvorstand.
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Verteilen Einkaufsgutscheine an bedürftige Mitglieder: (v. li.) Edith Peter, Cornelia Irmer und Gisela Lucht vom VdK-Ortsvorstand.

Wie sich Geretsrieds VdK-Vorsitzende Cornelia Irmer und ihr Team für Senioren in Not engagieren

Gutscheine, Regenponchos und Rechtsberatung

  • vonPeter Herrmann
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Die Corona-Pandemie ist auch für den VdK eine Herausforderung. Der Geretsrieder Ortsverband meistert sie auf seine Weise.

Geretsried – Mit zwei Millionen Mitgliedern ist der VdK der stärkste Sozialverband Deutschlands. Vor zwei Jahren übernahm Altbürgermeisterin und Freie-Wähler-Kreisrätin Cornelia Irmer den Vorsitz des Geretsrieder Ortsverbandes. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Peter Herrmann verrät die 70-Jährige, wie sie mit ihrem Vorstandsteam trotz coronabedingter Veranstaltungsabsagen und Kontaktverboten an vielen Stellen Hilfe leisten konnte und kann.

Den Senioren, die alleine leben, fehlen in der Tat soziale Kontakte

Cornelia Irmer

Frau Irmer, kann der VdK-Ortsverband in diesen Zeiten seine Mitglieder überhaupt persönlich betreuen?

Cornelia Irmer: Den Senioren, die alleine leben, fehlen in der Tat soziale Kontakte. Sie vermissen die Veranstaltungen und Zusammenkünfte, zu denen wir vor dem Ausbruch der Pandemie mindestens einmal pro Monat eingeladen haben. Deshalb hat sich der Vorstand viele Gedanken gemacht, wie wir die Mitglieder erreichen und Notleidende unterstützen können.

Zum Beispiel?

Irmer: Seit Anfang Dezember verteilen wir Einkaufsgutscheine im Wert von 25 Euro für Geretsrieder VdK-Mitglieder, die Grundsicherung, Wohngeld, Hartz IV, Sozialhilfe oder eine niedrige Rente beziehen, eine Sozialcard oder die Berechtigung für die Geretsrieder Tafel haben. Eingelöst werden können sie bis zum 31. Januar 2021 in den beiden Penny-Läden an der Sudeten- und Böhmerwaldstraße.

Wie kommen Mitglieder an diese Gutscheine?

Irmer: Wer die Voraussetzungen erfüllt, wählt die Telefonnummer 0 81 71/2 38 75 06. Dort ist ein Anrufbeantworter geschaltet. Wichtig ist es, Namen, Telefonnummer und Anschrift zu hinterlassen. Gisela Lucht, Edith Peter und ich rufen dann zurück, um die Übergabe zu regeln. So eine Aktion ist auch eine gute Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu treten und ihnen bei ihren Problemen weiterzuhelfen. Zudem kann der VdK in Härtefällen eine monatliche Beihilfe von 200 Euro zahlen.

Soll heißen, die VdK-Rechtsberatung auf den Gebieten Rente, Behinderung, Gesundheit und Pflege kann auch telefonisch stattfinden?

Irmer: Ja. Unsere erfahrenen und hochqualifizierten Rechtsexperten in der Kreisgeschäftsstelle in Bad Tölz können helfen, wenn Senioren zum Beispiel eine höhere Rente zusteht, die Einstufung bei den Pflegegraden geprüft werden muss und vieles mehr.

Wie können Sie die Herausgabe von Einkaufsgutscheinen und andere Leistungen finanzieren?

Irmer: Das bedeutet schon einen enormen Kraftakt für uns, obwohl die Mitgliederzahl in diesem Jahr von 1400 auf 1470 angestiegen ist. Der Monatsbeitrag liegt jedoch nur bei sechs Euro, wovon wiederum nur ein kleiner Teil beim Ortsverein ankommt. Zum Glück gibt es Firmen und Privatpersonen, die uns Spenden überlassen. Diese Beiträge haben uns auch geholfen, im Sommer Regenponchos an unsere Mitglieder zu verschenken zusammen mit einem Informationsbrief über die Einkaufsgutschein-Aktion im Frühsommer. Es gab sehr, sehr viele positive Rückmeldungen. Im November haben wir unseren Mitgliedern einen kleinen Adventskalender schicken können, der sehr viel Freude ausgelöst hat.

Ihre Haussammlung mussten Sie im Herbst vorzeitig abbrechen …

Irmer: Das ist richtig: Wegen der neuen bayerischen Corona-Vorschriften mussten unsere beiden Sammlerinnen ihre Bitten um eine Spende bei den Geretsrieder Bürgern einstellen und zu Hause bleiben. Deshalb haben wir um eine Spende auf unser Konto bei der Sparkasse (IBAN: DE94 700 543 06 05 70 06 26 53, Anm. d. Red.) gebeten.

Abgesagt werden musste auch die vom VdK geplante Großdemonstration zur Rentenreform in München. Bleiben Sie an dem Thema dran?

Irmer: Selbstverständlich: Wir geben nicht auf! Um die Altersarmut zu bekämpfen, muss unser Rentensystem grundlegend verändert werden. Nicht nur Arbeitnehmer sollen einzahlen, sondern auch Beamte, Freiberufler, Selbstständige. Unsere Vorbilder sind hier Österreich und die Schweiz. Dort bleibt für Rentner viel mehr Geld für die gestiegenen Lebenshaltungskosten übrig. Aber auch sonst gibt es noch viele Themen. Zur Bewältigung der enormen finanziellen Belastungen durch Corona wäre eine freiwillige Vermögensabgabe der reichsten Bürger in Deutschland, wie es unsere Verbandsvorsitzende Verena Bentele fordert, ein echtes Zeichen der Solidarität.

Gibt es auch kommunale Themen, für die Sie sich engagieren?

Irmer: In puncto Barrierefreiheit stoßen wir bei der Stadtverwaltung immer auf ein offenes Ohr und haben schon einiges erreicht. So wurden nach unserer Anfrage auf dem neuen Karl-Lederer-Platz Rillen für Sehbehinderte eingefräst. Dennoch gilt es, im Stadtgebiet noch einige Hindernisse zu beseitigen. Ein paar Fußgängerampeln stehen beispielsweise so ungünstig in der Mitte des Gehsteigs, dass Behinderte mit Rollatoren oder Rollstühlen oder auch Kinderwagen nur schwer daran vorbeikommen.

Was wünschen Sie sich für das Jahr 2021?

Irmer: Ich wünsche mir vor allem, dass unsere Mitglieder gesund bleiben und sich impfen lassen. So kann das normale Leben, nach dem wir uns alle sehnen, vielleicht schon bald wieder ermöglicht werden.

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